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Darf man auf den Präsidenten schießen

adams_revolver_mod_1854Nein, zum Glück handelt es sich um kein versuchtes Attentat. Es war eine Attraktion in einem amerikanischen Vergnügungspark. Für einen Dollar durften Besucher mit Schaumgummi-Munition auf das Bild eines schwarzen Mannes schießen, der irgendwie Präsident Obama ähnlich sah. Anstiftung zur Gewalt? Rassismus? Was auch immer, der amerikanische Geheimdienst ermittelt. Cindy Wofford, Agentin der Geheimpolizei, erklärte: „Wir nehmen solche Sachen sehr ernst!“. Irvin Good, Betreiber des Vergnügungsparks, hat das Bild mittlerweile ausgetauscht – und sich entschuldigt.

Wenn wir an die Tyrannen der Vergangenheit denken, so lässt sich leicht vorstellen, dass ein derartiger Scherz Konsequenzen mit sich gebracht hätte. Auch ein Nordkoreaner würde wohl kaum wagen, auf ein Abbild von Kim Jong-il zu feuern. Und wie sieht es im Musterland der Demokratie aus? Dürfen Zielscheiben in Schießbuden menschliche Züge zeigen? Wenn ja, dürfen sie eine andere als die weiße Hautfarbe aufweisen? Ungeachtet dessen, dürfen sie jemandem ähnlich sehen? Wenn ja, darf das Gesicht auch an den Präsidenten erinnern?

Manche Menschen mögen es geschmacklos finden. Vielleicht sogar berechtigt. Humor birgt ein derartiges Risiko grundsätzlich in sich. Doch, dass sich der Geheimdienst einschaltet und die Medien über den Betreiber des Vergnügungsparks herfallen, wirkt eigentlich übertrieben. Andererseits, auch darin liegt ein gewisser Unterhaltungswert. Das folgende Video zeigt ausgewählte Interviews mit Parkbesuchern, mit jenen, die sich kritisch aussprechen. So etwas fördere Rassismus und Gewalt, gab ein junger Mann von sich. Es sei respektlos, folgte eine Dame. Die Reporter haben es tunlichst unterlassen, Menschen zu Wort kommen zu lassen, die den Vorfall als das bezeichnen, was er ist. Ein harmloser Scherz!

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Über Konrad Hausener