Donnerstag , 6 Mai 2021
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Dead or Alive – Wenn Bin Laden plötzlich „Emir“ heißt

dead_or_alive_minicover„Es ist schon gespenstisch: Vieles was ich erfinde wird Wirklichkeit“, diese Aussage von Bestseller-Autor Tom Clancy hat leider eine gewisse Tragik. Wer die bislang 13 Werke rund um Jack Ryan, John Clark und Ding Chavez gelesen hat, wird sich an manch eine Handlung erinnern, die im Nachhinein Realität wurde. Schon alleine deswegen ist nicht zu hoffen, dass Teile des Inhalts seines neuen Buches „Dead or Alive“ demnächst in den Hauptnachrichten zu sehen sein werden. Wobei auch hier die die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit – Stichworte: Atomkraft und Libyen – schon ein paar Schritte weiter sind, als der Autor das während des Schreibens wissen konnte. Das Buch ist Ende 2010 auf Englisch und im Januar 2011 in deutscher Sprache erschienen.

Auf gut 1000 Seiten wird die Welt gerettet, wieder einmal könnte man sagen. Aber das tut der Spannung keinen Abbruch, denn auch diesmal fliessen authentische Details und Fiktion so zusammen, dass man das Buch schwer zur Seite legen kann. Auch wenn Osama Bin Laden in dem Roman als „Emir“ bezeichnet wird und die unvermeidliche Al Kaida durch eine Organisation ersetzt wird die sich URC nennt, ist absolut unmissverständlich, um wen es sich handelt. Eine selbstgebastelte Atombombe spielt ebenfalls eine Rolle und die Schilderung, wie die bösen Buben an das gefährliche Material kommen erscheint so realistisch, dass man Angst bekommen kann, unabhängig davon, ob man gerne Verschwörungstheorien nachhängt, oder nicht.

dead_or_alive_coverAls großer Fan von Tom Clancy war es mir eine besondere Freude, nach sieben Jahren eine Fortsetzung der Jack-Ryan-Reihe zu lesen, in der diesmal alle Figuren aus den Vorgänger-Romanen auftauchen, so sie denn noch am Leben sind. Es war beinahe ein bisschen wie ein Klassentreffen. Allerdings wird auch derjenige seine Freude an dem Buch haben, der mehr oder weniger unvorbereitet ins Geschehen einsteigt. Dass die Amerikaner selbstverständlich die uneingeschränkt Guten sind, sollte man bei der Lektüre einfach ausblenden. Es handelt sich schließlich um einen Roman und keinen Tatsachenbericht.

Für die Freunde von gut recherchierten Politthrillern ist „Dead or Alive“ ein absolutes Muss. Wer sich bisher nicht mit dem Genre auseinandergesetzt hat, könnte dadurch angefixt werden.

Das Buch ist im Heyne-Verlag erschienen, hat 1040 Seiten und ist für 22,99 € im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.

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