Donnerstag , 8 Dezember 2022
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US-Soldaten bitten Iraker um Entschuldigung

us-soldat_mit_kindDas kürzlich durch Wikileaks veröffentlichte Video, das einen Einsatz der US-Armee in einem Wohnviertel von Bagdad zeigt, bei dem mehrere Zivilisten, unter ihnen zwei Reuters-Journalisten, von einem Militärhubschrauber aus erschossen wurden, sorgte wenige Tage für Aufregung in den Medien. Während die gezeigten Aktionen von offizieller amerikanischer Seite als durchaus regulär eingestuft werden, melden sich nun ehemalige US-Militärangehörige zu Wort. Josh Stieber verdeutlicht die Situation in mehreren Interviews. Zusammen mit Ethan McCord, der direkt an diesem Einsatz beteiligt war, verfasste er einen offenen Brief, in dem sich beide beim irakischen Volk entschuldigen.

Josh Stieber war von Februar 2007 bis April 2008 in Irak stationiert. In einem Gespräch mit Scott Horton erklärt er die näheren Zusammenhänge des Einsatzes. Der Apache-Hubschrauber, von dem aus die Aufnahmen gefilmt wurden, hatte zur Aufgabe, den Einsatz von Bodentruppen zu unterstützen und zu sichern. Dabei drangen Soldaten in Privathäuser ein, um diese nach Waffen zu durchsuchen. An dieser Stelle sei bemerkt, dass privater Waffenbesitz im Irak, zum Schutz von Haus und Familie, unter Diktator Saddam Hussein völlig legal und durchaus üblich war. In diesem Interview drückt Stieber, der nach seinen Erfahrungen zum engagierten Kriegsgegner wurde, gewisses Verständnis für die Aktionen der beteiligten Soldaten aus.

Junge Menschen, teils aus finanzieller Not, seltener aus falsch verstandenem Patriotismus, verpflichten sich in den Armeedienst, ohne dabei zu bedenken, was letztendlich auf sie zukommt. Werden sie vom Einsatz wieder heimkehren? Wenn ja, in welchem Zustand? Eine nicht unbedeutende Zahl von Irak-Veteranen lebt mit bleibenden Schäden, als Krüppel, psychisch beeinträchtigt bis hin zu andauernden Psychosezuständen, für den Rest ihres Lebens. Ständig mit der Gefahr von Angriffen aus dem Hinterhalt, mit Bombenanschlägen, konfrontiert, ist ihr Alltag von Stress und Angst geprägt.

Das Töten von Menschen wird zur Gewohnheit. Wie, diese natürliche psychologische Barriere überwinden? Feindliche Uniformen gibt es im Irak schon seit Jahren mehr zu sehen. Die irakische Armee wurde in wenigen Monaten geschlagen. Jeder Landesbewohner wird zum potentiellen Feind, zum „Hadschi“. Und somit wird zuerst geschossen – und erst danach gefragt.

Die Besatzung des Hubschraubers befand sich nicht in Gefahr. Dafür aber ihre Kameraden am Boden, nur wenige Häuserblöcke entfernt. Stieber kritisiert nicht die Fehler der, sich in permanenter Stress-Situation befindlichen, Soldaten. Er kritisiert den Irak-Krieg als ganzes.

 

Den offenen Brief der „Aussöhnung und Verantwortung an das irakische Volk“ beginnen die beiden Unterzeichnenden, Joe Stieber und Ethan McCord, mit

Friede sei mit euch!

An all jene, die bei der Bagdad-Schießerei, im Wikileaks-Video als ‚Kollateralmord’ bezeichnet, verletzt wurden oder ihre Angehörigen verloren haben.

Wir schreiben an euch, eure Familien, eure Gemeinde, im Bewusstsein, dass unsere Worte und Handlungen niemals die Verluste ersetzen können.

Wir sind beide Soldaten, die euer Wohnviertel während 14 Monaten besetzten. Ethan McCord nahm eure Tochter und euren Sohn aus dem Fahrzeug, und während er dies tat, sah er die Gesichter seiner eigenen Kinder in der Heimat …

… Die Soldaten im Video sagen, Ihr Mann hätte die Kinder nicht mit in die Schlacht nehmen dürfen, doch wir erkennen unsere Verantwortung dafür an, dass wir die Schlacht in euer Wohnviertel und zu euren Familien gebracht haben. Wir haben euch angetan, was wir nicht wollten, dass uns angetan wird. …

… Obwohl wir viel zu oft mit kaltem Herzen gehandelt haben, haben wir unsere Taten gegen euch nicht vergessen. In unseren leidenden Herzen liegt noch immer die Hoffnung, dass wir innerhalb unseres Landes die Anerkennung eurer Menschlichkeit wieder herstellen können, die wir gelehrt wurden, abzuleugnen.

In dem Schreiben, das Sie am Ende dieses Artikels vollständig im englischen Originaltext vorfinden, geht es weiter um die Bemühungen, die gesamte Situation dieses Krieges im eigenen Land zu beleuchten, daran zu erinnern, dass der Reputationsverlust durch eine Beendigung des Krieges in keinem Verhältnis zur Tatsache der gemeinsamen Zugehörigkeit zur Menschheit steht.

Nach diesen Leiden wäre es zu viel verlangt, um Freundschaft zu bitten. Nehmt aber bitte unsere Entschuldigung an, unser Bedauern, unsere Fürsorge und unsere Bemühungen, uns von innen heraus nach außen zu ändern. Wir tun, was wir können, um uns gegen den Krieg und gegen Militärstrategien auszusprechen, verantwortlich dafür, was euch und euren Angehörigen widerfahren ist. Unsere Herzen sind offen, zu erfahren, wie wir Schritte unternehmen können, um euch in dem Leid zu unterstützen, das wir verursacht haben.

Josh Stieber gehört einer, im Jahr 2004 gegründeten, Vereinigung an, die sich „Iraq Veterans Against the War“ (Irak-Veteranen gegen den Krieg) nennt, bei deren Mitgliedern es sich ausschließlich um ehemalige und aktive Angehörige der US-Streitkräfte handelt. Die Organisation fordert den sofortigen Abzug aus Irak sowie Wiedergutmachungszahlungen, auf dass das irakische Volk wieder ein eigenständiges Leben führen und eine eigene Zukunft aufbauen kann.

Das folgende Video zeigt Josh Stieber in einem Interview mit den Sender RT:

{youtube}i1-hid8JcO0{/youtube}

 

Der Originaltext des zitierten Briefes wurde durch mehrere Webseiten, u. a. auf der des Filmemachers Michael Moore, veröffentlicht.

 

Peace be with you.

To all of those who were injured or lost loved ones during the July 2007 Baghdad shootings depicted in the „Collateral Murder“ Wikileaks video:

We write to you, your family, and your community with awareness that our words and actions can never restore your losses.

We are both soldiers who occupied your neighborhood for 14 months. Ethan McCord pulled your daughter and son from the van, and when doing so, saw the faces of his own children back home. Josh Stieber was in the same company but was not there that day, though he contributed to the your pain, and the pain of your community on many other occasions.

There is no bringing back all that was lost. What we seek is to learn from our mistakes and do everything we can to tell others of our experiences and how the people of the United States need to realize what have done and are doing to you and the people of your country. We humbly ask you what we can do to begin to repair the damage we caused.

We have been speaking to whoever will listen, telling them that what was shown in the Wikileaks video only begins to depict the suffering we have created. From our own experiences, and the experiences of other veterans we have talked to, we know that the acts depicted in this video are everyday occurrences of this war: this is the nature of how U.S.-led wars are carried out in this region.

We acknowledge our part in the deaths and injuries of your loved ones as we tell Americans what we were trained to do and carried out in the name of „god and country“. The soldier in video said that your husband shouldn’t have brought your children to battle, but we are acknowledging our responsibility for bringing the battle to your neighborhood, and to your family. We did unto you what we would not want done to us.

More and more Americans are taking responsibility for what was done in our name. Though we have acted with cold hearts far too many times, we have not forgotten our actions towards you. Our heavy hearts still hold hope that we can restore inside our country the acknowledgment of your humanity, that we were taught to deny.

Our government may ignore you, concerned more with its public image. It has also ignored many veterans who have returned physically injured or mentally troubled by what they saw and did in your country. But the time is long overdue that we say that the value of our nation’s leaders no longer represent us. Our secretary of defense may say the U.S. won’t lose its reputation over this, but we stand and say that our reputation’s importance pales in comparison to our common humanity.

With such pain, friendship might be too much to ask. Please accept our apology, our sorrow, our care, and our dedication to change from the inside out. We are doing what we can to speak out against the wars and military policies responsible for what happened to you and your loved ones. Our hearts are open to hearing how we can take any steps to support you through the pain that we have caused.

Solemnly and Sincerely,

Josh Stieber, former specialist, U.S. Army
Ethan McCord, former specialist, U.S. Army

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