Freitag , 20 September 2019
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Naturkatastrophen bedrohen die Nahrungsmittelversorgung

weizenfeldDie permanente Verfügbarkeit – und Erschwinglichkeit – von Lebensmitteln in der westlichen Welt lässt leicht vergessen, dass es sich dabei um das wichtigste Element des Daseins handelt. Buschbrände, Trockenheiten, Überschwemmungen und sogar Heuschrecken bedrohen die Ernten, reduzieren die weltweite Produktion, und treiben gleichzeitig die Preise immer weiter nach oben. Für Länder, die von Weizenimporten abhängen, nimmt der Preisanstieg bereits bedrohliche Ausmaße an. Auch wenn in unseren Landen die Situation noch lange nicht dramatisch erscheint, die Bedeutung der Versorgung mit Nahrungsmitteln verdient mit Sicherheit eine gewisse Aufmerksamkeit.

Während der Jahrhunderte der Feudalherrschaft, war Landbesitz ein Privileg. Wer über das Land herrschte, kontrollierte gleichzeitig die Produktion von Lebensmitteln – und damit das Volk. Mittlerweile haben sich die Werte verlagert. Jeder landwirtschaftliche Betrieb hängt von Rohstoffen, insbesondere von Treibstoff, ab. Somit übt die Herrschaft über Erdöl nicht nur Macht über Industrie und Wirtschaft im allgemeinen aus, sondern auch direkt auf die Basis unseres Überlebens, auf unser tägliches Brot. Es ließe sich vielleicht sogar behaupten, dass Feudalherrschaft nicht durch Demokratie, sondern durch die Herrschaft über Rohstoffe abgelöst wurde.

Offiziellen Angaben zufolge, beträgt die Zahl der Menschen, die unseren Planeten bevölkern, 6,7 Milliarden. Die weltweite Versorgung mit Nahrungsmitteln ist mittlerweile nur mehr durch Intensivbearbeitung der verfügbaren Anbauflächen gesichert. Und plötzlich spielt die Natur selbst einen Streich. Russland gab bekannt, dass ein Viertel der Ernte der Trockenheit und dem Feuer zum Opfer fiel, weswegen ein Exportverbot verhängt wurde. Auch in der Ukraine und in Kasachstan werden Einbußen verzeichnet. In Kanada, einem der größten Exporteure von Nahrungsmitteln, wurde ein nennenswerter Anteil der Ernte durch enorme Regenfälle zerstört. In Ostaustralien wird eine Heuschreckenplage befürchtet.

Die Preise für Feldfrüchte, insbesondere für Futures, also mit späterem Liefertermin, steigen täglich. Amerikanische Farmer können sich freuen. Der saftige Gewinn fließt allerdings, wie wäre es anders zu erwarten, in die Taschen von Spekulanten.

Wie The Independent gestern berichtete, sorgen sich jene Länder, wie Ägypten, Indonesien und Thailand, die überwiegend von Nahrungsmittelimporten abhängen, um die neueste Entwicklung. Schon vor zwei Jahren explodierten die Preise, was in den genannten Ländern, in denen die Kosten für den Erwerb von Lebensmitteln in den ärmeren Bevölkerungsschichten einen wesentlichen Teil des Einkommens ausmachen, zu massiven Unruhen geführt hatte. Einem UN-Experten zufolge, werden auch in Marokko, Libyen, Tunesien und im Irak, wegen gravierend ansteigernder Importkosten,  signifikante Budget-Defizite erwartet.

Bürger jener Länder, die von der derzeitigen Entwicklung nicht direkt betroffen sind, sollten die Situation vielleicht zum Anlass nehmen, über die Wichtigkeit der Nahrungsmittelversorgung einmal nachzudenken. Auch wenn wir seit Jahrzehnten daran gewöhnt sind, dass die Regale der Supermärkte mit wesentlich mehr Produkten gefüllt sind als wir benötigen, insbesondere die Versorgung der Großstädte hängt von einem durchaus komplexen System ab, das weit über die Produktion hinausreicht. Krisenzeiten sind, leider, nicht ausschließlich Elemente der Vergangenheit.

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