Mittwoch , 27 Juli 2016
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Sichere Altersvorsorge trotz Euro-Krise

krise_pfeilAngesichts der hohen Verschuldung einiger EU-Staaten wird derzeit viel über die Zukunft des Euro diskutiert. Mancher mag sich in diesem Zusammenhang auch Gedanken darüber machen, was aus seinen Ersparnissen wird. Wie kann man vor dem Hintergrund zunehmender Unsicherheit an den Finanzmärkten seine Ersparnisse langfristig auch für die Absicherung im Alter bewahren? Es hat in den letzten 100 Jahren einige Wirtschafts- und Finanzkrisen sowie Währungsreformen gegeben, bei denen es für Sparer und Eigentümer von Sachwerten mindestens erhebliche finanzielle Einbußen gab und mitunter sogar ein Totalverlust eintrat:

  • Inflation und dadurch ausgelöste Währungsreform in den Jahren 1923-1925,
  • Weltwirtschaftskrise 1929, ausgelöst u.a. durch Überproduktion und kreditfinanzierte Massenspekulation, letztlich der Börsenkrach im Oktober 1929, verbunden mit vielen Unternehmenszusammenbrüchen und massiver Arbeitslosigkeit,
  • Währungsreform 1948 in den drei West- wie auch in der Sowjetischen Besatzungszone, wobei Sparguthaben stark abgewertet wurden und v.a. die Besitzer von Sachwerten einen Vorteil hatten,
  • Bodenreform und andere Formen der Enteignung von Privateigentum an Produktionsmitteln in der DDR,
  • Währungsreform 1957 in der DDR, wobei pro Person nur 300 Deutsche Mark umgetauscht werden durften,
  • Erste und Zweite Ölkrise in den 70er Jahren, verbunden mit Preissteigerungen bei Rohstoffen und der bis dahin schwersten Rezession seit Bestehen der BRD,
  • Einführung der D-Mark in der DDR 1990, wobei pro Person maximal 6.000 DDR-Mark im Verhältnis 1:1 umgetauscht werden konnten, darüber hinausgehende Geldbeträge mussten im Verhältnis 2:1 umgetauscht werden,
  • Einführung des Euro am 1.1.2002, wobei allerdings zumindest nominal kein Wertverlust eintreten sollte.

Nun wollen wir nicht hoffen, können aber auch nicht hundertprozentig ausschließen, dass solch schlimme Dinge wie Krieg oder ein völliger Zusammenbruch des Finanzmarkts in unserer Region wieder passieren.

Aber wie sichert man sich effektiv gegen kleinere oder größere Krisen ab?

Ich persönlich kenne keine Finanzanlage, die unbedingt und unter allen Umständen auch nur eine hundertprozentige Sicherung der geleisteten Einlagen gewährleistet – ob nun Aktien, Immobilien, Gold oder darauf basierende Instrumente wie etwa Lebensversicherungen, Fonds usw.

Eine breite Streuung minimiert zwar das Risiko, dennoch können in der Summe zu einem bestimmten Zeitpunkt Verluste drohen. Auch nach mehreren Jahren. Dass Aktien gelegentlich rapide an Wert verlieren, dürfte bekannt sein. Auch der Wert einzelner Immobilien oder auch der Immobilienmarkt eines ganzen Landes können zusammenbrechen, wenn aktuelle Marktpreise lediglich auf Spekulation basieren oder bestimmte Rahmenbedingungen zu einem Wertverlust führen (z.B. Bau eines AKWs oder einer Mülldeponie in der Umgebung). Und der Goldpreis ist in den letzten Jahrzehnten ebenfalls einige Male deutlich nach unten gegangen.

Geldmarktfonds oder Tagesgeldkonten sichern einen gewissen Cashbestand leicht über dem Inflationsniveau, bei geringen Schwankungen und normalerweise geringem Risiko. Allerdings ist auch diese Anlage nicht hundertprozentig sicher. Im Falle von bankrotten Banken und fehlender Einlagesicherung droht auch hier ein Totalverlust. Mancher Anleger, der sein Geld vor Jahren bei recht hohen Zinsen bei bestimmten ausländischen Banken auf einem Tagesgeldkonto geparkt hatte, kann ein Liedchen davon singen. Man sollte also immer davon ausgehen, dass die Ersparnisse futsch sein können. Oder die angesparten Rentenbeiträge infolge einer Währungsreform nicht mehr den Wert haben, um wirklich abgesichert zu sein.

Ich bin nun allerdings kein Finanz- und Wirtschaftswissenschaftler, der an dieser Stelle die Qualität einzelner Anlageprodukte beurteilen kann, sondern möchte auf einen völlig anderen Aspekt hinweisen:

„Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.“ (Benjamin Franklin)

Vielleicht ist es am besten, sich von dem Gedanken an die Rente einmal ganz zu verabschieden und stattdessen einfach anzustreben, dass man langfristig über ein regelmäßiges Einkommen verfügt und darüber seinen finanziellen Bedarf absichern kann. Dies ist nur möglich, wenn man beständig bestrebt ist, sich die Qualifikationen anzueignen und sich so weiterzubilden, dass man sich am Arbeitsmarkt einbringen und für seine Leistung auch etwas verlangen kann. Man kann heute jedenfalls nicht mehr davon ausgehen, dass eine Ausbildung oder ein Studium für ein ganzes Arbeitsleben (bis 67, bis 70, bis 75?) ausreicht.

Für den Erhalt des individuellen Arbeitsmarktwertes kommt es allerdings nicht nur auf ständige Qualifizierung, sondern auch auf individuelle Maßnahmen für den Erhalt der Gesundheit an. Dazu zählen einerseits die klassischen Dinge wie Bewegung, gesunde Ernährung und kontrollierter Umgang mit Genussmitteln. Dazu gehört allerdings auch, dass man nicht jede Art von Arbeit annimmt, sondern darauf achtet, dass es sich um Arbeit handelt, die einen nicht körperlich und/oder psychisch krank macht. Was das Wohlbefinden verringert, die zukünftige Arbeitsfähigkeit einschränkt und Behandlungskosten verursacht, die man zunehmend auch noch selbst zu tragen hat.

Statistiken der Krankenkassen verweisen darauf, dass mit zunehmendem Alter vor allem die Muskel- und Skelett-Erkrankungen zunehmen (Rückenschmerzen sind die häufigste Einzelursache von Krankschreibungen). Dies dürfte vielfach auf einseitige Belastungen in der Arbeit zurückgehen. In den letzten 15 Jahren haben aber auch die psychischen Erkrankungen zugenommen. Hier ist vor allem an Ursachen wie erhöhte Arbeitsintensität, Stress und Mobbing zu denken, was zu Burnout, Depressionen und weiteren Problemen führen kann.

Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen. Nach dem Barmer Gesundheitsreport 2008 ist der Krankenstand mit 4.3 bis 4.5 Prozent besonders hoch bei psychisch und körperlich belastenden Berufstätigen wie Verkäuferinnen, Krankenschwestern und Sozialarbeitern. Bei Bankfachleuten beträgt der Krankenstand dagegen 3.0 Prozent. Nach Auswertungen der AOK weisen Hochschullehrer pro Jahr 4.8 krankheitsbedingte Fehltage auf. Bei Schienenfahrzeugführern sind es 24,7 Fehltage, bei Polizei- und Militärangehörigen 26,8 Tage, bei Nietern gar 33,3 Fehltage.

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet eigentlich den Arbeitgeber auf eine der Art der Tätigkeit entsprechende Beurteilung der möglichen Gefährdung von Arbeitnehmern und entsprechende Gestaltung des Arbeitsplatzes nach aktuellen arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen. Nach Analysen des DGB-Index Gute Arbeit arbeiten allerdings lediglich 30 Prozent der Beschäftigten an einem Arbeitsplatz, an dem zumindest einmal eine solche Gefährdungsbeurteilung erfolgt ist. Und auch diese ist dann häufig mangelhaft.

Für manchen mögen diese Ausführungen und die Aufforderung, nicht jede Arbeit anzunehmen, wie Hohn klingen. Angesichts finanzieller Verpflichtungen und äußeren Drucks durch Ämter. Aber vielleicht helfen diese Ausführungen ja dem einen oder anderen, über die eigene Situation und mögliche Alternativen nachzudenken. Insbesondere von Burnout betroffene Menschen und Mobbing-Opfer setzen sich üblicherweise viel zu lang einer krankmachenden Umgebung aus.

Es wird häufig von Eigenverantwortung gesprochen. Es ist allerdings tatsächlich notwendig, sich die eigene Verantwortung für den Erhalt von Qualifikation und Gesundheit bewusst zu machen und folglich dequalifizierende und krankmachende Arbeitssituationen abzulehnen. Wenngleich diese Form der Übernahme von Eigenverantwortung vielleicht dem einen oder anderen Wirtschaftsboss nicht unbedingt gefallen wird.

Beitrag von Falk Richter – http://www.falkrichter.de

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