Samstag , 24 August 2019
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Godfrey Bloom – Und wer fordert seinen Rücktritt?

godfrey_bloomEin Mann weißer Hautfarbe, christlicher Wurzeln und heterosexueller Orientierung bietet bereits eine ganze Menge Angriffspunkte. Stammt dieser Mann noch dazu aus Deutschland, lassen sich weitere anhaltlose Beschuldigungen vorbringen, wie sich am Beispiel des EU-Politikers Martin Schulz wieder einmal unter Beweis gestellt hat. Godfrey Bloom versuchte, Schulz’ Rede durch unentschuldbare Nazi-Vorwürfe zu entkräften. Zwar erschallten sofort schwere Proteste, Bloom verlies vorübergehend den Saal, doch wo bleiben die Konsequenzen?

Es gibt völlig haltlose Vorwürfe gegen die sich – vielleicht gerade wegen dieser Haltlosigkeit – kaum wirksame Verteidigungsmöglichkeiten bieten. Wie würden Sie reagieren, wenn Sie jemand sogenannter „Homophobie“ bezichtigt? Versuchen Sie zu erklären, dass es Sie nicht interessiert, was andere Männer in ihren Schlafzimmern tun, käme das schon fast einem Schuldgeständnis gleich. Hier müssten Sie schon tiefe Sympathien für sexuell anders Orientierte glaubhaft machen, am besten, durch Nennung Ihres gleichgeschlechtlichen Sexualpartners. Wirft Ihnen jemand Sexismus vor, dann lassen Sie am besten Ihre Frau umgehend und eidesstattlich erklären, dass Sie nicht nur Tellerspülen und den Staubsauger bedienen, sondern auch ihre Blusen waschen und bügeln. Wie widerlegen Sie Vorwürfe, rassistisch eingestellt zu sein?

Wie wären, um einen Vergleich anzustellen, die Reaktionen, würde jemand einem Schwarzafrikaner vorwerfen, Weißen gegenüber feindselig gesinnt zu sein, Frauen, dass sie Männer kritisieren, Homosexuellen, dass sie sich über herkömmliches Liebesleben lustig machen?

Martin Schulz (SPD), Jahrgang 1955, seit 1994 Mitglied des EU-Parlaments, hielt am Mittwoch eine Rede über die Zukunft der Europäischen Union. Plötzlich wurde er vom britischen Abgeordneten Godfrey Bloom mit folgenden Worten, auf deutsch ausgesprochen, unterbrochen: „Ein Volk, ein Reich, ein Führer!“ Die überwiegende Mehrheit der Anwesenden protestierte. Bloom wurde zu einer Entschuldigung aufgefordert, der dieser jedoch nicht nachkam, sondern Schulz dann noch einmal einen „undemokratischen Faschisten“ nannte.

Martin Schulz ist sozialistischer Politiker und nicht eine einzige Äußerung oder Handlung ist von ihm bekannt, die auch nur irgendwie als rechtsorientiert ausgelegt werden könnte. Trotzdem finden sich einige Zeitungen, die sonderbare Formulierungen wählen. So steht in der heutigen Online-Ausgabe des Spiegel folgendes: „Ziel der Attacke war erneut der deutsche SPD-Politiker Martin Schulz. Ihn traf schon einmal eine Nazi-Beschimpfung durch Silvio Berlusconi.“ Wie lässt sich das verstehen, wenn jemand zum zweiten Mal beschuldigt wird? Berlusconi, dessen sonderbarer Humor weitgehend bekannt ist, hatte nach seinem Vorschlag, Schulz solle die Rolle eines Kapos in einem KZ-Film spielen, sofort als eindeutigen Scherz erklärt. Dieser Vorfall ereignete sich vor sieben Jahren.

Gewiss, im gleichen Artikel, so wie in den anderen Medien, die über diesen Vorfall berichten, wird auch deutlich erklärt, dass sich die überwiegende Mehrheit der Anwesenden gegen Bloom stellte, dass er zu der nichtgegebenen Entschuldigung und zum Verlassen des Saals aufgefordert wurde. Doch damit scheint die Geschichte auch wieder zu Ende zu sein.

Mit entsprechender Zurückhaltung wird in einigen Zeitungen darüber berichtet. Wie wären jedoch die Reaktionen, weltweit, hätte es jemand gewagt, Godfrey Blooms Familiennamen ins Spiel zu bringen so wie dieser Schulz’ deutsche Herkunft? Die Rede eines deutschen Politikers vor dem EU-Parlament durch eine Nazi-Parole zu unterbrechen, was auf deutschem Boden sogar zu rechtlichen Konsequenzen im Sinne von Wiederbetätigung führen könnte, wäre bereits ein unentschuldbares Verhalten. Doch diesen dann noch dazu als „undemokratischen Faschisten“ zu bezichtigen, sollte eigentlich das Fass zum Überlaufen bringen. Doch wo sind die lauten Forderungen nach einer öffentlichen Entschuldigung? Wo bleiben die Forderungen nach einem Rücktritt?

Nehmen wir als eines von unzähligen Beispielen einen, vielleicht nicht wirklich passenden, Scherz bei einer Unterhaltungsveranstaltung. Welch massive Reaktionen rief Michael Lerchenbergs Vergleich mit stacheldraht-umzäunten Lagern in seiner „Fastenspredigt“ nach sich? Und ein EU-Politiker darf einen Deutschen, der noch dazu zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs zur Welt kam, völlig unberechtigt und trotzdem ohne Konsequenzen als „undemokratischen Faschisten“ bezeichnen? Und das in einem Parlament, in dem über die Zukunft unseres Europas entschieden wird. Dass Mr. Bloom über genügend Charakterstärke verfügen könnte, seinen Rücktritt freiwillig anzubieten, wäre wohl zu bezweifeln.

Das folgende Video zeigt den Vorfall vom Mittwoch, im EU-Parlament in Brüssel:

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