Sonntag , 29 März 2020
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Welt-Lepra-Tag: Eine vernachlässigte Krankheit braucht Aufmerksamkeit

lepratrachtJeweils am letzten Sonntag im Januar findet dieser Aktions- und Gedenktag statt, der zu Ehren Mahatma Gandhis, dem Fürsprecher der Unberührbaren, 1954 ins Leben gerufen wurde. Die Weltgesundheitsorganisation WHO möchte auf eine „vernachlässigte Krankheit“ aufmerksam machen, die bereits Jahrhunderte v. Chr. in Überlieferungen aus dem ägyptischen, chinesischen, äthiopischen und indischen Raum erwähnt wird und auch heute noch lange nicht ausgerottet ist. Jährlich werden weltweit ca. 250.000 Neudiagnosen gestellt. Wer meint, nur das entfernte Asien sei betroffen, irrt gewaltig: Zwar betreffen über die Hälfte dieser Zahlen Indien, die anderen meist den südasiatischen Raum, Afrika und Brasilien, jedoch selbst in Deutschland wurde erst diesen Januar bei einem Reisenden aus Brasilien die Krankheit diagnostiziert.

Erst 1873 entdeckte der Norweger Gerhard Armauer Hansen das verantwortliche Mycobacterium leprae, das eine chronische Infektion vor allem der Haut und der peripheren Nerven, seltener auch anderer Organe, auslöst. Diese Entdeckung ebnete den Weg für Behandlungsmöglichkeiten der Aussätzigen und beendete die Jahrhunderte währende Isolation und mit Siechtum verbundene Ausgrenzung der Betroffenen, die wir doch meist mit drastischen Bildern und Beschreibungen aus dem Mittelalter in Verbindung bringen: Aus Angst vor Ansteckung wurden die Erkrankten aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Die Leprosentracht war Pflicht: Grauer Kapuzenumhang, breitkrempiger Hut und Handschuhe verbargen die zerfressenen und verstümmelten Haut- Körperteile und dienten zusammen mit Stock sowie Ratsche als optische und akustische Warnzeichen: der Kontakt mit Menschen oder Gegenständen war strengstens verboten. Unterschlupf fanden sie – zwangsweise – in durch Almosen finanzierte Leprosenhäusern, angesiedelt außerhalb der Stadtmauern.

Dabei dauert es Jahre, bis diese drastischen Symptome nach der Infektion auftreten, wenn überhaupt: Ist man längere Zeit mit einer infizierten Person in engerem Kontakt, kann der Erreger via Tröpfcheninfektion übertragen werden. Da die Infektion über Jahrzehnte symptomfrei im Körper bestehen kann, wird die Diagnose meist sehr spät festgestellt. 1953 teilte man die unterschiedlichsten Erscheinungsformen der Krankheit anlässlich eines Kongresses in drei Hauptkategorien ein:

Als Frühstadium gilt die indeterminierende Lepra: es bilden sich unscharfe gerötete – bei dunkelhäutigen Menschen hellere – Hautflecken, die sich taub anfühlen. Sollte die Krankheit nicht stagnieren oder gar abheilen, kann sie sich in unterschiedlichen Formen weiterentwickeln:

Bei der tuberkuloiden oder paucibazilliären Lepra sind die betroffenen Hautstellen jetzt rau und erhaben, die Verdickung der Nervenenden führt zu zunehmender Beeinträchtigung des Tastsinns bis hin zur völligen Gefühllosigkeit. Auch die motorischen Nerven werden geschädigt, Muskelschwäche, Muskelrückbildung und Lähmungserscheinungen sind die Folge, die Verletzungsgefahr erheblich.

Die lepromatöse oder auch multibazilliäre Lepra verbreitet die Bakterien über Nervensystem, Blutbahnen, Lymphsystem und Schleimhäute im ganzen Körper. Die Haut verändert sich zunehmend und wird nach und nach von Knoten und Flecken überzogen. Im Endstadium kommt es vor allem zur Zersetzung des Gesichtes und anderer Körperteile, zuletzt auch der Knochen, Muskeln, Sehnen und inneren Organe.

Erste Therapieansätze in den 1920ern erwiesen sich als wenig erfolgreich, erst die Gabe von Sulfonamid in den 1940ern brachten gewisse Behandlungserfolge, die jedoch stark von dem Krankheitsstadium des Patienten abhingen. Der Durchbruch gelang 1981: Eine bestimmte Antibiotikazusammensetzung machte die bis dahin lebenslange Einnahme von Medikamenten überflüssig, seit genau 30 Jahren gilt die Lepra als heilbar, mehr als 15 Millionen Menschen konnten seither erfolgreich behandelt werden. Vordringlichste Aufgabe ist es seitdem, so die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. (DAHW), rund 4 Millionen von Lepra gezeichneten Menschen zu helfen und eine flächendeckende frühzeitige Diagnose zu gewährleisten, um Folgeschäden und Behinderungen zu vermeiden. Ein Impfstoff scheint noch in weiter Ferne, die Akzeptanz Leprakranker in unseren Köpfen leider auch: Obwohl Lepra heilbar und eine Quarantäne nicht mehr von Nöten ist, verweigern zahlreiche Länder, darunter China, sowie die USA, den Infizierten Einreise-, Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen.

Weitere Informationen finden Sie im Internetportal der DAHW, die für jede Unterstützung dankbar ist.

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