Montag , 8 August 2022
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9/11 – Lasst uns „aller“ Opfer gedenken

grabsteineTerry Jones verbrannte keine Bücher. Er reiste nach New York wo alljährlich Gedenkfeierlichkeiten für die Opfer des Terroranschlages vom 11. September 2001 abgehalten werden. Die offizielle Zahl derer, die bei den Anschlägen ums Leben gekommen sind, die 19 vermuteten Terroristen an Bord der Flugzeuge eingeschlossen, beträgt 2.996. Und wie viele Menschen haben seit damals, als direkte Folge dieser tragischen Vorfälle, ihr Leben verloren? Exakte Zahlen sind, aufgrund völlig verwirrter Angaben zu den Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung, nicht bekannt. Doch eines steht fest: Auch die 47, in Afghanistan gefallenen, deutschen Soldaten zählen zu den Opfern von 9/11.

Nachdem der serbische Anarchist, Gavrilo Princip, am 28. Juni des Jahres 1914 den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo ermordet hatte, soll er die vorwurfsvolle Frage: „Was hast du getan?“, mit den Worten: „Ich habe einen Mann getötet!“, beantwortet haben. Einen? Es waren 16 Millionen, die Opfer des, daraufhin ausgebrochenen Ersten Weltkrieges berücksichtigend.

Ungeachtet der Ausführenden, der Drahtzieher und Hintermänner und deren Absichten, am 11. September 2001 starben knapp 3.000 Menschen in direktem Zusammenhang mit den Terroranschlägen. Kurz darauf fielen US- und NATO-Truppen in Afghanistan ein. Rund 2.000 Soldaten dieser Armeen, darunter 47 Deutsche, verloren ihr Leben. Die Zahl der Toten in den Reihen der offiziellen, mit den Besatzern verbündeten, afghanischen Armee, werden auf knapp 6.000 geschätzt. Die Opfer unter den Taliban- und Widerstandskämpfern werden mit mehr als 30.000 angegeben. Und dazu kommen die Opfer unter den Zivilisten. Es scheint als würde sich niemand die Mühe machen, diese wirklich zu zählen. Bei Wikipedia werden sie auf zwischen 14.000 und 34.000 geschätzt.

Wäre der Krieg gegen den Irak ohne 9/11 denkbar gewesen? Vielleicht, denn schließlich gilt es als bewiesen, dass dieses Land über keinerlei Massenvernichtungswaffen verfügte. Es gilt als erwiesen, dass die Regierung unter Saddam Hussein in keiner Verbindung mit den Anschlägen stand. Trotzdem, der amerikanischen Öffentlichkeit wurde dieser Krieg durchaus in Zusammenhang mit der Tragödie vom 11. September präsentiert. Mehr als 4.400 junge US-Soldaten ließen ihr Leben. Dazu kommen mehr als 1.300 tote Söldner, verharmlosend als Vertragsbedienstete bezeichnet. Rund 10.000 irakische Soldaten fielen der Verteidigung ihres Landes zum Opfer. Und wie viele Zivilisten?

Erscheint die breite Kluft in der Schätzung der afghanischen Todesopfer unter der Zivilbevölkerung bereits als unverständlich, so zeigt sich eine solche im Irak noch wesentlich deutlicher. Die Zahlen schwanken zwischen 100.000 und einer Million. Die höchsten Zahlen entstammen Umfrageergebnissen bezüglich der Todesopfer innerhalb einer repräsentativen Anzahl von Haushalten, die landesweit hochgerechnet wurden.

Gedenken wir der Opfer, so sollte es nicht wirklich eine Rolle spielen, ob ihre Zahl „bloß“ 200.000 oder doch über eine Million beträgt. Und wie viele Menschen wurden verwundet, leben als Krüppel, leiden unter den langfristigen Auswirkungen zweifelhafter Kampfstoffe? Wie viele Menschen, ungeachtet auf welcher Seite sie stehen, werden den Rest ihres Lebens mit den psychischen Auswirkungen des Krieges zu kämpfen haben?

Wir haben gelernt, Menschen jeder Rasse, jeder Nationalität, jeder Kultur und jeder Religion zu respektieren. Wir kommunizieren regelmäßig rund um den Erdball. Und wir sehen stillschweigend mit an, wie jeden Tag Menschen leiden und sterben, in zwei Kriegen, deren Rechtmäßigkeit – sofern dieser Begriff im Zusammenhang mit der gesteuerten Massenvernichtung überhaupt verwendbar ist – mehr als nur angezweifelt werden kann. Wir können den Betroffenen nicht mehr helfen. Wie die völlig ignorierten weltweiten Massendemonstrationen gegen den Irak-Krieg bewiesen haben, wird es uns auch kaum gelingen, Einfluss auf zukünftige Entwicklungen zu nehmen. Doch, wenn wir jener Opfer gedenken, die am 11. September 2001 vom Schicksal dazu bestimmt waren, ihr Leben aufgrund eines Terroranschlages zu verlieren, so sollten wir auch die Menschen nicht vergessen, die in den folgenden Jahren, in wesentlich größerer Zahl, zu Opfern wurden.

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