Aus den Händen gelesen
Kein Wort gegen das schöne Wetter, doch kommt mir dieses Anfang April höchst ungelegen. Klar: die ganzen dunklen Wintermonate über lag ich träg auf dem Sofa und seufzte und klagte, wann es denn endlich wieder wärmer und heller werden würde, um die Aufgaben, die in Garten und an Haus auf mich warten, freudig zu bewältigen. Und nun sind es draußen bereits über 20 Grad. Celsius! Und Licht bis ins Arschloch. Doch von der Freude, die ich im Geiste zwischen November und März beim gedanklichen Unkraut jäten und dem ideellen Verputzen von Wänden verspürte, ist nichts geblieben; emotionale Kahlheit in allen Bereichen des Hirns, besonders da, wo das Zerebrum dummerweise Vorfreude aus dem Nervengewebeboden stampfte.
Doch nicht nur die nach frischem Grün lechzenden Beete und die nach Mörtel schreiende Hausrückwand müssen sich gedulden, auch das Schreiben geistvoller Kolumnen will nicht so locker wonnemonatsleicht von der Hand, wie es der nach Witz und Esprit dürstende Leser erwartet. So als ob Ingenium und Leib in tiefer bleierner Frühjahrsmüdigkeit verharren. Alle Motivation scheint mit des Frühlings blauen Bändern erwürgt. Doch zum Glück hat der Schreiber dieser Zeilen das Glück, welches Garten und Haus nicht haben. Denn während diese an ihren Besitzer um diese Jahreszeit vollkommen überzogene Erwartungen stellen, hat der Kolumnist, der zudem im Eigentümer steckt, einen reichhaltigen Fundus an in grauer Vorzeit geschriebenen Texten. Wie zum Beispiel der folgende.
Mal wieder fürs Konto bechern
Frühling. Endlich. Endlich Frühling. Endlich wieder, wieder, ja, wieder im Grase liegen. Zwischen diesen weißen Blümchen. Und den gelben. Und Hundekacke. Überall. Zwischen diesen weißen Blümchen. Und den gelben. Eigentlich mehr Kacke als gelbe Blümchen. Auch mehr als weiße. Egal. Denn es ist Frühling. Endlich. Wärme und Triebe. 11 Grad Celsius. Also mehr Triebe als Wärme. Egal. Denn es ist Frühling. Die beste Zeit, um mal wieder Samen zu spenden. Maikatzen sind doch auch die Kräftigsten. Und überhaupt, seitdem ich nicht mehr rauche, immer eine Hand, die nicht weiß wohin. Und überhaupt, immer mit der eigenen Frau: Perlen vor die Säue. Stets die Pille davor. Und die Pille danach. Und zwischendurch hält sie die Luft an. Als wolle sie alles im Keime ersticken. Dann doch lieber spenden. Den Samen. Geld habe ich nur einmal gespendet. Für die Kirche. "Gott vergelt's", hat die Schwester gesagt. Grippe habe ich gekriegt. 3 Wochen flachgelegen. Auch Blut, Blut habe ich auch schon gespendet.
So. Jetzt lege ich mich wieder aufs Sofa. Auch wenn mich das Gezeter der Hausrückwand gewiss kein Auge zubekommen lässt.









