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Millionen leiden unter den Folgen der Ölpest

deepwater_horizonEs war der 20. April 2010, als sich das folgenschwere Unglück auf der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko ereignete. So sehr das öffentliche Interesse an der bisher größten Tragödie dieser Art aufgeflammt war, so rasch versiegte es auch wieder. Ist das Öl mittlerweile wirklich verschwunden? Was wurde aus dem Top-Manager von BP, Tony Hayward? Wie viele Menschen leiden unter Krankheiten, die durch Öl und Lösungsmittel hervorgerufen wurden? Die Meerestoxikologin Riki Ott, die bereits mit den Folgen der Exxon-Valdez-Katastrophe bestens vertraut war, schätzt ihre Zahl auf zumindest sechs Millionen. Von Zugeständnissen durch offizielle Organe ist jedoch nicht die geringste Rede.

Die Bohrstelle befand sich in 1.500 Metern Tiefe und reichte 5.500 in den Meeresboden. Die Arbeiten waren weitgehend abgeschlossen. Schon bald hätte die Bohrplattform Deepwater Horizon abgezogen und durch eine Förderplattform ersetzt werden sollen. Doch hielten die Vorrichtungen dem Druck des Gases im Erdinneren nicht stand. Der sogenannte Blowout zerstörte die Verschließung am Meeresgrund und die folgende Explosion setzte die Plattform in Brand. Elf Arbeiter kamen ums Leben. Über die Ölmenge, die in den folgenden Wochen ins Meer austrat, gibt es nur grobe Schätzungen, die zwischen 500.000 und über einer Million Tonnen liegen.

Von offizieller Seite werden Langzeitwirkungen ignoriert. Der Großteil des Öls sei verdampft, verbrannt, abgesaugt und gelöst. Die Strände seien wieder sauber, die Wasserqualität einwandfrei und die Meeresfrüchte bedenkenlos genießbar.

Riki Ott bemüht sich praktisch seit Beginn der Katastrophe, die Öffentlichkeit über die in der Golfregion massiv auftretenden Gesundheitsprobleme zu informieren. Ohne jegliche Unterstützung durch die etablierten Medien, versteht sich. Sie stammt aus Alaska und ist mit den Konsequenzen des Unfalls der Exxon Valdez (1989) bestens vertraut. Was die Folgen dieser Ölpest betrifft, halten sich die Medien ebenfalls uniform mit der Berichterstattung zurück. Von den damaligen Reinigungshelfern sind mittlerweile fast alle verstorben, und zwar durchschnittlich im Alter von 52 Jahren. Es scheint, als sollten wir nicht daran erinnert werden, wie gesundheitsschädlich der Kontakt mit Erdöl sein kann. Sind wir doch täglich den Verbrennungsrückständen von Benzin ebenso ausgeliefert wie dem direkten Kontakt mit Unmengen von Produkten aus Kunststoff.

Bezüglich der derzeitigen Situation in der Golfregion spricht Riki Ott von sechs Millionen Opfern. Und diese Zahl bezeichnet sie ausdrücklich als äußerst konservativ. Sie leiden unter Erkrankungen der Atemwege, Übelkeit, Gedächtnisverlust, Hautirritationen, Augenerkrankungen und einigem mehr. Wie die engagierte Aktivistin im folgenden Video erklärt, werden die Erkrankungen als Lebensmittelvergiftung behandelt, als Hitzeschlag, als Erkältung und als simple Kopfschmerzen, aber grundsätzlich nicht als das was sie sind: Durch Chemikalien hervorgerufene Vergiftungen.

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Restlos verschwiegen wird die Situation natürlich nicht. Am 17. April berichteten sowohl AFP als auch Discovery News über das Auftreten mysteriöser Krankheiten in der Golfregion. Beschrieben werden Einzelfälle, wie etwa die Geschichte der 32-jährigen Jamie Simons. Sie arbeitete ein halbes Jahr lang auf einem Boot, das für Reinigungsarbeiten in den ölverseuchten Wassern eingesetzt wurde. Immer noch leidet sie unter rasendem Herzschlag, Erbrechen, Schwindelanfällen, Schwellungen im Hals, Ohrenentzündungen und Verlust der Seekraft auf einem Auge. In beiden genannten Berichten werden noch einige weitere Fälle angeführt, doch findet sich nicht der geringste Hinweis auf die Gesamtzahl derer, die unter Vergiftungserscheinungen leiden. Würde den Betroffenen zugestanden werden, dass ihre Krankheiten auf die Ölkatastrophe zurückzuführen sind, würden die von BP zur Verfügung gestellten 20 Milliarden Dollar für Entschädigungszahlungen bei weitem nicht ausreichen. Die Behandlungskosten alleine könnten diese Summe bereits überschreiten.

Natürlich wurden Klagen eingebracht. Doch, insbesondere in den Vereinigten Staaten, arbeiten die Mühlen des Gesetzes mehr als nur langsam. Die Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der, durch den Unfall der Exxon Valdez verursachten, Ölseuche im Jahr 1989 sind noch immer nicht endgültig abgeschlossen. Es sind zwei Jahrzehnte, die seit damals vergangen sind.

Über die Bemühungen, den Schaden für den Verursacher, den Ölkonzern BP, so gering wie möglich zu halten, wurde im Vorjahr ausführlich berichtet. Der, als damaliger CEO von BP hauptverantwortliche, Tony Haywards, der sich selbst als „Opferlamm“ bezeichnet, wurde im Sommer aus seiner Position entlassen. Nicht jedoch, ohne ihm eine Abfertigung in Höhe von einer Million Pfund und eine Rente über insgesamt zehn Millionen Pfund zuzugestehen. Sollte man annehmen, dass sich der vorübergehend „meist gehasste“ Mann der Welt damit zur Ruhe setzt? Keineswegs. Sowohl The Independent als auch The Telegraph berichten von Geschäftsplänen Haywards in Zusammenarbeit mit Nat Rothschild im Bereich der Rohstoffgewinnung. Exakte Details darüber gibt es natürlich keine. Der Spross der Bankiers-Dynastie verweigerte dem Telegraph gegenüber jegliche Stellungnahme und Hayward blieb unerreichbar.

Die Situation erinnert an Gerüchte, die besagen, dass sich ein nennenswerter Anteil von BP in Händen der Rothschild-Dynastie befindet. Der üblichen Struktur von Unternehmensbeteiligungen zufolge, verschwinden die wahren Besitzer der Konzerne hinter einem Netzwerk von zwischengeschalteten Finanzunternehmen wie etwa BlackRock, von dem Investitionen über nicht weniger als 3,5 Billionen Dollar kontrolliert werden. So sollen sich 5,9% der BP-Aktien im Besitz von BlackRock befinden. Weitere 3,8% gehören Barcleys Global Investor, einem Unternehmen, das wiederum BlackRock gehört. Bezüglich des Großteils der Aktien sind aber ohnehin keine Angaben bekannt, in wessen Händen sie sich befinden.

Die Frage, was aus dem Öl, das den Golf von Mexiko verseuchte, letztendlich geworden ist, bleibt weiterhin unbeantwortet. Die offiziellen Angaben, dass rund 80 Prozent „verschwunden“ seien, widersprechen jeglicher Logik. Mehrere unabhängige Wasserproben führen zu dem Schluss, dass die eingesetzten Lösungsmittel, wie Corexit, den Ölteppich zwar von der Meeresoberfläche verschwinden ließen, die derart gelösten Chemikalien jedoch überwiegend im Meerwasser verblieben sind. Wirklich verlässliche Untersuchungen des Meeresbodens durch unabhängige Experten wurden bis dato öffentlich nicht bekannt gegeben.

Gefährliche Tiefseebohrungen werden natürlich weiterhin durchgeführt, genau so wie sich der Aktienkurs von BP weitgehend erfangen hat. Die Bewohner der Golfregion werden sich an die Krankheitssymptome mit der Zeit gewöhnen. Mit der reduzierten Lebenserwartung werden sie sich abfinden müssen. Der Rest der Welt hat sie schon lange vergessen. Schließlich tauchen ja auch immer wieder neue Ereignisse auf, die unsere Aufmerksamkeit vorübergehend in Anspruch nehmen. Nur an Jahrestagen erinnert man sich vielleicht noch einmal kurz. Vorausgesetzt, man lebt weit genug entfernt.

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