Samstag , 7 Dezember 2019
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Lieber zu spät, als nie? Die Wintervorschau der Deutschen Bahn

bahn_verspaetungDie Deutsche Bahn befürchtet für den kommenden Winter erneut Probleme. Millionen Bahnpendler befürchten dies ebenfalls. Dazu noch die Autofahrer, die aus Vernunftsgründen den Aufrufen der Automobilclubs und Wetterdienste Folge leisten und bei widrigen Witterungsbedingungen den Wagen stehen lassen. Nicht zu vergessen Schüler, Studenten und Auszubildende, die ebenfalls ihr in regelmäßigen Abständen verteuertes Monatsabo bezahlen, um rechtzeitig zum Unterricht oder zu Prüfungsterminen zu gelangen. Bei ihnen allen wird Mobilität als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt und in Arbeits- und Ausbildungsverträgen zementiert. Selbst die Bundesagentur für Arbeit sieht tägliche Pendlerzeiten von bis zu 2,5 Stunden als zumutbar an. Wer diese nicht aufbringen will, dem kann die in schlechten Zeiten dringend notwendige Unterstützung schon mal verwehrt werden.

Dies sollte für die verantwortlichen Manager und Politiker Grund genug sein, sich mehr als nur ein Bein auszureißen, die Pannenserie des vergangenen Jahres nicht nochmals aufleben und die Pendler ein weiteres Mal in Eis und Schnee stehen zu lassen. Möglich wäre dies in der Zwischenzeit gewesen, die Ursachen sind sattsam bekannt. Allein die wintertauglichen Regionalzüge, die seit 2009 im Einsatz sein sollten, können von Bombardier auch nach zwei Jahren nicht abgenommen werden, Zulassungen stehen noch aus. “Die Zugverfügbarkeit und Robustheit und Liefertreue muss wesentlich verbessert werden”, stellt Herr Grube laut ZDF-online fest. „Die Bahn werde wegen der Verzögerungen Vertragsstrafen bei den Herstellern geltend machen. Die aber möchte keine Garantien geben.“ So die resignierende Erkenntnis des Bahnchefs am 8.September 2011. Da fragt man sich schon mal, was Herr Grube, der seit gut zwei Jahren die Weichen in beschwingter Aufbruchsstimmung stellen wollte, bisher getan hat. Wasserdichte Verträge, wie in der freien Wirtschaft überlebensnotwendig, hat er nicht schaffen können. Seine Äußerungen deuten eher darauf hin, dass er bis heute noch nicht durchgegriffen hat, wertvolle Zeit verstrich ungenutzt. Einfacher ist es da allemal, die Verantwortung auf den Schwarzen Peter abzuwälzen: „So warten rund hundert neue Regionalzüge seit Jahren auf eine Zulassung vom Eisenbahn-Bundesamt.“

Bahnmanager, die durch die Privatisierung schnellstmöglich alle Vorteile einsteckten und für den herbeigesehnten Börsengang alles liegen ließen, was die Bilanzverschönerung verzögern könnte, sehen sich also außerstande, für ihre Kunden genügend Druck zu machen. Und die Willensbekundungen des Herrn Ramsauer allein bringen auch keine fahrplanmäßige Fortbewegung auf die Schiene. Stattdessen wurden ausgemusterte Züge voreilig geschrottet, bringt schließlich mehr Gewinn als ein wartungsintensiver Reservefuhrpark.

Das Fatale an dieser Situation ist die Haltung der meist in zu wenig vorhandene Waggons gepferchten Opferlämmer. Sie blöken zwar, erwarten aber gar nichts Positives mehr, weder von der Bahn noch von der Politik. So verständlich dies sein mag, so einfach macht es diese Haltung wiederum den Verantwortlichen erst, weiter misszuwirtschaften wie bisher. Ein „Generalstreik der Pendler“, ein kollektiver Aufschrei bei jeder solcher im Vorfeld resignierenden Meldungen, könnte indes zu einem Umdenken zwingen: Würde der Normalbürger an sich wertgeschätzt werden und mit seinem ganzen Gewicht auf die Nutzenseite entsprechender Kostenanalysen gesetzt, würde die Volkswirtschaft langsam wieder diesen ihren Namen verdienen. Für verantwortlich denkende und handeln wollende Manager und Politiker müsste Platz geschaffen werden. Leider sind diese Plätze noch besetzt von Glücksrittern, die nicht begriffen haben, dass ihr Zug längst abgefahren ist. Wie sollen sie auch, wenn dank falsch gestellter Weichen der menschliche Zug auf dem Abstellgleis stecken bleibt.

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