Mittwoch , 26 Juni 2019
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Wo sind unsere Wurzeln?

suzahu feb 1

Manchmal denke ich über das Wort „Versuch“ nach. Wenn wir versuchen, suchen wir auch, z. B. etwas herauszufinden. Und wir suchen und suchen. Nur wo und was? Wir suchen im Großen, im Kleinen, im Erfahrungsschatz, denn irgendwo muss ja die Lösung sein, sollte man eine Antwort auf die Frage wollen, wo denn unsere Wurzeln sind. Das Schwierigste ist oft, herauszufinden, was wirklich festgehalten werden will. Nicht alles will sicherlich immer losgelassen sein. Doch das, was es nicht will, wird einen schon selbst (fest) halten. Sind das dann unsere Wurzeln, vielleicht?

Es gibt Fadenwurzeln, die sich sehr weit ausbreiten können.

Ganz tiefe Wurzeln, die wie verschweißt mit der Erde zusammen zu gehören scheinen.

Andere Wurzeln spielen mit Luft oder an der Oberfläche des Wassers.

Ich habe mir oft die Frage gestellt, wo denn meine Wurzeln sind. Ist mein Geburtsort ein Wurzelort? Wohl kaum, denn da wurde ich zumindest nur geboren und verweilte dort so gut wie nicht. Ist es der Ort meiner Kindheit und Jugend oder das „Nest“, in dem ich selbst Familie gründete?

Sind es meine Eltern, meine Großeltern, mein Land?

Ich spüre eher Sehnsucht nach anderen Ländern … und dennoch ist Heimat auch eine Art Wurzel.

Grundsätzlich vermute ich, dass wir nur in uns selbst wurzeln können und alles, was um uns herum geschieht und bei uns sein will, verwurzelt mit uns – mit der Zeit – vielleicht. Doch steht es separat im Sinne von allEIN(gültig). Und wenn ich an die Luftwurzler denke, ganz voran die Orchidee, so ist sie in ihrem Ursprungsort auch dafür zuständig, anderen artfremden Pflanzen durch ihre, in die Luft ragenden Wurzeln, Halt zu geben. Eine schöne Idee, finde ich. Doch lasse ich mich gern auch von völlig anderen Gedankengängen inspirieren.

*

Gedanken sprechen.

*

Und wenn es gelingt,

dass Gedanken,

eine Lanze brechen,

beginnt Verständnis.

*

Schön und vertraut, fühlt es sich an,

wenn sich ein gleicher Gedanke entzündet,

wenn eigenes Gedankengut

im Anderen mündet.

*

So, wie ich spreche, so spricht er auch.

Wunderbar klar,

alles entspringt dem Bauch.

*

Ich werde verstanden.

*

Doch höre ich einen anderen Klang,

der Gleiches sagt,

werde erhört, so – als ob ICH sang,

*

dann BIN ich verstanden.

*

Ich glaube, um erneute Wurzeln zu bilden, braucht es einen grundhaften Boden.

Wesentlich war mir immer – dass, was mir lieb und teuer – MIT mir WAR.

Und mit manchen Menschen ist „man“ verbunden, wie durch Fäden oder durch ein untrennbares Band. Sie laufen oft nicht neben einem, sind aber präsenter, als die Mehrzahl derer, die uns umgibt.

Die „Rote-Faden-Menschen“ – geliebt und gehasst? –

(Letzter Beitrag von suZahu: BeWEGt)

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