Mittwoch , 20 März 2019
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Ölpest-Pessimist im Whirlpool ertrunken

rockport_maineDer bekannte Finanzexperte im Energiebereich, Matthew Simmons, ist am Sonntagabend im Whirlpool seines Sommerhauses ertrunken. Simmons war ein Verfechter der Peak-Oil-Theorie, die besagt, dass die weltweiten Ölreserven so sehr abgenommen hätten, dass sich die jährliche Fördermenge regelmäßig verringern wird. Während er als Investment-Banker Tiefseebohrungen mitfinanzierte, gründete er gleichzeitig das Ocean Energy Institute, das Projekte zur alternativen Energiegewinnung im Meer, durch Wind und Gezeiten, ausarbeitet. Seine Behauptungen bezüglich der enormen Schadensausmaße durch das Ölleck im Golf von Mexiko gelten weitgehend als widerlegt.

Am Sonntag gegen 10 Uhr abends wurde der 67-Jährige tot im Whirlpool seines Sommerhauses in Rockport, im US-Bundesstaat Maine, aufgefunden. Während anfängliche Meldungen sowohl von einem Unfall als auch von einem Herzinfarkt berichteten, führte die am Montag durchgeführte Autopsie zu dem Schluss, dass der Tod zwar durch Ertrinken, allerdings unter Mitwirkung von Herzproblemen, eingetreten ist.

Matthew Simmons war Energieberater von George W. Bush und gehörte auch dem elitären Council on Foreign Relations an.

Seine oft überraschend kontroversen Behauptungen führten regelmäßig zu Kritiken in Fachkreisen. So riet Simmons mehrfach zu Leerverkäufen von BP-Aktien, nachdem er überzeugt war, dass die Kosten für die Reinigungsarbeiten im Golf, die er auf eine Billion Dollar schätzte, das Unternehmen in den Bankrott treiben werden. Außerdem stimmte Simmons mit den Medienberichten bezüglich der Ausmaße des Schadens nicht überein. Er glaubte, dass es sich bei der von BP gezeigten und mittlerweile verschlossenen Bruchstelle nicht um das einzige Leck handelte, sondern in einigen Kilometern Entfernung wesentlich mehr Öl unkontrolliert austrat. Risse im Meeresboden, die ein Durchsickern von Öl und Erdgas erlaubten, schloss er ebenfalls nicht aus. Obwohl er mit seinen Behauptungen immer wieder auf Kritik stieß, schien er bis zu seinem Tod an diesen festgehalten zu haben.

Das folgende Video (englisch) zeigt Simmons in einem Telefoninterview am 21. Juli, also nach dem erfolgreichen Abdichten der Bruchstelle. Dabei sprach er von der „größten jemals vorgekommenen Vertuschung einer Umwelt-Katastrophe“, insbesondere auf die Vergiftung des Meeresbodens verweisend. Er fügte hinzu: „Unglücklicherweise haben wir den Golf von Mexiko vernichtet“. Ferner behauptete er, dass Forschungsschiffe der amerikanischen Wetter- und Ozeanographiebehörde (NOAA) bewiesen hätten, dass in einer Distanz von fünf bis zehn Meilen ein „sehr tiefes Ölleck“ existiere, das täglich weiter anwachse. Im Falle eines Hurrikans müsse die gesamte Golfregion evakuiert werden. Es war nicht möglich, eine Bestätigung dieser Behauptung, durch andere Quellen, zu finden.

An dieser Stelle erinnerte der Bloomberg-Reporter, dass für das Gespräch noch etwa 30 Sekunden zur Verfügung stünden, obwohl es sich letztendlich noch über fast fünf Minuten erstreckte. Es folgte die Frage zur Zukunft von BP, die Simmons alles andere als rosig einschätzte. Nachdem das Thema auf die Kinder der verunglückten elf Arbeiter auf der Deepwater Horizon umgeschwenkt war, schien das Zeitproblem plötzlich wieder gelöst. Es folgten weitere Fragen zum Beginn der Katastrophe, wobei Simmons daran erinnerte, dass zwei Tage lang der Ölfluss verheimlicht und von einem Feuer auf der Plattform berichtet wurde. Simmons wusste, dass die Dieselmengen auf der Plattform keineswegs dazu ausreichten, diese zwei Tage lang brennen zu lassen. Er verwies darauf, dass diese ersten Behauptungen Lügen gewesen seien. Worauf der Reporter fragte: „So, und warum haben sie das gesagt?“. Simmons antwortete: „Weil man sie sonst umgebracht hätte!“ (2:58). Es folgten einige Augenblicke betroffenen Schweigens.

Derartige Übertreibungen haben letztendlich seit langer Zeit dazu geführt, dass Simmons’ Aussagen immer mehr angezweifelt wurden.

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