Verschwörung oder Kaffeekränzchen?
Wer kennt sie nicht, die guten alten Bilderberger, die sich alljährlich, meist im Mai, irgendwo auf der Welt treffen und drei Tage lang ein bisschen über dieses und jenes plaudern. Der illustre Club mit den Top-Promis aus Politik, Adel, Wirtschaft und Medien.
Wenn Sie sich jetzt fragen, ob es mit mangelnder Bildung Ihrerseits zu tun hat, dass Sie noch nichts von den Bilderbergern gehört oder gelesen haben, dann brauchen Sie nicht in Panik zu verfallen. Sie sind in guter Gesellschaft. Denn nur die allerwenigsten Normalsterblichen haben je davon gehört, was maßgeblich daran liegt, dass die Medien so gut wie niemals über so ein Treffen berichten, selbst dann nicht, wenn die Spitzenmanager diverser Medienkonzerne persönlich anwesend sind. Und dafür sind die Teilnehmer einer solchen Konferenz auch sehr dankbar, denn es handelt sich offiziell um eine informelle Veranstaltung.
Apropos Teilnehmer. Bundeskanzlerin Merkel war schon einmal dabei, ebenso wie Gerhard Schröder, Guido Westerwelle, Barack Obama, Josef Ackermann, Henry Kissinger, Jürgen Schrempp, David Rockefeller, Hubert Burda, Königin Beatrix und noch ein paar Dutzend weitere Hundertschaften an Höchstkarätern aus den USA und Europa. Zwischen 100 und 150 von ihnen sind es pro Jahr, die sich dann, übrigens seit 1954, für ein Wochenende in einem Luxushotel verbarrikadieren und ihre Meinungen austauschen. Dass dabei nicht über Fußball, die neue Herbst-Winter Kollektion von Lagerfeld oder sonstigen Klatsch und Tratsch gesprochen wird, dürfte wohl klar sein. Bei soviel versammelter Brain-Power geht es um andere Dinge. Doch um welche?
Weltverschwörung? Neue Weltordnung? Weltregierung?
Gerhard Wisnewski, Autor des Buches „Drahtzieher der Macht", bringt Licht ins Dunkel, sofern das überhaupt möglich ist, denn was bei den Meetings besprochen wird, dringt nicht an die Öffentlichkeit. Lediglich der Termin und der Ort werden an die Presseagenturen herausgegeben. Wohlbemerkt nachträglich, aber als Ankündigung formuliert, die offenbar versehentlich etwas zu spät kommt, nämlich erst dann wenn alle Teilnehmer schon wieder auf der Heimreise sind. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.
Wisnewski berichtet, wie er 2009 versucht hat sich dem Veranstaltungsort, ein Nobelhotel in Athen, zu nähern und ihm und seinen Kollegen Steine in den Weg geworfen wurden. Der oben verwendete Begriff „verbarrikadieren" ist also nicht nur eine Floskel, diese Treffen werden wirklich hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt.
Im Anschluss, und jetzt wird es auch für diejenigen interessant, die schon vor der Lektüre dieser Rezension etwas von den Bilderbergern gehört haben, beschreibt er sehr ausführlich, wie diese Geheimgesellschaft entstanden ist und zeigt, dass die Wurzeln bereits im 16. Jahrhundert zu finden sein könnten. Es kann zwar nur als Vermutung bezeichnet werden, denn handfeste Beweise existieren leider nicht zu allen im Buch angeführten Punkten, doch es ist durchaus plausibel und nachvollziehbar, was ebenfalls für den Inhalt der restlichen Seiten gilt.
Ein Großteil des Werkes widmet sich verschiedensten Teilnehmern, deren potentiellen Zielen und den Ereignissen, die im Anschluss an bisherige Bilderberger-Treffen stattfanden. Und da tauchen durchaus erstaunliche Sachen auf, die dann auch auf Fakten basieren. Ob es nun, im einzelnen Fall, im direkten Zusammenhang mit den Bilderbergern dazu gekommen ist, muss der Leser selbst entscheiden. Aber es wären schon sehr viele Zufälle, die da passiert sein müssten, wenn dem nicht so wäre.
Lange Rede – kurzer Sinn: Dem Autor ist es gelungen, an Hand von gut recherchierten Fakten und einer ordentlichen Portion gesundem Menschenverstand, a.k.a. Kombinationsgabe, die (sehr wahrscheinlichen) Ziele der Bilderberger aufzudecken. Der Jurist würde wohl von einem Indizien-Prozess sprechen.
Das Buch ist daher eine absolute Empfehlung für all diejenigen, die über den Tellerrand des öffentlichen Weltgeschehens hinausblicken wollen und 12.95 Euro für 318 Seiten Bildung, abseits der Massenmedien, zu investieren bereit sind. Erschienen ist das Werk im Knaur-Verlag, erhältlich im Buchhandel oder direkt hier.









