Donnerstag , 14 November 2019
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Was wäre wenn es die Menschheit schon einmal gegeben hätte?

herr_aller_dinge_minicoverFantasy-Romane sind mir gemeinhin ein Greuel, was aber nicht bedeutet, dass die Handlung nicht mit Fantasie angereichert sein darf. Wahrscheinlich ist es aber nur eine Missinterpretation meinerseits, assoziiere ich Fantasy doch in der Regel mit seltsamen Wesen, die noch seltsamere Namen tragen und in der Natur nicht vorkommen. Kurz gesagt: Herr der Ringe ist nicht so mein Ding, „Herr aller Dinge“ jedoch umso mehr. Das neue Buch von Andreas Eschbach, bekannt durch „Das Jesus Video“ oder den bereits vorgestellten Roman „Ein König für Deutschland“ hat sich diesmal eines Themas angenommen, das auf den ersten Blick nach einem Wirtschaftswunder klingt: Alle Menschen werden reich.

Der Held der Geschichte, Hiroshi, Sohn einer Botschaftsangestellten im japanischen Tokio, hat bereits im Vor-Teenageralter eine Idee, wie die gesamte Menschheit zu Reichtum gelangen kann. Nicht unbedingt in finanzieller Hinsicht, sondern getragen durch die Tatsache, dass Maschinen fortan alles erschaffen, was der Mensch so brauchen kann, darunter auch Maschinen für Dinge, deren Produktion bislang noch nicht von Maschinen übernommen wurde. Der Mensch muss sich also nur noch zurücklehnen und die Zeit genießen. Ein durchaus angenehmer Gedanke, schließlich ist es meist die Arbeit, die den Menschen das Leben erschwert.

Seine Jugendfreundin Charlotte, Tochter des französischen Botschafters in Japan, weiht er schon als Kind in diese Idee ein, ohne ihr allerdings die Details zu erklären. Das passiert dann erst Jahre später, als sie sich während ihres jeweiligen Studiums in Harvard und am M.I.T. in Boston wiedertreffen. Dort wird auch ein milliardenschwerer Investor auf Hiroshi aufmerksam, der ihm die Gelegenheit gibt, seine Idee mit den sich selbst erschaffenden Maschinen in die Tat umzusetzen. Erneut vergehen einige Jahre, bis die beiden sich wiedersehen, als Hiroshi sie zu seinem ersten Live-Test, der allerdings ziemlich schief geht, auf eine fernöstliche Insel einlädt.

Als Charlotte danach, im Rahmen einer wissenschaftlichen Expedition, ein unglaubliches und vor allem dramatisches Erlebnis auf einem Eiland im russischen Eismeer hat, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Dort tauchen ebensolche Maschinen auf, wie Hiroshi sie entwickelt hat, nur dass der damit nicht in Verbindung steht, sondern als Berater dazugerufen wird. Sowohl die russischen, als auch die amerikanischen Streikräfte setzen ihre Hoffnung auf ihn, denn was da passiert, ist eine Bedrohung für die gesamte Menschheit. Es gelingt ihm, die Programmierung der Maschinen zu verändern und der Spuk hat vorerst ein Ende. Bis klar wird, dass…

An der Stelle möchte ich weiter nichts mehr verraten, außer dass nun wirklich Fantasie ins Spiel kommt, allerdings von der Sorte, wie sie durchaus auch Realität sein könnte. Das dürfte auch der Grund sein, warum Eschbachs Geschichten meinen Geschmack zu 100% treffen.

herr_aller_dinge_coverWer nun neugierig geworden ist, der darf sich auf spannenden Lesespaß freuen, der nicht nur als Zeitvertreib anzusehen ist, sondern auch zum Nachdenken über die Menschheit anregt. Reichtum für alle wäre sicher ein schöner Gedanke, wenn da nicht die Nebenwirkungen wären, oder jemand schon vor Abermillionen Jahren eine ähnliche Idee gehabt hätte, allerdings so gar nicht zum Wohl der Menschen. Wer den letzten Satz etwas verwirrend findet, der wird nach der Lektüre des Buches wissen, was damit gemeint ist. Oder er wirft einen Blick auf die Überschrift dieses Buchtipps. Das war jetzt aber wirklich der letzte Hinweis, versprochen.

Das Buch ist im Lübbe-Verlag erschienen und hat 688 Seiten. Für 22,00 € ist es im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.

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