Montag , 10 Dezember 2018
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Politische Drahtzieher aus dem Hintergrund

katar_scheichEs gibt viele Dinge, die zwar als bekannt gelten, doch nur all zu selten finden sie Erwähnung. Die Veränderungen im arabischen Raum bieten jedoch plötzlich neue Einblicke. Zwar tränken die Araber keineswegs ihre Kamele am Rhein, wie Nostradamus prophezeit haben soll, dafür besitzt der Emir von Katar aber einen ordentlichen Anteil an der Volkswagen AG. Und er galt als Gegenspieler Gaddafis, was sich an der Berichterstattung durch Katars Nachrichtensender Al-Jazeera auch deutlich zeigte. Während Europa an seiner Schuldenkrise zu verbluten droht, ziehen einige Individuen scheinbar unbemerkt die Fäden. Und wir unterstützen sie dabei.

Dass die wirklich reichsten, und vor allem einflussreichsten, Menschen der Welt in der Forbes-Liste der Milliardäre nicht genannt werden, ist offensichtlich. Während zu Jahresbeginn immer mehr angebliche Demokratiebestrebungen den nordafrikanischen und arabischen Raum erschütterten, kaufte sich König Abdullah von Saudi-Arabien die Treue seines Volkes durch die Verteilung von 130 Milliarden Dollar. Unter Forbes’ Milliardären taucht sein Name nicht einmal am Ende auf. Davon abgesehen, steht das saudi-arabische Königshaus der islamischen Sekte der Wahabiten vor, deren langer Arm der Salafismus sein soll mit weiteren Querverbindungen zur Islamischen Bruderschaft. Alle zusammen zeigen herzlich wenig Interesse an dem, was wir im Westen als Demokratie bezeichnen.

Und so wie Abdullah und sein Clan selten Aufmerksamkeit erregen, versteckt sich der Emir von Katar, Scheich Hamad ibn Chalifa Al Thani, meist in der anonymen Riege der „internationalen Investoren“.

Katar ist ein winziger Staat mit nicht mehr als 11.606 km² und 1,7 Millionen Einwohnern. Es fließen aber täglich 1,4 Millionen Fass Öl aus dem Boden, zuzüglich enormer Mengen an Erdgas. Nicht nur, dass Katar dadurch mit einem Pro-Kopf-BIP von $ 179.000 (zum Vergleich: Deutschland $ 35.700) an oberster Stelle thront, die Petro-Dollars werden natürlich investiert. Bei Wikipedia sind einige Beteiligungen der Qatar-Holding angeführt: 17 % bei der Volkswagen AG, 10 % bei der Porsche Automobil Holding, 6,76 % bei Barcleys, einem der mächtigsten Bankhäuser der Welt, sowie 6,17 % bei Credit Suisse.

Mit solchem Vermögen lässt sich natürlich auch Politik machen. Ein wesentlicher Schritt zur Einflussnahme ist, wie wir alle wissen, die Kontrolle über die Medien. Vor rund 15 Jahren wurde der mittlerweile äußerst populäre Sender Al-Jazeera ins Leben gerufen. Als Eigentümer wird Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani angeführt. An der Objektivität der Berichterstattung ließ sich spätestens zu dem Zeitpunkt zweifeln, als von Al-Jazeera mit ziemlicher Regelmäßigkeit Audio-Botschaften von Osama Bin Laden gesendet wurden, zu einer Zeit, als er vermutlich gar nicht mehr am Leben war, sofern wir der ermordeten pakistanischen Politikerin Benazir Bhutto mehr Glauben schenken als Barack Obama.

Für die meisten Bewohner des Westens gilt der Libyen-Konflikt als abgeschlossen. Gaddafi ist tot. Der Weg zur Demokratie steht offen. Allerdings, nicht nur, dass die libyschen Rebellen von Katar, Hand in Hand mit der NATO, massive Unterstützung erhielten, ein Prawda-Artikel verweist auf die anhaltende Förderung islamistischer Kräfte in Libyen. Der steigende Einfluss radikaler Elemente auf die Politik jener Länder, die von ihren sogenannten Diktatoren befreit wurden, hatte sich bereits bei den Wahlen in Tunesien und in Ägypten gezeigt. Passt diese Entwicklung auch nur irgendwie mit dem zusammen, was uns die westlichen Medien im Zusammenhang mit dem „Arabischen Frühling“ weismachen wollten?

Wir haben gelernt, dass wir Verbrechen gegen die Menschlichkeit „niemals vergessen“ sollten. Bei Militäraktionen sterben Menschen. Länder zu bombardieren, um die Interessen „internationaler Investoren“ zu unterstützen, auch dabei handelt es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wenn naturgemäß auch entsprechend selten, so finden sich doch gelegentlich auch in den etablierten Medien aufschlussreiche Hinweise auf tatsächliche Fakten. Vor wenigen Tagen war bei Mail-Online folgendes zu lesen:

„Manches wirkte bei unserem sogenannten Triumph in Libyen von Anfang an suspekt. Schon der Beginn, die Rechtfertigung der Mission – die Erklärung, dass wir deswegen eingriffen, um zu verhindern, dass Gaddafi-Kräfte Zivilisten töten – war grundfalsch. Wir waren dort, um die Gaddafis zu töten.“

Weiter erinnert der Artikel bei Mail-Online an die einst regen Beziehungen des Gaddafi-Clans mit einflussreichen Persönlichkeiten aus aller Welt. Auf die nahezu freundschaftlichen Kontakte mit Nicolas Sarkozy und David Cameron wird ebenso verwiesen wie auf regelmäßige Treffen mit Tony Blair, Prinz Andrew, Peter Mandelson und Nat Rothschild. Was würde der in Libyen gefangen gehaltene Saif al-Islam Gaddafi alles erzählen können, würde man ihm vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zur Rechtfertigung ziehen? Bei einem Schauprozess in Tripolis wird ihm sein Wissen über internationale Machenschaften allerdings wenig helfen. Und warum fordert die „internationale Gemeinschaft“ keine Auslieferung an Den Haag, um einen fairen Prozess zu sichern?

Wie einseitig und oberflächlich die Informationen sind, mit denen wir üblicherweise versorgt werden, daran erinnert ein Punkt, der ebenfalls im gleichen Artikel Erwähnung findet.

Mit Sicherheit sind Sie mit dem Lockerbie-Anschlag vertraut, einem Bombenanschlag auf eine amerikanische Verkehrsmaschine am 21. Dezember 1988, bei dem insgesamt 270 Menschen ums Leben kamen. Und selbstverständlich wissen Sie auch, wer dafür verantwortlich war oder gewesen sein soll. Wikipedia schreibt: „Laut Urteil schottischer Strafgerichte soll der Anschlag ein staatsterroristischer Akt libyscher Geheimdienstler gewesen sein, …“

Zwar hatte sich Gaddafi, aus Gründen der Wiederherstellung internationaler Beziehungen, bereit erklärt, die Hinterbliebenen der Opfer durch die Zahlung ansehnlicher Geldsummen zu entschädigen, eine Verantwortung für diesen Anschlag wurde von ihm jedoch zeitlebens bestritten. So erinnert Mail-Online an einen lange vergessenen Verdacht und zwar, dass der Iran hinter diesem Anschlag gesteckt haben könnte. Als Racheakt für den Abschuss einer iranischen Linienmaschine durch US-Streitkräfte!

Sie haben richtig gelesen. Am 3. Juli 1988 wurde Iran-Air-Flug 655, ein Airbus 300 mit 290 Menschen an Bord, 65 davon Kinder, vom US-Kriegsschiff „USS Vincennes“ aus abgeschossen. Die fadenscheinige Erklärung der Amerikaner lautete, dass man glaubte, dass es sich um ein Kampfflugzeug vom Typ F-14 Comcat gehandelt hatte, von dem sie sich bedroht fühlten. Weder im Jahr 1988 noch später wurde dieser brutale Gewaltakt in den Medien mit der verdienten Ausführlichkeit behandelt.

Was für ein Begriff fand im Zusammenhang mit dem Lockerbie-Anschlag, für den Libyen verantwortlich gemacht wurde, Verwendung? Staatsterrorismus!

Was für eine Zukunft schien auf uns zu warten, als vor zwei Jahrzehnten die Sowjetunion zerbrach und der Kalte Krieg endlich zu Ende war. Zwar drückte sich diese Veränderung für normale Bürger keineswegs in einer Einkommenssteigerung aus, doch zumindest die Börsen erlebten einen Höhenflug. Neuer Wirtschaftsraum, neue Konsumenten, neue Investitionen, und endlich brauchten wir vor keinem Weltkrieg mehr zu zittern.

Und was ist seit damals alles passiert? Alle westlichen Staaten, Europa ebenso wie die USA, sind hilflos überschuldet und es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Finanzsystem zusammenbrechen muss. Die Wirtschaft stagniert. Arbeitslosenzahlen steigen und die Realeinkommen sinken. Ein überaus suspekter Terroranschlag diente als Rechtfertigung, um Afghanistan zu besetzen, und kurze Zeit später auch den Irak. Niemals wurden die wirtschaftlichen Gründe beleuchtet. Hunderttausende von Menschen wurden getötet, angeblich, um sie zu befreien. Brutale Einzelheiten, wie etwas das Video „Collateral Murder“, das dank Wikileaks an die Öffentlichkeit gelangte, erregten zwar kurz die Gemüter, doch auch das scheint lange wieder vergessen. Westliche Länder unterstützen Revolten im arabischen Raum. Während sich in Tunesien und in Ägypten wirklich die Massen erhoben, stand die Mehrheit Libyens zweifellos hinter Gaddafi. Doch nach rund 10.000 Luftangriffen durch die NATO fiel das Land den Rebellen in die Hände, die von Anfang an von der „internationalen Gemeinschaft“ unterstützt wurden. Zusammen mit Katar. Wessen Interessen werden hier bitte vertreten? Nicht die Interessen des Volkes. Weder in Libyen noch irgendwo anders auf der Welt. Und schon gar nicht in unseren Landen.

Es mag verwunderlich wirken, alte Geschichten immer wieder neu aufzurollen. Der Anschlag auf die iranische Linienmaschine liegt schließlich 23 Jahre zurück. Über Gaddafi und die tatsächliche Situation in Libyen wurde auf The Intelligence schon während des ganzen Jahres regelmäßig berichtet. Doch gleichzeitig ist es erschreckend, wie gering die Zahl jener Menschen ist, die diesen überaus bedeutungsvollen Vorfällen die verdiente Aufmerksamkeit schenken. Nicht nur, dass es dieses „staatsterroristischen Aktes“ wegen, dem Abschuss einer Liniemaschine durch US-Streitkräfte, niemals Konsequenzen gab, warum sind es so wenige Leute, die überhaupt jemals davon gehört haben? Warum wird die Frage, wessen Interessen durch die Bombenangriffe auf Libyen wirklich unterstützt werden, so selten gestellt? Und wie ist es möglich, dass „internationale Investoren“, deren Namen wir kaum jemals zu hören bekommen, ungeahnte Vermögen anhäufen, während wir darum kämpfen, die Zinsen für unsere Schulden zu begleichen? Ist es wirklich so schwer, hier die Zusammenhänge zu erkennen? Scheinbar doch. Und deswegen ist es unumgänglich, die markantesten Ereignisse immer wieder neu aufzurollen. Schließlich sollte jeder von uns begreifen, was mit unserer Welt gerade passiert.

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