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Lothar Lochmaier: Schattenbanken

schattenbanken_coverWas sind Schattenbanken? Im Zuge der Finanzkrise ist in der Wirtschaftspresse immer wieder von ihnen die Rede. Alleine der Name scheint dunkle Machenschaften heraufzubeschwören. Doch ganz so einfach ist es nicht. Zum einen handelt es sich bei Schattenbanken um ganz legale Geschäfte im Finanzbereich, die von Unternehmen der Finanzindustrie getätigt werden, die keine Banklizenz besitzen. Bekannteste Beispiele sind Hedgefonds und Structured Investment Vehicles, z.B. auch Trustgesellschaften in Steueroasen.

Ohne Banklizenz entziehen sich diese Gesellschaften elegant den strengeren Auflagen der Bankenaufsicht. Durch das Wachstum der Branche und die undurchsichtigen Risiken der Geschäfte werden die Rufe lauter, sie genauso wie Banken zu regulieren. Andere Experten wiederum raten von zu viel Regulierung ab, da viele dieser Gesellschaften auch nicht unbedingt eine systemkritische Größe erreichen. Was aber passiert, wenn die gesamte Branche in eine Schieflage gerät? Und wer mischt in dieser Branche sonst noch mit? Wie können wir Schattenbanken erkennen und unterscheiden?

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Lothar Lochmaier, Blogger und Wirtschaftsjournalist mit Schwerpunkt Banking, ist dieser Frage in experimenteller Form nachgegangen. Anstelle eines trockenen Dossiers über Schattenbanken zeigt er in seinem Buch die verschiedenen Facetten dieser Wirtschaftsform auf, indem er die Ereignisse in eine narrative Struktur einbettet. Hauptfiguren dieser „szenischen Werkstatt“ sind der IT-Sicherheitschef einer fiktiven Bank und seine Familie sowie mehrere Figuren, die einen Gegenentwurf zum bürgerlichen Glück der Managerfamilie bilden: eine arme Musikerin, eine Agentin, mehrere Computerhacker und ein dubioser Bandenchef. Ohne zu viel vom Erzählstrang vorwegzunehmen, sei so viel verraten: Am Ende prallen diese unterschiedlichen Welten aufeinander und es kommt zu einem Szenario, dass die bisherigen Abgrenzungen dieser unterschiedlichen Welten aufzuheben scheint.

Natürlich sind die Fronten zwischen Gut und Böse nicht so einfach zu ziehen, denn wo Licht ist, ist auch Schatten. Letzteres ist denn auch Lochmaiers Leitmotiv. Den Unterschied zwischen ehrenwertem Tun und illegalem Handeln festzumachen, bleibt ein schwieriges Unterfangen. Wer ist der größere Verbrecher? Derjenige, der als IT-Chef die ominösen Handelsgeschäfte seines Unternehmens deckt, oder derjenige, der anderen in einem Land mit großem Wohlstandsgefälle zu einem angemessenen Lebensstandard verhilft? Eine eindeutige Antwort darauf gibt Lochmaier denn auch nicht, sondern wirft viele Fragen auf. Wie die Geschichte tatsächlich enden soll, können Sie als Leser übrigens mitgestalten. Bis zum 31.03.2012 können Sie Ihren Entwurf für das letzte Kapitel der Geschichte einsenden. Die Leser von Lochmaiers Weblog werden letztlich den Sieger und damit den endgültigen Ausgang der Erzählhandlung ermitteln.

Was mir an Lochmaiers Vorgehen gut gefällt, ist die genaue Beschreibung der Atmosphäre in Bankerkreisen. Gerade die realistische Darstellung der Unternehmenskultur der fiktiven Frankfurter Bank ist treffend. Da hat jemand gut zugehört oder kennt diese Welt aus eigener Anschauung. Gar nicht hat mir die literarische Form selber gefallen. Der Erzählstrang entwickelt sich zu langsam. Außerdem hat Lochmaier zu viele Themen hineingepackt, die sich gegenseitig behindern – das wäre Stoff für zwei weitere Bücher gewesen. Des Weiteren sind auch die Personen meist holzschnittartig gezeichnet. Viele Sätze sind überfrachtet mit Adjektiven. Bei dieser Bewertung spielt sicherlich eine große Rolle, dass ich von einem Wirtschaftsblogger eher eine analytische als szenische Darstellung der Schattenbanken erwartet habe.

Veröffentlicht ist das eBuch für 12,90 Euro im Selbstverlag auf der Berliner ePublishing-Plattform Xinxii. Das Lesen der „Schattenbanken“ erfordert dabei kein spezielles Lesegerät, da das Manuskript im .pdf-Format erhältlich ist (ePub-Standard, auch für externe Betreiber und Plattformen geeignet). Die ersten drei Leser dieser Rezension, die eine Email an die Adresse info@wellenenergie.de senden, erhalten das Buch kostenlos.

Lothar Lochmaier ist übrigens, wie bereits zu Beginn vermerkt, ein ausgezeichneter Blogger, was Bankenthemen betrifft. Ich kann jedem, der sich für die Bank der Zukunft interessiert, seinen Blog empfehlen. Sie können ihm auch auf Twitter folgen.


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