Dienstag , 15 Juni 2021
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Maskenball der Realitäten

maskenSelbstgespräche an frischer Luft können Entscheidungen beschleunigen. Zum Beispiel die Frage, ob ich die saisonale Maskerade überhaupt unterstützen möchte und, wenn ja, mit welcher Verkleidung. Eine freundliche Stimme riss mich aus meiner Gedankenwelt „Nehmen Sie meine – ich bin immer gut damit gefahren“. Ein älterer Herr streckte mir die Maske des mündigen Bürgers entgegen. Gerührt und erfreut darüber, dass er in mir eine Person sah, die sich dieser Maske würdig erweisen könnte, fragte ich doch vorsichtshalber nach, wie sich so ein mündiger Bürger zu geben hat.

„Ach, das ist ganz einfach: Der gemeine mündige Bürger wird von seinen Mitmenschen niemals mehr verlangen, als er selbst zu geben bereit ist. Deshalb wird er sich einmischen und sich mit sachlicher Argumentation, Weitblick und in Sorge um unser aller Zukunft Gehör verschaffen, wo immer er auch Unrecht, Zerstörung und Verletzung der Menschenwürde wittert. Er wird diejenigen unterstützen, die seiner Meinung nach den gleichen Weg einschlagen, über Parteibuch- und Sympathiegrenzen hinweg.“

„Oh das ist aber ganz schön anstrengend!“, entfuhr es mir, nervös lächelnd. „Das schafft ja die Mehrzahl unserer Volksvertreter nicht einmal!“

„Leicht ist es nicht“, pflichtete der Weise bei. „Der Wille muss vorhanden sein! Deshalb sind Entspannungspausen auch so wichtig“, ergänzte er und hielt mir ein Blumentöpfchen hin. Er liebe zum Beispiel die Gartenarbeit, gibt es doch duldsame Pflänzchen, die auch bei geringer oder gar unsachgemäßer Pflege noch prächtig gedeihen und auch rauere Standorte gewöhnt sind. Er drückte mir ein Töpfchen mit Demokratia in die zitternden Finger. „Doch Vorsicht!“ fuhr er fort, „Ganz so robust ist sie auch wieder nicht: Wenn sie ständig darauf herumtrampeln, ihre Einzigartigkeit übersehen, und sich allein für Ihr eigen Wohl ihrer Freiheitsblüten bedienen, vertrocknet sie. Es wird keine Ableger mehr geben!“.

Ich versprach einen geschützten Standort in Sichtweite. Der Weise fing meinen sorgenvollen Blick auf und nickte: „Sorgen sollte man sich immer. Und hinterfragen. Zum Beispiel, ob die Kriterien von Bioprodukten aus China oder Tschernobyl naher Regionen den hohen Standards unserer Produkte entsprechen. Der mündige Bürger fragt sich das jetzt; nicht erst, wenn demnächst die Aufschrift „gepflegt mit Kolontarschlamm“ aufgedruckt wird. Er sorgt sich zunehmend, über solch wichtige Themen wie eben der Nahrungsmittelreinheit, aber auch der Finanzen, Renten, Gesundheit usw., die in absehbarer Zukunft nur mehr in Brüssel entschieden werden und der Einfluss des Wählers dahin schmilzt. Er sorgt sich um ein Grundgesetz, das Gefahr läuft, in unmittelbarer Zukunft verfassungswidrig ausgehebelt zu werden, von Volksvertretern, die die Interessen ihrer Wähler zugunsten einer Vision unverhältnismäßig weit hintanstellen.“

Ich wollte die Maske nicht annehmen. Hatte sie mein Gegenüber doch weit mehr verdient und bisher mit Würde getragen. Er jedoch winkte ab:

„Ach wissen Sie, jahrzehntelang amüsierte ich mich, wenn Politiker, die nichts mehr zu sagen hatten, nie was Wichtiges zu sagen hatten, nichts mehr sagen wollten oder einem Hoffnungsträger Platz machen mussten, mangels anderer Eignung nach Brüssel hinweg gelobt wurden; Brüssel schien weit, die dortigen Amtsmissbrauchs- und Verschwendungsfälle erschienen unwichtig. Ich lachte, bis mir dieses Lachen im Halse stecken blieb: Sieht es doch ganz danach aus, als läge unsere Zukunft in den Händen eben dieser Unfähigen. Als Bürger habe ich mich selbst entmündigt!“

Sprach´s, und ging schleppend von dannen, auf seinem Haupt weit sichtbar die Verkleidung seiner Wahl: Die Narrenkappe.

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