Hohe Uran- und Dioxin-Konzentration im Irak
In weiten Teilen des Landes befinden sich sowohl Krebsfälle als auch schwere Geburtsschäden deutlich im Ansteigen. Wie eine im Irak offiziell durchgeführte Studie festgestellte, besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Giftstoffen, einschließlich aufbereiteten Urans, und den Krankheitsfällen. Zu den zumindest 42 betroffenen Örtlichkeiten zählt sowohl die Gegend von Basra, nahe der Grenze von Kuwait, als auch Mosul und Ninewa, im Norden des Landes.
Vor wenigen Tagen berichtete die angesehene britische Zeitschrift Guradian.co.uk von dramatischen Umweltschäden im Irak, einem Land, das sich seit nunmehr drei Jahrzehnten im Kriegszustand befindet. Rund ein Viertel der verseuchten Gebiete befinden sich in und im Bereich von Großstädten, zu denen auch Basra, Najaf und Falluja zählen. In den betroffenen Gemeinden, die am schlimmsten unter den Umweltschäden leiden, wurde während der vergangenen fünf Jahre ein deutlicher Anstieg bestimmter Krankheitsfälle, zu denen vor allem Krebs und Geburtenfehler zählen, beobachtet. Die Kommission, die sich aus Mitgliedern des Umwelt-, Gesundheits- und Wissenschaftsministeriums zusammensetzt, hat auf Altmetall-Lagerstätten deutlich erhöhte Strahlungswerte gemessen, die, so wird vermutet, auf die Verwendung von mit aufbereitetem Uran versehener Munition, sowohl im ersten Golf-Krieg als auch während der, 2003 begonnenen Invasion, zurückzuführen sind.
Wie die irakische Gesundheitsministerin, Narmin Othman, erklärte, gehören erhöhte Dioxin-Werte im Agrarbereich zu den wesentlichen Faktoren, die zur Verschlechterung der Gesundheitssituation, insbesondere in den ärmsten Teilen des Landes, beitragen. Für Narmin Othman begannen die Probleme schon mit dem Krieg zwischen dem Irak und Iran und dem ersten Golfkrieg. Nicht nur der Einsatz verschiedenster Bombenarten führte zu den Umweltproblemen, sondern auch die Bombardierung von Pipelines. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Giftstoffe von der Erde in die Nahrungskette übergingen.
Weiter erklärte sie gegenüber dem Guardian, dass Umweltprogramme der Vereinten Nationen Unterstützung geleistet hätten und die Ergebnisse bereits nach Genf weitergeleitet seien. Insgesamt wurden 500 Örtlichkeiten ins Auge genommen, von denen 42 eindeutig unter hoher Belastung von Dioxin und Uran leiden. Zu den verstrahlten Gebieten gehören auch jene im Umfeld der ehemaligen Atom-Reaktoren und Forschungszentren, die teilweise zerbombt und der Rest während der beiden Golfkriege demontiert wurde.
Bei den bisher gefundenen Ergebnissen könnte es sich allerdings bloß um die Spitze des Eisbergs handeln. Wie der Direktor des Zentrums für Strahlenschutz, Bushra Ali Ahmed, erklärte, seien 80 Prozent des Landes bis jetzt noch nicht näher untersucht worden.
Abschließend erklärt die Gesundheitsministerin, dass sich Irak nicht mehr als das legendäre Zwischenstromland, zwischen Euphrat und Tigris, bezeichnen kann. Nicht nur das Land sei verseucht, sondern auch das, in den Irak fließende, Wasser würde zuerst von der Türkei und von Syrien zur Energieerzeugung Verwendung finden. Sie meinte, Irak befände sich inmitten einer unübertreffbaren Umweltkatastrophe.
Quelle: englisch, veröffentlicht am 22. Januar 2010, guardian.co.uk.



