Freitag , 30 September 2016
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Düstere Aussichten für den Automarkt in Europa

Europäischer Automarkt und seine ProblemeDas hört sich ganz nach Vollbremsung an: Bereits im Jahr 2012 war der Autoverkauf in Europa stark rückläufig. Nach aktuellen Prognosen sieht es so aus, als würde sich die Krise auf dem europäischen Absatzmarkt im laufenden Jahr deutlich verschärfen. Eine Studie der Uni Duisburg-Essen kommt zu dem Ergebnis, 2013 werde das schlechteste Autojahr der letzten 30 Jahre in Westeuropa. Das Minus werde fünf Prozent betragen, das entspricht 11,89 Millionen weniger verkauften Neuwagen.

Fünf Staaten sind besonders betroffen: Das marode Griechenland, das schwächelnde Spanien, das kränkelnde Portugal, das schwankende Italien und das unbeständige Frankreich. Die Südeuropäer erlebten bereits 2012, wie der Markt mit 17 Prozent einbrach. Für 2013 liegen die Schätzungen bei 9,6 Prozent. Im Autoland Spanien wird aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit nicht damit gerechnet, dass sich der Automarkt Südeuropas rasch erholen wird. Bereits seit Jahren sind die Fabriken in Frankreich und Italien, in Spanien und Portugal nicht mehr ausgelastet, ihre Kapazitäten werden zu nicht einmal 60 Prozent im laufenden Jahr genutzt. Damit blüht der südeuropäischen Autoindustrie das schlechteste Ergebnis seit 1945.

Wie stemmen die Autobauer das Problem?

Kritische Beobachter gehen davon aus, dass Europa bis auf Weiteres aus dieser Misere nicht herauskommen wird. Die deutschen Autobauer scheinen dies mit ihren Absatzmärkten in Asien zu kompensieren. Volkswagen baut allein neun Werke in China: eine Investition von mehr als zehn Milliarden Euro.

Die gefragten Marken Mercedes, BMW, Audi und Porsche haben im vergangenen Jahr etwa 950.000 Autos in China verkauft. Dort liegen die Preise bis zu einem Drittel über denen hierzulande. Man geht davon aus, dass der chinesische Markt bei den Premiummarken bis zum Jahr 2020 auf drei Millionen pro Jahr wachsen wird. Zweistellige Wachstumsraten werden auch in Russland und in den USA erwartet. Da schlagen geringere Verkaufszahlen in Europa nicht so stark zu Buche.

Demgegenüber könnte es für die sogenannten Volumenmarken ungünstiger aussehen, denn diese sind in den Märkten der Zukunft nicht so stark verankert. Es sieht so aus, als würden in der EU in den kommenden 20 Jahren keine zusätzlichen Produktionsplätze benötigt. Kommt es möglicherweise gar so weit, dass internationale Hersteller ihre Kleinwagen in der EU produzieren lassen, wenn hier das Lohnniveau sinkt? Wie sich die gesamte Entwicklung auf die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt auswirkt, lässt sich beispielsweise auf 1a-automarkt.de überprüfen.

Krise und kein Ende abzusehen

2013 sah es zeitweise so aus, als gäbe es einen kleinen Aufschwung in der Autobranche. Doch bereits im August waren es schon wieder fünf Prozent weniger Neuanmeldungen. Damit droht in diesem Jahr ein Negativrekord. Zwischen Januar und August wurden in der EU 7,84 Millionen Autos zugelassen, die niedrigste Zahl, die jemals registriert wurde.

So lange die Schuldenkrise in Europa nicht überwunden und die Pleite eines ganzen Staates wie Griechenland nicht abgewendet wird, bleibt die Unsicherheit. Unsicherheit und Existenzängste jedoch dämpfen die Kauflust der Menschen, vor allem bei langlebigen Gütern wie Autos. Aber natürlich hat niemand damit gerechnet, dass wir im Jahr 2013 in Europa mit Neuwagenverkäufen kalkulieren wie vor 20 Jahren. Und wenn sich sämtliche Prognosen der Experten bewahrheiten, wird sich der Trend weiter abwärts bewegen, zumindest noch bis 2015.

Deutschen Autos zeigt man in Frankreich derzeit die rote Karte. 24 Prozent weniger als im Juli setzte VW bei unseren westlichen Nachbarn im August um. Daimler rutschte sogar um 37 Prozent ab. GM, Renault und Fiat hingegen verzeichneten Zuwächse. In Spanien zog das Geschäft in einem insgesamt katastrophalen Jahr im August kurzfristig an, weil für September eine Erhöhung der IVA, der spanischen Mehrwertsteuer, angekündigt worden war.

Wie geht es weiter?

Diese Frage stellen sich viele angesichts der größten Krise auf dem Automarkt in Europa seit 18 Jahren. Manche nutzen die Gunst der Stunde für die Schnäppchenjagd beim Neuwagenkauf. Andere wundern sich, dass die Wartezeiten für bestellte Pkw weiterhin so lang sind. Obwohl der Verkauf nur schleppend verläuft, scheint es den Autoherstellern schwerzufallen, flexibel auf den Bedarf zu reagieren. Und das, obwohl die Autobauer derzeit „von der Hand in den Mund leben“, wie es CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer ausdrückt.

Angeblich sind alle Produzenten abgesehen von Hyundai, Mercedes und Mini vom Rückgang des europäischen Marktes betroffen. Weitere Ausnahmen bilden Jaguar-Landrover sowie Skoda. Deshalb tobt hierzulande eine Rabattschlacht mit zahlreichen taktischen Kurz- und Tageszulassungen vonseiten der Autokonzerne. Bei diesen Fast-Neuwagen können sich Nachlässe von 20 Prozent ergeben.

Das alles ändert nichts daran, dass Autokäufer, die ein individuelles Fahrzeug bestellen, durchschnittlich 3,6 Monate auf dessen Auslieferung warten müssen. VW mutet seinen Kunden in Deutschland sogar fünf Monate zu und erreicht damit einen negativen Spitzenwert. Erstaunlich, wo doch auch der Wolfsburger Autoriese trotz dazu gewonnener Marktanteile in Europa von dem allgemeinen Verkaufsrückgang betroffen ist.

Experten werten die Diskrepanz zwischen sinkender Nachfrage und unverändert langen Wartezeiten auf die Auslieferung von Neuwagen für ein Indiz, dass es mit den Produktionssystemen in den Konzernen nicht zum Besten steht. Offenbar sind diese so unflexibel, dass sich die Hersteller nur sehr träge auf den Markt einstellen können.

Dies birgt aber Gefahren: Potenzielle Kunden, die in Zeiten schwacher Märkte überdurchschnittlich lange warten müssen, wechseln gern mal die Automarke.

Was steht uns noch bevor?

Es wird weitere Rückschläge geben, das ist sicher. Dennoch ist die Autobranche eine, die immer schnell Hoffnung schöpft, siehe die erhoffte Trendwende im Sommer, der bereits im August ein harter Aufprall folgte. Immerhin erkennt der Automobilverband VDA so etwas wie eine „Tendenz zur Stabilisierung“ und misst dem traditionell schwachen August keine zu große Bedeutung bei.

Eine ähnliche Einschätzung äußerten die Führungskräfte der deutschen Firmen auch auf der IAA-Automesse. VW-Chef Martin Winterkorn berief sich ebenfalls „eine gewisse Stabilisierung in Europa“ und verband damit die Hoffnung, dass der Tiefpunkt nunmehr erreicht sei. Die Autobosse scheinen unter den gegebenen Umständen mit keinem rasanten Aufschwung zu rechnen, sondern sich darauf einzustellen, dass Europa zumindest mittelfristig eine Krisenregion bleibt.

Laut dem VDA stemmen sich weltweit nur die USA, China und Brasilien gegen den Abwärtstrend. Im ersten Halbjahr 2013 wurden in den Vereinigten Staaten 7,5 Prozent und in China 20,6 Prozent mehr Autos verkauft. In Russland, Indien und Japan gab es hingegen weniger Neuzulassungen.

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