Dienstag , 21 Mai 2019
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CarSharing – die geteilte Liebe zum Auto

carsharingWer angesichts steigender Benzinpreise und hohen Fixkosten den Luxus des eigenen Autos in Frage stellen muss, kann sich glücklich schätzen, wenn das Auto der näheren oder auch weitläufigeren Verwandtschaft zur gewünschten Zeit zur Verfügung steht: Selbstverständlich vollgetankt, frisch gewaschen und poliert, darüber hinaus in technisch einwandfreiem Zustand. Wer sich nicht zu der exklusiven Gruppe berufsmäßiger Söhne und Enkeltöchter zählen darf, für den steht folgende Option offen: CarSharing.

Was vor nicht allzu langer Zeit – beispielhaft – in Ulm als Modellversuch anlief und nur durch tatkräftige Unterstützung Ehrenamtlicher durchgeführt werden konnte, entpuppt sich zunehmend als eine der erfolgversprechendsten Geschäftsideen in der gesamten Republik: Über 150.000 Nutzer fahren bereits gut mit einem Gemeinschaftsauto ihres ortsansässigen CarSharing-Vereines – Tendenz steigend. So unterschiedlich sich die  Anbieter und Vereine hinsichtlich Gesellschaftsform und Fuhrpark  auch präsentieren mögen, eines haben sie gemein: Das Prinzip, das sie von den herkömmlichen Autovermietungen unterscheidet.

Der Interessent schließt einmalig einen Nutzungsrahmenvertrag mit dem entsprechenden Anbieter ab und erhält im Gegenzug eine elektronische Chipkarte sowie einen PIN-Code. Auf diese Weise kommt er ins Fahrzeug und an den meist im Handschuhfach deponierten Autoschlüssel. Jetzt kann er jederzeit und fast auf die letzte Minute über Internet oder per Telefon das Fahrzeug seiner Wahl aus der Fahrzeugflotte auswählen, sofern es nicht gerade belegt ist. Jeweils nach Eingabe des PIN-Codes erfasst der Bordcomputer die Dauer und die gefahrenen Kilometer, bis der PKW wieder abgestellt und per Chipkarte abgeschlossen wird. Abgerechnet wird monatlich. Die Tarife richten sich nach den gefahrenen Kilometern und nach der Nutzungsdauer. Der Kraftstoffpreis ist bereits enthalten. Anhand der detaillierten Kostenaufstellung kann man jede einzelne Fahrt nachvollziehen und hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit überprüfen.

Natürlich stößt auch das CarSharingmodell an seine Grenzen: Zwar sind Zeitspannen ab einer Stunde bis zu mehreren Tagen möglich, bei manchen Anbietern sogar über einen längeren Zeitraum, da aber nicht nur nach km, sondern auch im Minutentakt abgerechnet wird, zahlt man z.B. als Pendler auch die stundenlange Standzeit mit. Hier lohnt der Vergleich mit anderen Autovermietungen.

Die zur Verfügung gestellten Autos sind grundsätzlich am gleichen Ort, meist auf einem zentral gelegenen Parkplatz in der Nähe von öffentlichen Verkehrsmitteln, abgestellt. Eine „one-way“- Nutzung ist nicht möglich, sie würde den Grundpreis erheblich in die Höhe treiben. Der Nutzungsrahmenvertrag gilt nur für den Fuhrpark des örtlichen Anbieters; wird ein PKW in einer anderen Stadt benötigt, können durch bestehende Kooperationsverträge dennoch oftmals günstige Angebote erstellt werden. Dies gilt auch für Sonderwünsche: Größere Transporter sowie rassige Sportwagen sind allerdings aus Kostengründen in den CarSharingflotten eher selten vertreten.

Wie aber kann man sicher sein, dass das georderte Auto weder zugemüllt, noch beschädigt, dafür verkehrssicher und mit genügend Sprit im Tank anzutreffen ist? Der Rahmenvertrag macht´s: Als Mitglied einer CarSharinggemeinde verpflichtet man sich, das Fahrzeug jeweils vor und nach der Nutzung auf Schäden hin zu überprüfen; Verschmutzungen durch Gartenabfälle, Tierhaare etc. sind zu beseitigen; und sollte die Anzeige nur mehr auf Viertel stehen, ist Tanken angesagt – der Betrag wird dann nach Belegeinreichung verrechnet. Pünktlichkeit ist ebenfalls Pflicht. Bei Verspätungen sind hohe Geldbußen angesetzt, sodass der Fahrer gerne mögliche Stauzeiten in seine Kalkulation mit einbezieht.

Bisher haben sich über 90 deutsche Anbieter im „Bundesverband CarSharing“, kurz: bcs, zusammengeschlossen. Ziel ist es, mit anderen Verkehrs- und Umweltverbänden zusammenzuarbeiten und die politischen Interessen national zu vertreten. Eine einheitliche Tarifgestaltung gibt es noch nicht, aber laut bcs lohnt sich CarSharing allemal, wenn sie den PKW nicht täglich nutzen und im Jahr unter 10.000 km fahren. Wer zum Beispiel in Günzburg einen Opel Corsa für zwei Stunden bucht, um zum Einkaufen zu fahren, zahlt bei einer Strecke von 20 Kilometer inklusive aller Gebühren 8,50 Euro. Die meisten CarSharingfirmen stellen einen Kostenrechner bzw. Tarifplaner auf ihren Internetpräsenzen zur Verfügung, so können die Kosten der individuellen Fahrwünsche ermittelt werden.

Weitere Informationen sowie eine Ortsliste der bereits verfügbaren Stationen finden Sie unter http://www.CarSharing.de/

Und wer weiß, vielleicht tröstet es den Schneider von Ulm ein wenig, dass ein Projekt seiner Stadt dermaßen erfolgreich überfliegen konnte.

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