Ich habe viele Existenzen
Ich war ein ernster Mensch. Da gab man mir dieses Buch. Tausende andere nicht. Hat mich dann doch interessiert. Da ich die vielen anderen nicht hatte, las ich das. Kurzgeschichten und Erzählungen. Eine unvollständige Sammlung diverser Lebenshöhepunkte. Zwischen den Lücken liegen die Tücken. Das Leben ist hart und das Schicksal fast noch mehr. Auch der allergrößte Lebensentwurf muss sich in der einzelnen Episode beweisen. Da kann schon mal was schief gehen oder eben richtig, was auch fatal sein kann. Das Unvermutete hat einen sehr bestimmenden Einfluss auf unser Leben.
„Was versteht Horst schon von Lyrik“ von Stephan Sarek. Als ich die Titelgeschichte gelesen hatte, wusste ich, anderen geht es auch nur wie mir.
Man sollte das Buch nicht daheim lesen. Kann man zwar, muss man aber nicht. Auf den teilnehmenden Schutz der Öffentlichkeit sollte man nicht verzichten. Am besten liest man laut. Wenn man Zeit hat! Denn man gewinnt eine große Schar von Zuhörern und jede Menge Freibier. Am Ende hat man alle Geschichten vorgelesen, eine betörend heisere Stimme und anderntags einen schmerzenden Bauch. Die Empörung der frisch gestählten Lachmuskulatur.
Werde das Bändchen meiner Krankenkasse zu Therapiezwecken empfehlen. Zum Beispiel Todeskandidaten. Lesen die das Buch, verpassen die glatt ihren Termin.
Natürlich ist das Buch überall im Buchhandel zu haben, doch bei diesem Geheimtipp sollte man dort vielleicht einen guten Bekannten haben. Sie können sich auch an den Verlag wenden, die sind da nicht so elitär: www.fhl-verlag.de
Ja, ich war auch mal ein ernster Mensch.




