Dienstag , 23 Juli 2019
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Ruckedigu, dem Gutti den Schuh! – Eine undenkbare Aktion

alter_schuhEs ist kein Märchen, welches es zu schreiben gilt, es ist eine Satire – und sonst nichts. Aus guten Gründen mag ich noch darauf aufmerksam machen, dass Namen und sonstige Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen der reine Zufall sind, nichts als der reine Zufall, und wie rein. Diese Ähnlichkeiten sind oder waren, sollten sie jemals auftreten, keinerlei Absicht. Wo kämen wir denn da hin. Und dann kommt noch eines hinzu, der geschilderte Vorgang kann sich überall auf der Welt abspielen, nur nicht in Deutschland. Dies ist vollkommen ausgeschlossen, es ist unmöglich. Bei uns wird sich solch eine „böse“ Geschichte niemals ereignen, niemals.

Jetzt geht es aber endlich los mit der nicht in Deutschland spielenden Geschichte:

Diese alle Annahmen und Vorurteile über den Haufen werfenden Vorgänge, die Revolution breitet sich, aus Nordafrika kommend, immer weiter aus, sie zeigen die Kraft, welche in friedlichen Menschen innewohnt. Diese bewundernswerten Menschen greifen nicht zur Maschinenpistole oder zum Sprengstoffgürtel. Sie besetzen einfach Plätze und bewohnen sie, und die Plätze werden zur Stimme der Geknechteten. Menschen allen Alters, aller Hautfarbe, aller Religionen – sie leben Solidarität und Humanität, wir müssen uns alle schämen. Ausdruck ihrer Verachtung ist im Schwenken oder im Werfen ihrer Schuhe zu sehen – eine in Nordafrika beispiellose Geste, mit der die Arroganz der Herrschenden bedacht wird.

Jetzt könnte man ja darüber nachdenken. Diese Geste klarster Beurteilung ließe sich sicher auch hier einsetzen. Und nun fanden sich doch tatsächlich Menschen zusammen, welche damit eine Aktion planten.

Um sich keinem falschen Verdacht auszusetzen, dieses Verfahren hat in Deutschland keine Berechtigung, ist unnötig, wird nicht gebraucht. Deswegen ist dies auch nur eine Geschichte, eine Satire, eine Konstruktion. Und damit abermals kein falscher Verdacht aufkommt, der in dieser Geschichte verwendete Name, nämlich „Gutti“, dieser ist in Deutschland nicht verbreitet, gänzlich unbekannt. Der Zungenschlag ist leicht mediterran, sie wissen schon – nehme ich an…

Jetzt zur Aktion selbst, sie brauchen einige Phantasie, stellen sie sich vor, der mediterrane „Gutti“ ist in Deutschland Minister, warum auch immer. Jetzt der Super-GAU, man hat ihn beim Lügen erwischt, er hat was Falsches geschrieben, von dem er behauptete, er habe das Richtige geschrieben und dann kommt raus, er hat es zwar richtig geschrieben, er ist aber der Falsche, wenn es um die Urheberschaft geht. Alles klar?

Die aktionsbereiten Menschen denken jetzt an die tapferen Menschen in Afrika und wollen „Gutti“ im Jahr 2011 einen alten Schuh mit deutlichen, durchaus auch mit Gebrauchsspuren geruchlicher Art versehen, in das Ministerium nach Berlin schicken, und zwar so, dass diese Schuhe alle am Aschermittwoch dort eintreffen. Sicher denken sie jetzt: „Was für ein granatenmäßiger Quatsch, was soll denn das…“. Jeder noch so vernünftige Mensch denkt dies jetzt. Einen gebrauchten Schuh am Aschermittwoch im Berliner Verteidigungsministerium eintreffend, welch üble Geschichte wäre das. Nicht auszudenken….

Ich muss schon richtig lachen. Sie merken schon, sie befinden sich inmitten einer ganz tollen und fiktiven Satire, weil – in Deutschland würde das nicht klappen, mit dem gebrauchten Schuh, welcher am Aschermittwoch 2011 im Verteidigungsministerium eintrifft. Niemals würde das klappen.

Das Protokoll einer solchen Aktion könnte wie folgt aussehen:

  • Idee wird geboren und für gut befunden. Würde funktionieren, zwar nicht in Deutschland, aber es würde real funktionieren.
  • Termin wird gefunden, ein Propagandafeldzug in Gang gesetzt.
  • Dachverband der Schuhmacher erhält Wind von der Aktion. Mittels einstweiliger Verfügung ist sichergestellt, es werden nur Importschuhe zu Versand kommen, keine deutschen Schuhe.
  • Betriebsrat des Transportgewerbes erhält ebenfalls Wind von der Sache, obwohl noch kein gebrauchter Schuh mit Geruchsperforation verschickt wurde. Weitere einstweilige Anordnung stellt sicher, dass die Veranlasser sämtliche Kosten für eventuelle Feuerwehreinsätze zu übernehmen haben. Auch die Ausgaben für die persönliche Schutzausrüstung der beteiligten Mitarbeiter werden auf die Aktionsträger abgewälzt.
  • Der Dachverband der Lebendtierspeditionen erkennt die Marktlücke und prescht mit einem aggressiven Dumpingangebot in die Bresche, die Post hatte mittels einstweiliger Anordnung die Annahme derartiger Sendungen abgelehnt.
  • Das Ministerium riecht den Braten. Aus dem Kosovo wird eine einsatzfähige ABC-Abwehrkompanie eingeflogen und bereitet sich auf den Einsatz in dieser Grauzone menschlicher Enttäuschungen und Düfte auf den Einsatz vor.
  • Die Aktion zerstreitet sich. Einige Teilnehmerinnen, sie werden der feministischen Szene zugerechnet, verweigern die Anlieferung von Damenschuhen und schicken Gummistiefel in Männergrößen. Weitere Anarchisten wollen nur grellfarbige Badelatschen schicken.
  • Eine große Tageszeitung erhält Wind von der Aktion. In riesigen schwarzen Lettern klagt die Titelseite an: „Schuhkrieg im Ministerium. Deutschland wird bedroht“. Die Zeitung erklärt, die Aktion verfüge über ausgezeichnete Kontakte in den Irak und nach Afghanistan. Gegen die Zeitung wird ebenfalls ein Schuhversandplan entwickelt und in Gang gesetzt. Schuhe werden knapp in Deutschland.
  • Alle Discounter und die Kaffeeröster mit eigenen Filialen bieten die praktischen und geruchsfesten Schuhversandboxen an, aus nachwachsenden Rohstoffen und mehrfach verwendbar an.
  • Das Ministerium, die Leitungsebene spürt im Nacken den Hauch des Bösen – die Aktionsverantwortlichen müssen innerhalb von drei Stunden eine Wehrübung im ehemaligen Regierungsbunker antreten, Dauer unbestimmt.
  • Das Innenministerium lässt alle Postämter schließen und die Autobahnen sperren.
  • Die Schuhversandboxen aus nachwachsenden Rohstoffen sind in ganz Deutschland ausverkauft.
  • Der Minister, von dem wir annehmen, es könne dieser mediterrane „Gutti“ sein, er lässt in seinen Amtsräumen 4.691 Sprühdosen der Marke „Guttis Raumduft ist der Beste“ einlagern. Die Kosten werden aus einem Notfond zur nationalen Verteidigung beglichen. Die Opposition verlangt ebenfalls eine Ausstattung, ersatzweise Himbeereis. Das BVG hat noch nicht entschieden.
  • In einer dramatischen Ansprache erläutert der Bundespräsident dem Volk, warum Schuhe in dieser Republik für die nächsten elf Jahre verboten sind. Die Industrie gründet den Bundesverband der Fußlappenhersteller neu, erste Container aus Asien sind bereits angelandet.

So wäre der Ablauf einer solchen Aktion in Deutschland. Deswegen wird es bei uns nicht passieren. Oder könnten sie sich vorstellen, dass in Deutschland viele Menschen dem Verteidigungsminister, wir nennen ihn hier „Gutti“ einen oder mehrere gebrauchte Schuhe an seinen Dienstsitz senden, so als Zeichen oder als Signal? Können sie sich vorstellen, der Ablauf wäre so koordiniert, dass alle Schuhe so um den Aschermittwoch dort eintreffen?

Ich kann mir das nicht vorstellen, beim besten Willen nicht. Also – und nur ganz fiktiv: „Hochverehrter Herr Verteidigungsminister, lieber „Gutti“, es ist davon auszugehen, dass viele Menschen keine gebrauchten Schuhe an das Ministerium schicken, und das diese deswegen auch am Aschermittwoch 2011 dort nicht eintreffen werden, es ist also alles gut.“

Sollte das Ministerium am Ascherwittwoch 2011 doch jeder Menge Pakete mit gebrauchten Schuhen bekommen, ich wäre ja so etwas von überrascht. Aber noch glaube ich nicht daran….

© Peter Reuter

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