Mittwoch , 19 Februar 2020
Startseite » Gesellschaft » Zeitgeist » Auch wenn es weh tut – Selbstversuch Dschungelcamp

Auch wenn es weh tut – Selbstversuch Dschungelcamp

dschungelcamp_brueckeDie besten Ideen kommen bekanntlich unter der Dusche, daher bin ich mir nicht sicher wie es sich verhält, wenn einem am Frühstückstisch ein Gedanke kommt, der sich nicht in Windeseile wieder verflüchtigt. Beim morgendlichen Blick ins Weltgeschehen war nämlich zu lesen, wer sich nun endgültig für das RTL-Dschungelcamp qualifiziert hat und plötzlich kam der Abenteurer in mir durch der lauthals zu schreien begann: „Ich bin kein Star, aber ich schau‘s “. Sehr verwegen und todesmutig obendrein, wie ich finde. Der Beginn eines gnadenlosen Selbstversuches mit fraglichem Ausgang.

Zunächst einmal lege ich ausgesprochenen Wert darauf, dass ich nicht via Webseite des ausstrahlenden Senders auf die Personalinformation gestoßen bin, wer am morgigen Freitag, gegen Bezahlung eines vermutlich nicht geringen Anteils an den real existierenden Schulden, in den australischen Dschungel rennt um sich quotenträchtig zu blamieren. Selbigen – also den Sender, nicht den Dschungel – ignoriere ich seit nunmehr vielen Monden komplett und habe ihn deswegen kürzlich auf der Fernbedienung an einen 3-stelligen Programmplatz verbannt, direkt neben Sat1 und den Rest der üblichen Verdächtigen. Zudem darf ich mit Stolz behaupten von zumindest den letzten beiden Staffeln in Addition nicht mehr als 30 Minuten gesehen zu haben. Ich gehe also soweit unbelastet in dieses Experiment, kenne allerdings die gröbsten „Spielregeln“ und die Location.

Das muss auch reichen, denn ich möchte in den kommenden 15 Tagen, täglich und so neutral wie nur irgend möglich, über dieses offenbar alles andere in den Schatten stellende Ereignis berichten. OK jetzt haben sie mich ertappt, das war natürlich ein Scherz, die Neutralität überlasse ich der Schweiz, aber damit niemand unserer Leser sich selbst vor den Fernseher bemühen muss, werden zumindest die wichtigsten Fakten aus Sicht eines fairen Beobachters einen kleinen Teil des Berichtes einnehmen. Also wer die Dschungelprüfung erledigen darf, wer rausgewählt wird und wer in den Wald kackt oder von einer Schlange gebissen wird.

Warum ich das mache? Um ehrlich zu sein gibt es mehrere Gründe:

Zunächst interessiert es mich wirklich, wie man sich nach mehr als zwei Wochen täglicher Privatsender-Berieselung inkl. der dort kredenzten Werbeblöcke fühlt, daher wird auch täglich ein Update über mein persönliches Befinden zu lesen sein. Des Weiteren bin ich neugierig in wie weit sich – auf The Intelligence sonst nicht anzutreffende – Suchbegriffe wie „RTL“, „Dschungelcamp“, „Dschungelkönig“, „Fernsehshow“ etc. auf die Treffer bei Google auswirken.

Und last but not least muss man auch mal dahin gehen wo es weh tut. Als Journalist hat man schließlich eine gewisse Verantwortung für seine Leser und ich hoffe sehr, dass durch mein aufopferungsvolles Engagement zumindest der eine oder andere auf die tägliche, einstündige Sendung um 22:5 Uhr verzichtet, ohne dabei zu riskieren sich ins kantinengesellschaftliche Abseits drängen zu lassen. Ich spare meinen Lesern also Lebenszeit, die jeweiligen Artikel werden nicht mehr als fünf Minuten Lesezeit beanspruchen, versprochen. Nach Adam Riese ergibt das einen Netto-Lebenszeitgewinn von 55 Minuten pro Tag, pro Person. Weitere Berechnungen liefere ich gerne auf Anfrage.

Das schaut doch eh keine Sau!

Laut Aussage der meisten Personen mit denen ich in den vergangenen Tagen gesprochen habe wird zwar sowieso niemand auch nur einen Blick in den Dschungel werfen, aber ich vermute dabei verhält es sich wie bei den 90% der Menschen, die man ja auch niemals bei McDonalds trifft. Was hinter verschlossenen Wohnzimmertüren in Deutschland passiert soll aber hier nicht das Thema sein. Ich liefere nur die Ausrede für all diejenigen, die trotz Nichtgucken in der Mittagspause mitreden wollen.

Im Gegensatz zur Bundesregierung und ihrem Afghanistan-Mandat habe ich mir allerdings eine ganz klare Abzugs-Strategie festgelegt, die durch meine Frau überwacht wird:

1. Sollten während der 15-tägigen Dauer dieses Experimentes körperliche oder geistige Verfallserscheinungen auftreten wird das Projekt mit sofortiger Wirkung abgebrochen.

2. Sollte nach Beendigung der Staffel weiterhin ein gewisses Verlangen nach RTL-Sendungen auftreten, habe ich bereits eine Patientenverfügung unterschrieben, die eine unmittelbare Entmündigung sowie Einweisung in eine psychiatrische Klinik beinhaltet.

    Sie sehen, ich bin soweit gut vorbereitet und auch wenn mir nahestehende Personen dringend von diesem Wahnsinn abgeraten haben, werde ich alles geben um die Sache durchzuziehen. Sie als Leser werden sicherlich ihren Spaß haben.

    Zum Schluss noch eine wichtige Information: Die täglichen Updates werden jeweils zur besten Frühstückszeit erscheinen, es lohnt sich also schon morgens einen Blick auf The Intelligence zu werfen, natürlich nur wenn sie das Thema interessiert, wovon ich allerdings nicht ausgehe, oder doch?

    Check Also

    Markenvielfalt bei Netto: Der Discounter stellt aufsehenerregenden Katzen-Clip ins Netz

    -Sponsored Post- Die neue Werbekampagne des Markendiscounters Netto verbreitet sich im Internet wie ein Lauffeuer. …

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.