Samstag , 26 September 2020
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Dem Fritz Teufel, und damit uns, auch uns…

revolutionDen Fritz Teufel habe ich sehr gemocht. Von ihm kann ich es nicht sagen. Wenn ich recht denke, er hat mich nicht gekannt. Das macht aber nichts, ich mag ihn trotzdem sehr – sehr. Jetzt ist er auf der Wolke und braucht sich um die Revolution nicht mehr zu kümmern, gesund ist er auch wieder, schön. Für ihn und uns, die Revolution – Der Versuch einer lyrischen Erzählung über mindestens zwei Ideale aus meiner Kindheit und Jugend, nämlich den Beuys Josef und den Teufel Fritz, und einem noch vorhandenen Ideal. Darüber wird aber nichts verraten. 

Die Revolution sind wir,
hat einst der Beuys gesagt.
Der Beuys ist tot, schon lange.
Und die Sache mit dem wir,
Revolution und Beuys, und so.
Keine Ahnung, wo sie ist.
Die Revolution ist weg, verschwunden.
Nicht eine Spur, nur einfach weg.

Fast unglaublich, war es Zufall oder nicht,
heute hab ich sie gesehen, sie.
Getroffen würde ich nicht sagen,
auf einem Rummelplatz stand sie,
und sie sah richtig gut aus.
Groß und breit, ganz hell erleuchtet,
ihr Name auf dem Dach in einem
Neonschriftzug „revolution“.

Auf den Seiten, links und rechts,
Lichtfontänen wirbeln gelb und blau,
und auch etwas weiß gehört dazu.
Dazwischen eine steile Treppe.
Nicht allzu viele Stufen, vielleicht zehn,
zur Zukunft und zur „revolution“.
Der Höhepunkt ist schnell erreicht,
„revolution“ eben – ohne ein Gramm Anarchie.

Keine Ahnung, kein Protest,
keine Dividende, nur Euro-Geld.
Recht nur für mich, was sonst.
Anderes Recht kann es nicht geben.
„Revolution“ just for me.
So ist es gut.
Lieber nur Kotzen,
als gefressen werden.

Revolutionäre und auch – innen,
empor geschleudert, dreißig  Meter Stahl,
nicht bezahlt mit eigner Überzeugung.
Ohne Glaube, Blut – kein Leben.
Keine Revolution frisst ihre Kinder,
zumindest diese nicht.
„Revolution“ – Fahrtenende.
Innen und äre kotzen.

Revolution hat Macht, ist meistens mächtig.
Macht keine Macht mehr – „revolution“.
Aufbau, Abbau, Aufbau, Abbau,
zwischendurch Transport – Transport.
November bis zum März ist Ruhe.
„Revolution“ hat dann Pause.
Ganz einfach ist es:
Wintertime – no „revolution“.

Die Revolution, die ich meine,
ich oder sie,
wir sind vor uns davon gelaufen.
Sie hat mich nicht mehr eingeholt.
Weil – ich denke, ich bin stehen geblieben.
Vielleicht wäre es ganz einfach besser,
ein Stück zurück zu gehen, zum Treffpunkt.
Anschließend und zusammen – nach vorn, nach vorn.

Eine Woche später war sie weg,
die „revolution“ mit den Lichtern.
Der Rummelplatz ist wieder leer.
„Revolution“ reichlich war das, eine ganze Woche lang.
Mal sehen, wie es weiter geht,
das mit der anderen, der Revolution.
Wenn ich mich anstrenge, schaff` ich es auch diesmal,
davon zu rennen, der Revolution.

© Peter Reuter

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