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7 Tage, 1 Meinung - Die Woche der drei Revolutionen

7_tage_1_meinung_logoNach dieser Woche ist alles anders in Deutschland. Art und Stil der Politik haben sich unwiderruflich verändert. Die Macht der veröffentlichten Meinung und der etablierten Medien schwindet. Sie wird Stück für Stück abgelöst durch eine Art politischer Fan-Kultur wie sie bislang nur aus dem Show-Business bekannt war. Anlass, wenn auch wohl nicht Ursache, dieser Revolution ist Guttenberg. Ihm wurde der Doktorgrad aberkannt, er ist ein Plagiator, manche sagen ein Lügner und Betrüger. Ein bürgerlicher Politiker, der es mit den bürgerlichen Werten nicht allzu genau nimmt. Hauptsache der Anzug sitzt. Macht alles nichts, die Fans halten zu ihm, sie wollen sich ihr Idol in einer drögen politischen Landschaft nicht kaputt machen lassen. Und die etablierten Medien lassen sich davon extrem stark beeindrucken. Für sie wird die Anzahl der Fans immer mehr zu einem Argument. Sowas gab es noch nicht in Deutschland. Dieses Land scheint nunmehr angekommen im US-Standard. Raus aus der Polit-Kultur der 80er, hinein ins 21.Jahrhundert. Die Folgen sind noch gar nicht abzuschätzen. Guttenberg wird nur der Anfang sein, andere werden kommen, die das Rad weiterdrehen. Neue Gesetzmäßigkeiten der politischen PR werden entstehen, schon jetzt rätseln Fachleute, wohin das alles führen wird. Guttenberg hat angefangen, ein neues Kapitel zu schreiben. Mal sehen, wer es weiterschreibt. Denn eines kennen wir auch aus dem Show-Business. Stars stürzen, wenn neue Stars kommen und die Fans abwerben. Das ist auch ein Gesetz und zumindest an das wird sich Guttenberg halten müssen.

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Eine fast vergessene Figur geriet in der vergangenen Woche wieder in die Schlagzeilen. Muammar al-Gaddafi. Für uns Jüngere ist er nur der skurrile Typ mit dem grünen Buch. Jetzt entdecken die Medien in ihm plötzlich den brutalen Diktator, der Bundespräsident erklärt ihn schlichtweg für wahnsinnig. Man könnte es das Mubarak-Syndrom nennen. Vor wenigen Wochen noch gepriesen und hofiert, jetzt nur noch ein blutrünstiger Tyrann. Eines ist an dem Grusel-Diktator schon bemerkenswert. Kein Diktator der letzten Jahre hat in seiner letzten Schlacht so konsequent zur offenen Gewalt gegriffen wie er. Normalerweise leisten diese Herren etwas Widerstand, drohen, sind dann verunsichert und laufen schließlich weg. Gaddafi will es anders machen. Das wird ihm zwar nicht helfen, könnte ihm aber einen Platz im Geschichtsbuch sichern. Hoffen wir für die geschundene Bevölkerung, dass das grausame Spiel nicht mehr lange dauert. Die Auswirkungen für Europa und die Weltwirtschaft sind radikal. Der Ölpreis steigt schneller und schneller, die Börse stürzt ab, Flüchtlinge machen sich auf den Weg zu uns. Die Revolutionen finden nicht mehr nur im Fernsehen statt, sie kommen zu uns und werden unseren Alltag unwiederbringlich verändern.

Noch eine dritte Revolution diese Woche. Eine Revolution von der kaum einer spricht, schon gar nicht gibt es darüber Sondersendungen. Die Bundesbank hat nämlich in einem bisher nicht gekannten Ausmaß Gelder für die Rettung des Euro bereitgestellt, insgesamt 338 Mrd. Euro. Eine unvorstellbare Summe. Alle Dämme sind gebrochen. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass der Rücktritt von Bundesbankpräsident Axel Weber damit zu tun hat. Neuer Chef der Bundesbank wird der Merkel-Adlatus Jens Weidmann, den selbst sein Doktorvater Roland Vaubel als überfordert mit dem Posten ansieht. Die Bundesbank ist entmachtet, der Euro auf dem Weg zur Weichwährung. Der zweite Tod der D-Mark. Eine echte Revolution, deren Konsequenzen wir schon bald erleben werden. Selbst gestandene Wirtschaftsjournalisten wie Roland Tichy, der Chefredakteur der Wirtschaftswoche, rechnen inzwischen mit der Merkelschen Euro-Politik radikal ab. Er spricht von einer Ausweitung der Rettungspakete auf bis zu 700 Mrd. Euro durch die Hintertür und fast alles müsste von den Deutschen bezahlt werden. Die Opposition sei bei diesem Thema ein Totalausfall, die Selbstentmachtung des Bundestages gehe ungebremst weiter.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Deutschland auf dem Weg zur Staatskrise, mit oder ohne Anführungszeichen.

Ein Kommentar von Christian Weilmeier


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