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Gibt es nur mehr Zwang, anstatt Respekt?

securitycheckZwei Ereignisse treffen zusammen. Obwohl es sich um zwei grundverschiedene Themen handelt, in einem Fall geht es um Kunden und im anderen um Arbeitnehmer, bieten sich doch zwei Parallelen an. Eine davon wäre, dass es ums Reisen, speziell sogar ums Fliegen geht. Die zweite, lange vergessener Respekt und Menschenwürde. Sogar dem Papst, obwohl er selbst mit Privatmaschine reist, fällt auf, dass Flugpassagiere demütigend behandelt werden. Und, dass die Piloten der Lufthansa zur Zeit gerade ein Chaos auf deutschen Flughäfen schaffen, sollte weniger Groll und Neid („als würden die nicht ohnehin schon genug verdienen“) schüren, sondern zum Nachdenken anregen. Auch Arbeitnehmer – zu denen sich die meisten von uns zählen – verdienen Respekt.

Sobald ein Unternehmen auch nur leicht ins Wanken gerät, an welche Kürzungen wird als erstes gedacht? Richtig. Die Lohnkosten. Ich spreche jetzt nicht ausschließlich von der Situation der Lufthansa-Piloten, die machen nur den notwendigen Wirbel, den es braucht, um aus dem Dornröschenschlaf – oder der Lethargie – zu erwachen. Diese Überlegungen betreffen fast alle Menschen in der westlichen Welt. Eine Tonne Rohmaterialen bleibt immer eine Tonne. Ein 1.000-Quadrat-Meter-Grundstück lässt sich nicht expandieren. Doch einem Menschen kann man, Schritt um Schritt, immer mehr Leistung abverlangen.

Wird die Leistung eines Arbeitnehmers gebührend respektiert? Die Arbeit ist für Menschen der aufwendigste Teil ihres Lebens. Klar, was denn sonst? Man lebt doch nicht des Vergnügens wegen! Doch wenn ich mein Leben einer bestimmten Arbeit verschreibe, dann will ich mich dafür entsprechend entschädigt wissen. Teils durch Geld, teils durch angenehme oder zumindest akzeptable Arbeitsbedingungen und alles zusammen durch Respekt, denn ohne Pilot fliegt die Maschine einfach nicht. Ohne Fahrer bewegt sich der Bus nicht. Ohne Kassier verlassen die Kunden den Supermarkt ohne zu bezahlen. Was würde mit den Kindern passieren, wenn sie nicht täglich einige Stunden vom Lehrer betreut und unterrichtet werden würden?

Und wie oft passiert es, dass dem Einzelnen, der nach mehr Geld, nach besseren Bedingungen fragt, geantwortet wird: „Sie sollten froh sein, überhaupt einen Job zu haben. Glauben Sie niemals, dass sie nicht ersetzbar wären!“ Oder so ähnlich.

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Wer für seinen eigenen Betrieb arbeitet, und wenn dieser auch noch so klein sein mag, für den ist die erste Motivation, natürlich, der langfristige Aufbau seines Geschäftes. Auch wenn es Jahrzehnte dauern mag, auch wenn sich der richtige Erfolg niemals einstellen sollte, Baustein um Baustein wird aneinandergefügt, in der Hoffnung, eines Tages ein solides Gebäude errichtet zu haben. Der Arbeitnehmer ist nie wirklich Teil der Konstruktion, die er zu errichten mithilft. Er ist angemietet, lässt sich jederzeit wegschicken, lässt sich erneuern. Seine Leistung kann nur in der Gegenwart honoriert werden. Betrachten wir die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte, so scheint es, leider, immer mehr, als wäre der Arbeitnehmer nicht mehr als ein flexibler, denkender Roboter, dem gerade die Energie zugefügt wird, dass er seine Aktivitäten planmäßig auszuführen fähig ist.

Es wird erzählt, dass mathematische Berechungen zum Beweis führen sollen, dass sich Parallelen im Unendlichen überschneiden. Der Arbeitnehmer hat in dieser Gesellschaft noch eine zweite wichtige Funktion. Er ist gleichzeitig auch Konsument. Während er, nein, nicht alle, aber viele, am Arbeitsplatz nun mit entsprechend reduziertem Respekt leben muss, weil er ja der ist, der das Geld empfängt, um das sich letztendlich alles dreht, dann wird er, nach Dienstschluss, zu dem, der das Geld verteilt. Er wird zum Kunden, zum König.

Beginnen wir gleich mit dem markantesten aller Beispiele: Mit einer Flugreise. Flüge sind erschwinglich geworden, um nicht zu sagen, ausgesprochen billig. Und gleichzeitig wird der Reisende, der Kunde, sofort zum Bittsteller. Anstatt mehr Schalter zum Einchecken zu öffnen, lässt man ihn warten, in endlos langen Schlangen, wo er, mangels Alternative, geduldig ausharrt, wie einst der Russe, in der Hoffnung, dass es in diesem Laden auch in ein paar Stunden noch Bananen geben könnte.

Und dann geht’s weiter zur Sicherheitskontrolle. Schuhe ausziehen, Gürtel aus der Hose, immer wieder fällt denen was neues ein. Die winzig kleine Nagelschere wird konfisziert, die benzingetränkte Watte wird dem Zippo entnommen (nicht aber das Gas aus dem Bic-Feuerzeug), die Zahnpasten-Tube mag dann ebenso zu groß sein wie das Parfum-Fläschchen. „Führen Sie meine Anweisungen aus, Sie A.......ch! Wir entscheiden, ob Sie fliegen oder nicht! Schnauze, Mann! Kapieren Sie denn nicht? Das passiert alles zu ihrem eigenen Schutz, zu ihrer eigenen Sicherheit!“

Was für eine Genugtuung, wenn ich mich, zu meiner eigenen Sicherheit, wie ein Verbrecher behandelt fühle, obwohl ich weder Vollbart noch Turban trage und auch keinen Koran im Handgepäck führe.

Vor kurzem traf sich der Papst mit Repräsentanten der italienischen Luftfahrtsbehörden. Er kritisierte die respektlose Behandlung von Passagieren. Die Online-Zeitschrift des Vatikans, Zenit.org, berichtet in einem englischen Beitrag darüber. Darin steht geschrieben, dass Benedikt XVI erklärt hätte, dass die Person – oder der Mensch -  der Zweck sei und nicht das Mittel der Kontrollen. Während manche internationale Medien dem Papst vorwerfen, er würde durch derartige Behauptungen den Terrorismus unterstützen, schreibt der Spiegel-Online von seiner Kritik bezüglich Nackt-Scannern. Auch wenn die Vatikan-Zeitschrift nichts von diesen Scannern erwähnt, er mag eine Bemerkung darüber geäußert haben. Doch handelt es sich dabei nicht um den Kernpunkt. Ich muss einen Menschen nicht nackt ausziehen oder durchleuchten, um ihn zu entwürdigen. Die derzeitige Behandlung auf Flughäfen reicht dazu völlig aus.

Was können wir gegen all das tun? Wenn ich die Antwort nur wüsste! Den Piloten der Lufthansa wäre der Schritt ohne Gewerkschaft, von der wir letztendlich auch nicht wissen können, welche Ziele sie wirklich verfolgt, nie gelungen. Der Einzelne findet sich unbarmherzig mit der Wahrheit konfrontiert, dass er ersetzbar ist. Und was können wir tun, wenn wir als Reisende, als Kunden schlechthin, respektlos behandelt werden? Die Alternativen werden immer seltener. Vielleicht ist es wirklich das beste, einfach weiter zu dösen, die Dinge ihren Lauf nehmen lassen, gehorsam seine Pflicht zu tun, dann geduldig auf die Futterration zu warten und mit hängendem Kopf den Weg zu Schlachtbank weiter zu beschreiten.

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