Samstag , 7 Dezember 2019
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Was ist aus dieser Welt nur geworden?

father_son_beachSo Mancher mag die Veränderungen, die in unserer Gesellschaft vor sich gehen, als Verbesserungen betrachten, als durch Evolution bedingt. Eigene Erfahrungen aus der Vergangenheit beginnen zu verblassen. Die Geschichte schwebt wie ein verzerrter Schatten über der Gegenwart, missverstanden, unvollständig, falsch interpretiert. Das einst für unlösbar geglaubte Gefügte zwischen Mensch und Natur existiert nur mehr in der Vorstellung von Idealisten, von Außenseitern. Bereitwillig haben Männer ihre Männlichkeit aufgegeben und Frauen ihre Weiblichkeit. Traditionelles Gedankengut wird verspottet, Weisheit ignoriert. Tempora mutantur! Doch nicht die Zeiten ändern sich, es sind die Menschen.

Ist eine Meinung erst einmal gefasst, was müsste wohl geschehen, um diese zu revidieren? Wie durch ein Vakuum angezogen, wird jede Bestätigung, auch wenn sie oft der Logik widerspricht, den bereits bestehenden Ansichten hinzugefügt, während sich der Geist gegen jede Korrektur verschließt. Wie grauenhaft muss das Dasein vor wenigen Jahrzehnten noch gewesen sein, wenn all das, was das moderne Leben bestimmt, für gut befunden wird? Für wie dumm halten wir die Menschen der Vergangenheit, die es doch schafften, unter den damals gegebenen Voraussetzungen zu leben? Denker wie Goethe und Schopenhauer, Regenten wie Friedrich der Große, Alchemisten wie Paracelsus. Was sollen wir von Menschen denken, die davon träumten, Blei in Gold zu verwandeln? Von einem König, der sich selbst als Philosoph verstand? Von einem Denker, der zu Papier brachte: „Vielleicht durch Geistes Kraft und Mund, wird manche Herrlichkeit mir kund ..“ Von einer Menschheit, die ohne Elektrizität lebte, das Pferd als einziges Fortbewegungsmittel kannte, die felsenfest davon ausging, dass Schöpfung einen Schöpfer voraussetzt, kann schließlich nicht mehr erwartet werden als Irr- und Aberglaube.

Warum sollte sich jemand bemühen, Ansichten einer ausnahmslosen Verbesserung der Bedingungen des Daseins zu widerlegen? Wie leicht gerät der Kritiker neuer Ideologien in den Verdacht, er könnte ein „Ewiggestriger“ sein, auch wenn er das Vorgestern zu beleuchten versucht? Wer möchte sich mit all den Vorwürfen konfrontiert finden, sobald er die Freiheit der Neuzeit in Frage stellt?

Was für eine Freiheit? Das Recht, sein Haar grün oder orange zu färben? Das Recht, seine Mitmenschen durch unerträglichen Lärm zu quälen, dem das Prädikat „Musik“ verliehen wurde? Das Recht, der Natur widerstrebende sexuelle Abartigkeiten zu propagieren? Das Recht von Männern, Hebamme zu spielen, und das von Frauen, sich als Polizist oder Soldat zu erproben? Die Freiheit des Muselmans, sich in christlichen oder laizistischen Gesellschaften einzunisten?

Wie viele Leser halten hier bereits den Atem an? Wie kann der so etwas schreiben? Denn die Freiheit der Kritik, die ist schon lange Zweifeln unterworfen.

Sind es tatsächlich so wenige Menschen, die jede neue Entwicklung hinterfragen? Die erfolglos in all den Veränderungen nach einem Sinn suchen? Die, Vergangenheit und Gegenwart vergleichend, zur Überzeugung gelangen, dass sich Wesen, die sich selbst des Denkens für fähig erachten, von einer ideologischen Lawine mitreißen lassen?

Im Gedanken mögen es wohl viele sein. Doch wer wagt es, sich darüber zu äußern? Ja, vielleicht im engsten Freundeskreis, um letztendlich auf jede intelligente Analyse ein „ja, aber“ entgegen geworfen zu bekommen. Öffentliche Kritik an der Ideologie der Neuzeit führt mit Sicherheit jedoch zu Reaktionen, mit denen sich kein Medium, keine Zeitung, kein Fernsehsender und kein Buchverlag konfrontiert finden will. Jeder einzelne Ruf verwirrter Weltverbesserer, von allen möglichen Lobbys unterstützt, überschallt die schweigende Mehrheit, die gewiss auch heute noch Zweifel am Sinn des modernen Zeitgeists hegt.

Schenken wir der Evolutionstheorie Glauben, die es in Teilbereichen durchaus verdient, ernst genommen werden, so war es das Gruppenverhalten unserer fernen Vorfahren, das ihnen den entscheidenden Vorteil im Überlebenskampf sicherte. Während es einem einzelnen Exemplar der Spezies Homo Sapiens kaum gelingen konnte, sich gegen Angriffe wilder Bestien zur Wehr zu setzen, führte das Zusammenspiel von Intelligenz und Zusammengehörigkeit zu Stabilität und beschränktem Komfort innerhalb der Gemeinschaft. Die koordinierte Jagd, die selbst tonnenschwere Mammuts zur Beute werden ließ, sorgte für ausreichende Mengen an Nahrungsmitteln. Der Ackerbau, das gemeinsame Bearbeiten der Felder, brachte den nächsten großen Erfolg am Weg zur Zivilisation. Was immer wir über das Leben in der Steinzeit wissen und zu wissen glauben, verweist ausnahmslos auf Harmonie innerhalb der Sippe und der Dorfgemeinschaft.

Was ist aus dieser Harmonie geworden? Ein Gezänk um Nichtigkeiten. Das Leben in der Gemeinschaft, vom Familienverband bis hin zum Staatsgefüge, wird auf allen Ebenen von wirtschaftlichen Interessen geprägt und dominiert. Es geht darum, Geld zu verdienen. Auf allen Ebenen herrscht Wettbewerb, dem auch die breite Masse der Arbeitnehmer unterworfen ist. Wenn ich den schlecht bezahlten Job nicht annehme, der nächste Bewerber wird es tun.

Am Rande schwingt die Hoffnung mit, eines Tages vielleicht doch noch reich zu sein. Und in der Zwischenzeit kämpfen wir weiter gegeneinander um die Krümel, die vom großen Kuchen noch übrig bleiben.

Die Familie sei die Keimzelle des Staates, hieß es einst. Familie bedeutete Sicherheit und Geborgenheit. Neben Eltern und Kindern gibt es Brüder und Schwestern, Onkeln und Tanten, Vettern und Basen. Und jeder von denen hat seine Freunde. Jeder Freund hat seine eigene Familie. Es handelt sich um ein Netzwerk persönlicher Kontakte.

Was solche Kontakte heutzutage noch mit sich bringen, dazu verfügt jeder über seine eigenen Erfahrungen. In manchen Fällen sicher Gutes. Doch heute noch von einem sozialen Gefüge zu sprechen, das wäre wohl bei weitem übertrieben.

Waren Menschen vor der Gründung von Versicherungsgesellschaften, vor der Einführung sogenannter sozialer Errungenschaften gegen Ende des 19. Jahrhunderts, wirklich hilflos auf sich selbst gestellt? Oder sollten wir nicht eher davon ausgehen, dass sich Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn – zumindest in den meisten Fällen – gegenseitig unterstützten?

„Wer will denn das?“, mögen begeisterte Befürworter der neuzeitlichen Ideologie von sich geben. Wer will denn von seiner Familie oder anderen Menschen abhängig sein? Die Abhängigkeit vom Staat, der sich von seiner Aufgabe, die Bürger zu vereinen, in ein Instrument des Großkapitals verwandelte, scheint angenehmer. Mitgefühl, gegenseitiges Verständnis ebenso wie Respekt, das Unterstützen nahestehender Menschen, all dies wurde durch zentral gesteuerte Organisation verdrängt. Weil es die Menschen so wollen, mag man glauben. Weil es vor allem in der Großstadt nicht anders ginge. Weil dies der einzige Weg sei, sich vor Schmarotzern zu schützen.

Die Anonymität des Großstadtlebens trägt mit Sicherheit das ihre dazu bei. Das Wecken wirrer Ideale, für die ältere Generationen kaum Verständnis aufbringen können, leistet ebenso seinen Beitrag. Über die Gründe ließe sich lange philosophieren. Das Resultat steht jedoch fest: Beim Gefühl der Zusammengehörigkeit handelt es sich um ein Relikt der Vergangenheit.

Für jede einzelne Veränderung, mit der wir während der vergangenen Jahrzehnte beglückt wurden, bieten sich scheinbar überzeugende Erklärungen an, etwa, dass es sich um die Befreiung aus einer angeblich unerträglich Situation handle. Nicht den unzähligen Ehepaaren der Vergangenheit, die harmonisch ihr ganzes Leben miteinander verbrachten, wird Beachtung geschenkt, sondern den Einzelfällen trinkender und prügelnder Väter. Kinder, die schon im Alter von ein oder zwei Jahren in Heimstätten erzogen werden, wird jede Möglichkeit einer Bindung zur Familie genommen. In den wenigen Stunden, die vielleicht noch gemeinsam verbracht werden, läuft der Fernseher, wenn sich der Nachwuchs nicht ohnehin durch Computerspiele das Gehirn erweichen lässt, was offensichtlich sogar noch zielführender ist als der Einfluss neuzeitlicher TV-Programme.

Wann haben wir zum letzten Mal einem nahestehenden Menschen mit Freuden geholfen? Wie viele Menschen sind es noch, die wir als nahestehend bezeichnen würden? Sind die Slogans: „Aber er ist doch selbst schuld“, und: „Das hätte er sich früher überlegen müssen“, oder: „Uns hat ja auch niemand geholfen“, nicht zum Standard geworden?

Doch der gesäte Twist reicht weit über die wirtschaftliche Situation des Einzelnen hinaus. Wie viele Themen stehen zur Verfügung, durch welche die Meinungen unveränderlich gespalten sind? Ist es wirklich statthaft, der Natur widersprechende Sexualpraktiken zu propagieren? Warum nicht, könnte die sofortige Gegenfrage lauten. Gibt es Unterschiede im Denken von Frauen und Männern, was sich durch die stärkeren Verbindungen der beiden Gehirnhälften bei Frauen sogar belegen ließe? Nein, das kann und darf nicht sein! Wer sich gegen einen afrikanischen Kokainhändler äußert, gilt als Rassist. Wer ein Minarett neben dem Kirchturm ablehnt, ist islamophob. Wer ein in der Geschichte noch nie da gewesenes Steuersystem kritisiert, ist unsozial. Wer sich gegen den brutalen Angriff auf Irak oder auch Libyen äußert, ergreift Partei für Diktatoren. Und die Beispiele wären damit noch lange nicht zu Ende. Somit bleibt wenig Spielraum für die Gemeinsamkeiten, die Mitmenschen eigentlich verbinden sollten. Rücksichtnahme und Anpassung erfordern jedoch Gegenseitigkeit. Neue Ideologien werden verbreitet und als einziges Ziel, das es zu verfolgen gilt, erscheint die Vereinheitlichung der Betrachtungsweise. Sollten Frauen nicht das Recht haben, sich weiterhin als Frauen zu fühlen und Männer als Männer? Warum muss alles immer restlos gleichgeschaltet werden?

Isolierte Menschen verfallen in Depressionen und es wird ihnen eingeredet, es handle sich um eine Krankheit, für die es Pillen gäbe. Kritiker werden zu Versagern erklärt, die ja nur deswegen etwas am System auszusetzen hätten, weil ihnen selbst der Durchbruch nicht gelungen ist. Anerkannten Persönlichkeiten wird nur solange Gehör geschenkt, solange sie sich den Erwartungen entsprechend äußern. Wehe dem, der eine unpopuläre Meinung von sich gibt. „Unglaublich! So etwas hätte ich mir von diesem Mann nie erwartet!“ Das Denken überlassen wir ohnehin schon lange den Experten, die im Sinne ihrer Auftraggeber handeln und durch unfreie Journalisten begeistert unterstützt werden.

Wer unternimmt überhaupt noch einen Versuch, einfach Mensch zu sein? Wer genießt dieses wunderbare Erlebnis, Anderen zu helfen oder gar mit ihnen zu teilen? Wer bringt seinem Partner noch genügend Respekt entgegen, um auch für die gelegentliche schlechte Laune Verständnis aufzubringen, anstatt einen heftigen Streit vom Zaun zu brechen? Wo findet sich noch ein gemeinsames Ziel, das die Bürger vereinigt, sie am selben Strang ziehen lässt, sie in der Gemeinschaft stark macht, um sich gegen die Ausbeutung durch ein System zu erwehren?

In Amerika gibt es zwei Tabus, über die es nicht erwünscht ist, weder im Freundeskreis noch im Pub, zu diskutieren: Politik und Religion. Nicht ganz unberechtigt sind diese Tabus entstanden, denn beide Themen führen ohnehin nur zu endlosen Diskussionen, in denen alle Beteiligten lediglich ihre eigene Meinung unterbreiten, ohne dem Standpunkt des Anderen auch nur die geringste Bedeutung zuzumessen. Und wie so vieles aus Amerika, verbreitet sich auch diese Gepflogenheit langsam aber sicher über den Rest der westlich orientierten Welt.

Nicht, dass es in einem Land mit mehr als 300 Millionen Einwohnern nicht auch Ausnahmen gibt. Doch, worüber wird im allgemeinen, vor allem in den Großstädten, noch geredet? Gelegentlich über den eigenen Beruf, sofern es Erfolge zu berichten gibt. Meistens über Sport. Denn ein Home-Run auf dem Baseball-Feld ist doch allemal interessanter als die Zusammensetzung unseres sozialen Gefüges. Die Bahnen für unser Leben sind vorgegeben. Und jeder Versuch, diese im Interesse des Volkes zu verändern, scheitert meist schon daran, dass sich dieses ohnehin nicht einig wird. Ist es schon schwer genug, die Harmonie innerhalb des engsten Familienverbandes zu erhalten, wie sollte eine ganze Gesellschaft ein einheitliches Ziel finden?

Und wenn immer der Anschein entsteht, dass sich eine große Zahl von Menschen in diesem oder jenem Punkt doch völlig einig ist, dann – und selbst das werden viele noch bestreiten – liegt es fast ausschließlich daran, dass exakt die selbe Ansicht von den Medien immer und immer wieder präsentiert wird, ohne jegliche anderwärtige Darstellung zuzulassen. Und am Ende ist jeder überzeugt, dass es sich bei seiner Meinung um das Produkt seiner eigenen Überlegungen handelt. Was könnte man dem noch hinzufügen? Hauptsache, die Leute sind glücklich und zufrieden.

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