An das Bundeskanzleramt
Zwei Begriffe stießen mir am gestrigen Abend recht bitter auf. Zum einen waren dies "Finanzkrise", und zum anderen "Rosenkohl". Wobei ich eingestehen muss, dass die Problematik "Rosenkohl" eine hausgemachte ist. Denn seit ich denken kann neige ich dazu, Rosenkohl als Delikatesse in Überdosen zu mir zu nehmen, obwohl ich immer und immer wieder die Erfahrung gemacht habe, dass ich eben genau dieses leckere Wintergemüse nicht in bestem Einvernehmen hin vertrage.
Nun ist es aber nicht so, dass mir, kurz nachdem ich die mit Speckwürfeln gedünstete Spezialität zu mir nahm, mir der Kopf aufbläht, bis er das Format von Dirk Bachs Speckrübe eingeholt bzw. noch übertrumpft hat. Auch neige ich nicht zu von Allergenen befohlener Atemnot und einhergehender Blaulippigkeit. Die Nebenwirkungen des Rosenkohles bleiben viel mehr auf den Bereich der Verdauungsorgane beschränkt. Ein unangenehmes Rumpeln und schmerzhaftes Ziehen, welchem sich in kürzester Zeit ein Drängen in Richtung Ausgang anschließt. Was in Folge Shoppingtouren und Ausflüge nur entlang gut ausgeschilderter Einkaufsstraßen zulässt. Und genug Kleingeld sollte ich dann auch immer einstecken haben.
Noch nie traf ich in Öffentlichen Bedürfnisanstalten auf Toilettenfrauen, die ein Bezahlen mit Karte akzeptierten. Diesen mannshohen Hürden trotzend, lasse ich die Finger nicht vom Rosenkohl. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Und Gemüse darf nicht sein, woran ein Mann scheitert. Auch wenn mir zu 99% egal ist, was wohl einmal auf meinem Grabstein stehen wird, so bin ich mit dem anderen einen Prozent aber der Meinung, es sollte keinerlei Bezug zu gemüsebezogener Darmhyperaktivität haben. Er beugte sich niemandem. Nur dem Rosenkohl.Wer das auf dem Grabstein stehen hat, der kann sich vom Steinmetz auch kleine stilisierte Frosta-Köche in den Granit ritzen lassen.
Doch viel mehr als mein persönlicher Kampf mit den an Kalium und Vitamin C reichen Früchten des zweijährigen Kreuzblütengewächses - welchen ich ja zudem stets freiwillig aufnehme - nervte mich gestern zur besten Abendzeit mal wieder die sogenannte "Finanzkrise", von der die im Kanzleramt marodierende Angela Merkel frech wie Rotz behauptete, ich wäre für die nächste Dekade Betroffener.
Werte Frau Merkel, solange ich dem Rosenkohl fröne, solang war es auch immer ein Hauptsatz in meinem Leben, nie mehr Geld auszugeben, als ich zur Verfügung habe. Wenn mir der Sinn nach Luxus oder ähnlich überteuertem Tand stand, ich aber pekuniär nicht in der Lage war, diesen unnützen Kram zu erwerben, so sparte ich mir das Leder des Portemonnaies wund, bis ich das Erwünschte in bar bezahlen, es nach Hause tragen und in irgendeiner Ecke meiner Wohnstatt verstauben lassen konnte.
Ich erinnere mich sogar daran, wie ich einmal erzürnt in die Sparkasse meines Heimatortes eilte, weil mir auf meinem Kontoauszug mitgeteilt wurde, mir stände ein Überziehungskredit in einer Höhe von X zur Verfügung. Ich stellte mich vor die recht angenehm anzuschauende Sparkassenmitarbeiterin und den mir ungewollt eingeräumten Dispokredit mit der Meinung, dass ich nicht ausgeben werde, was ich nicht habe, in Frage. Dies tat ich recht lautstark und sicher war auch meine Wortwahl nicht fein wie Feenhaar. Jedenfalls habe ich seit jenem Tag keinerlei Kredit bei jenem Institut, was mir aber keinerlei schlaflose Nächte bereitet, denn sollte ich doch einmal Hunger darben, so klaue und stehle ich dann doch lieber rohe Kartoffeln vom Feld, als mich mit 13 Prozent Überziehungskreditzinsen bestehlen zu lassen.
Und, werte Frau Merkel, wenn Ihre Duzfreunde in der Finanzwelt weltweit milliardenschwere Kredite ausreichen, um von den anfallenden Zinsen über Gebühr fett zu leben, und Sie diesen Schmarotzern zusichern, dass Bürger wie ich diese mehr als wackligen Kredite mit ihrer Hände Arbeit absichern, so frage ich mich schon, ob Sie ihrer Aufgabe überhaupt noch gewachsen sind. Denn zum Wohle des Volkes. Doch das Volk besteht nicht nur aus Bankiers und Finanzhasardeuren. Und Eigentum verpflichtet. Doch fühle ich mich in keiner Weise verpflichtet, wo mir doch die Banken, und somit deren von unendlicher Gier hervorgebrachten Probleme, doch gar nicht gehören.
So bitte ich Sie, werte Frau Merkel, mich mit diesen nicht von mir verursachten Schwierigkeiten nicht weiter zu behelligen. Sie stecken in der Scheiße. Nicht ich. Sagen Sie also bitte Ihren an der Börse Volksvermögen und Demokratie verspielenden Freunden, sie können mich mal da lecken, wo der von mir schlecht vertragene Rosenkohl immer nach außen drängt. Und Sie dürfen das natürlich auch.
Mit freundlichen Grüßen
Lothar Peppel
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