Dalai Lama bei Larry-King-Live

Nach seinem kurzen und informellen Besuch bei Präsident Barack Obama, gab der Dalai Lama sein erstes TV-Interview. Er war zu Gast bei Larry-King-Live, einer der beliebtesten Talk-Shows in Amerika. Larry King ist bekannt für Objektivität und Respekt in der Behandlung seiner Gesprächspartner, aber auch für provokante und oft schwierig zu beantwortende Fragen. Der, an Diplomatie gewöhnte, Dalai Lama sprach kurz von seinem Treffen mit Barack Obama, dann über seine Erwartungen für die Zukunft, seine Beziehungen zu China und seine Hoffnung für das tibetische Volk. Auf Tiger Woods angesprochen, musste das Oberhaupt Tibets gestehen, dass er noch nie von ihm gehört hatte.
„Was erwarten Sie von Amerika?“, war Larry Kings erste Frage. Keine Unterstützung für die Verbesserung der Situation Tibets, keine Vermittlung mit China, sondern Verständnis dafür, dass Wirtschaft und Diplomatie nicht zu Frieden führen. Der sei nur im Inneren des Menschen zu finden. Die einzige Hilfe, die er für Tibet erwarte, sei Unterstützung in der modernen – und dieses Wort betonte er – Ausbildung der tibetischen Jugend, und zwar sowohl außerhalb als auch innerhalb der Grenzen Tibets. China behaupte, dass es absolut keine Probleme mit Tibet gäbe. Doch, die Menschen litten noch immer unter Unterdrückung, Kontrolle und Einschränkungen.
„Was ist für Sie wichtiger,“, stellte Larry King eine schwierige Frage, „die Beziehungen zwischen Tibet und China oder die zwischen Amerika und China?“
Mit gewohnt entspanntem Lächeln unterließ es der Dalai Lama, auf diese Frage direkt einzugehen. Er erinnerte daran, dass er schon seit langem keine Unabhängigkeit von China fordere. Was er aber anstrebe, sei, die Erhaltung der Kultur, Tradition und Denkweise seines Volkes, das sechs Millionen Menchen zählt.
Sein Beliebtheitsgrad steht weltweit, lassen wir China beiseite, wirklich hoch. Wenn der Dalai Lama eine Empfehlung abgibt, so wird auf ihn gehört. Und so widmet er sich mit Freuden der Unterstützung eines Projektes, welches sich „Whole Child International“ nennt. Dabei handelt es sich um eine internationale Hilfsorganisation für Kinder, die in Weisenhäusern aufwachsen, denn insbesondere dort, wo es oft an Zuneigung und Hingabe fehlt, wachsen oft Menschen heran, die sich in ihrer Zukunft mit inneren Konflikten, und daraus resultierenden Problemen, konfrontiert finden. In einer gesunden Welt bedarf es Mitgefühls, und dass sich solches verbreite, dafür bete er.
Als Larry King ihn auf seine Meinung bezüglich der Tragödie auf Haiti ansprach, bezeichnete er ihn als Mann Gottes, als geistigen Menschen. Mögliche Erwartungen, der Dalai Lama könnte sich hinreißen lassen, von höherer Strafe oder schlechtem Karma zu sprechen, wurden enttäuscht. Er bezeichnete die Ereignisse als nationale Tragödie, aber nicht, ohne das Positive im Aufbau einer neuen Zukunft für das Land zu sehen.
Ob er, nach fünfzig Jahren im Exil, noch an sein Leben in Tibet denke? Die Frage amüsierte den Dalai Lama und er erlaubte sich kurze Bemerkungen zu seiner Jugend in Palästen. Doch nun lebe er in Indien, esse indischen Reis und indisches Dhal (ein Linsengericht). Das einzige, was ihn mit dem Land Tibet verbinde, sei das Volk. Er, als Mönch, habe sich damit abgefunden, dass Indien zum Zentrum seines Lebens geworden ist.
Tiger Woods brachte Larry King deswegen ins Gespräch, weil sich dieser, bei seiner kürzlich, Schlagzeilen machenden, Entschuldigung, als Buddhist zu erkennen gegeben hatte, der vom Weg abgekommen war, der sich der Untreue hingegeben hatte. Bei Treue handle es sich um eine Disziplin, um einen Weg der Selbsterziehung, der aber nicht schwer zu beschreiten sei, so der Dalai Lama.
An die Zukunft hegt er große Hoffnungen. Er glaubt daran, dass sich die Lebensbedingungen für die Menschen verbessern werden. Er glaubt, dass Kriege zu einem Ende kommen werden. Er denkt positiv.
Abschließend musste er noch die Frage beantworten, ob er China liebe. „Aber ja, natürlich!“, kam seine selbstverständliche Antwort. Gut, er gab zu, dass er manchmal Irritierungen verfiele, dass er diesbezüglich gelegentlich an sich arbeiten müsse, aber grundsätzlich würde er China lieben und möchte dies auch ohne Einschränkungen tun.
Während des 30 Minuten dauernden Gespräches fiel auf, dass Larry King eine direkte Anrede unterließ. Am Ende verabschiedete er sich aber dennoch mit den Worten: „Eure Heiligkeit, ich danke für das Gespräch!“









