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Wenn die Spendierhose kneift

kolumnistenschwein_150Dass es mal wieder stramm auf Weihnachten zu geht erkenne ich seit etlichen Jahren auch daran, in meinem Briefkasten irgendwann zwischen Ende November und 2.Advent einen dicken Briefumschlag vorzufinden. In diesem Umschlag stecken ein geschätztes Dutzend Postkarten und ein Überweisungsformular. Auf den Postkarten finden sich gedruckte Wiedergaben von Aquarellen, welche von den Künstlern angeblich mit Füßen oder Mündern gemalt wurden. Auf dem Überweisungsformular hingegen sind die Kontodaten eines Vereines, welche allerdings dem Anschein nach nicht mit Mündern und Füßen eingetragen wurden, sondern mittels modernster Technik fein säuberlich und leserlich gedruckt.

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Man weiß ja, solcherart Formulare werden im Jahre 2012 in allen Geldinstituten vom Computer eingelesen. Und wenn ich, hier mal mehr als schlechtes als denn als rechtes Beispiel, so ein Formular mit Füßen oder Mund ausfüllen würde, da würde der Computer bestimmt mit den von der Firma Jena-Optik hergestellten Augen rollen und der eingetragene Betrag ginge eventuell irrtümlich in ein weit entferntes Sternensystem. Da auch der die mit Füßen und Mündern malenden Künstlern Heimat gebende Verein dieses gewiss nicht gut heißen kann, zumal man ja auch gar nicht weiß, ob der Euro Lichtjahre entfernt überhaupt als offizielles Zahlungsmittel gilt, werden die Formulare stets außer Reichweite der mit Füßen und Mund Malenden aufbewahrt. Sicher ist sicher und Vorsicht ist die Mutter aller Spendenaktionen. Wobei ich nun endlich beim Thema angekommen bin.

Ich bin schon der Meinung, dass der, der mehr hat, dem, der leidet, etwas von seinem sperrigen Guthaben abgeben sollte. Und auch ich spende, wenn auch nicht überschwänglich, so doch je nach Stand der Dinge dann und wann von meinem Mammon. Allerdings in Portionsgrößen, die mir nicht sonderlich weh tun, aber dennoch groß genug sind, um a) nicht wirkungslos zu verpuffen und b) mein Gewissen über eine gewisse Zeit hin ruhig stellen. Am Ende ist so ein Gewissen ja nicht immer als angenehme Begleitperson zu bezeichnen. Kaum schaut sie einem über die Schulter, schon scheint einem der beste Wein wie Essig. Hier entscheidet freilich die eigene Empathie inwieweit der Rebensaft einem vergällt wird. An Abenden, an denen mich die Gleichgültigkeit am Wickel hat, wird aus dem guten Wein allenfalls ein Wein eines schlechteren Jahrganges. Kein Geschmacksknospenöffner, aber noch trinkbar.

An den Abenden hingegen, an denen ich empfänglicher für das Elend der Welt bin, spuckt mir das Gewissen ins Glas und der Genuss ist für'n Arsch und der Wein landet in der alles bedenkenlos schluckenden Spüle. Was mich schon mehr als einmal darüber sinnieren ließ, ob ich den Wein nicht lieber schon vor den 20-Uhr-Nachrichten trinken sollte. Also bevor das Wohnzimmer überflutet wird von weltweiter Kümmernis und den Drohungen eines von Guttenberg, ein politisches Comeback zu verbrechen.

Überhaupt sollte man Alkohol nur bei bester Stimmung konsumieren. Denn er multipliziert die Seelenlage um ein zigfaches. Was mich wiederum zu den zugesandten Postkarten bringt. Diese wirken nämlich keinesfalls herzerweichend und die Geldbörse öffnend auf mich. Eher fühle ich mich emotional erpresst, so nach der Methode: ich gebe Dir, nun gib Du mir gefälligst auch. Käme hingegen das bereits ausgefüllte Überweisungsformular gänzlich ohne "Geschenke", dafür aber nur mit einem nicht übertrieben freundlichen Anschreiben, so wäre ich VIELLEICHT bereit, das Anliegen auf seine Echtheit hin zu überprüfen und VIELLEICHT wäre ich nach einem Glas Wein tatsächlich gewillt, den Künstlern neue Farben zu subventionieren.

Selbstverständlich war immer ein Anschreiben dabei, doch die aus dem Umschlag gen Küchenboden fallenden Postkarten ließen mich jenes Blatt sofort mit der gleichsam im Briefkasten steckenden Werbung in die Sammeltonne für Altpapier werfen. Und selbstverständlich waren die Zeichnungen auf den Karten nicht wirklich von großem Übel. Würde ich mit Händen oder Füßen malen; da käme bestimmt nichts bei raus, was man selbst mit zwei von Akzeptanz zugedrückten Augen als große Kunst bezeichnen könnte. Außer vielleicht in weit entfernten Sternensystemen.

 

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