Dienstag , 29 September 2020
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Heilen durch Yoga

yoga_wieseJeder Mediziner kann bestätigen, dass der menschliche Körper über selbstheilende Kräfte verfügt. Wir kennen den sogenannten Placebo-Effekt, wenn nach Einnahme einer völlig wirkungslosen Substanz, allein durch den Glauben, es handle sich um Medizin, der Heilungsprozess einsetzt. Auch Hypnoseversuche demonstrieren, welchen Einfluss der Geist auf unseren physischen Körper ausüben kann. Allerdings, im Gegensatz zu den Methoden der Schuldmedizin, gibt es für erfolgreiche Heilung durch Yoga eine Grundvoraussetzung: Die Überzeugung, dass es möglich ist.

Gleich zu Anfang möchte ich vorweg nehmen: Die im folgenden beschriebene Übung entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Die Yoga-Lehre ist Jahrtausende alt. Trotz nachweislich erzielter Heilerfolge, ist es der modernen Medizin nicht möglich, auch in den positiven Fällen einen Zusammenhang zwischen der Methode und dem Resultat zu erkennen. Dementsprechend möchte ich in aller Deutlichkeit feststellen, dass bei ernst zu nehmenden Krankheiten immer ein Arzt konsultiert werden sollte. Es spricht aber mit Sicherheit nichts dagegen, die medizinische Behandlung durch Atem- und Konzentrationsübungen zu ergänzen.

Ich erinnere mich an ein kurzes Gespräch zwischen einer überzeugten Anhängerin von Naturheilmethoden und einem Arzt. Während die junge Dame voller Begeisterung von den Erfolgen ihrer Heilkräuter berichtete, bemerkte der Mediziner zynisch: „Man muss nur dran glauben!“

Mit dieser Feststellung hatte der Herr Doktor vollkommen recht. Und vermutlich wusste er auch, dass derartige Heilmethoden bei manchen Menschen tatsächlich zu Erfolgen führen. Aber eben nur, wenn einer möglichen Wirkung entsprechendes Vertrauen entgegen gebracht wird. Einerseits wird die Unverzichtbarkeit der Schuldmedizin durch diesen Umstand untermauert. Andererseits jedoch, stehen jenen Menschen, die alternativen Heilmethoden gegenüber offen eingestellt sind, sehr wohl Möglichkeiten zur Verfügung, solche erfolgreich anzuwenden.

Es gibt Yoga-Stellungen, Asanas, die sich positiv auf spezifische Probleme, z. B. im Bereich der Rückenwirbel und Bandscheiben, Rheuma, Verspannungen und einiges mehr, auswirken. In solchen Fällen bedarf es der direkten Beratung durch einen erfahrenen, verantwortungsbewussten Yoga-Lehrer. Diese Übungen müssen individuell abgestimmt werden.

Wie anfangs erwähnt, verfügt der menschliche Körper zweifelsfrei über selbstheilende Kräfte. Durch das bewusste Steuern von Prana, dieser physikalisch noch nicht nachweisbaren kosmischen Energieform, können diese Kräfte aktiviert werden.

Über einzelne Phänomene, die von der Wissenschaft als unerklärbar eingestuft werden und somit keine nähere Behandlung finden, habe ich in vorangegangenen Artikeln bereits berichtet. So ist es etwa möglich, einem Menschen, der sich im Zustand der Hypnose befindet, zu suggerieren, dass ein tatsächlich kalter Gegenstand brennend heiß ist, worauf sich nach dem Berühren eine Brandblase bildet. In tibetischen Klöstern praktizieren Mönche eine Kombination aus Atem- und Konzentrationsübungen, durch welche Körperwärme generiert wird. Die Mönche sitzen mit nacktem Oberkörper in einem Raum, dessen Temperatur nur knapp über dem Gefrierpunkt liegt. Nicht nur, dass sie nicht zu frieren scheinen, trocknen sie mit ihrer Körperwärme nasse Tücher. Ob die Geschichte, die der deutsche Mediziner Arthur Jores 1958 in Stuttgart vorgetragen haben soll, auch wirklich den Tatsachen entspricht, lässt sich leider nicht mehr nachvollziehen. Er berichtete jedenfalls von einem Mann, der für einige Stunden in einem Kühlwaggon eingeschlossen war und des Erfrierungstodes starb, obwohl die Kühlaggregate nicht eingeschaltet waren. Zweifellos überlebte Charles John Joughin, Bäcker auf der Titanic, mehrere Stunden im eiskalten Wasser. Er war so betrunken, dass ihm offensichtlich nicht bewusst war, dass er eigentlich hätte erfrieren müssen. Unser Geist ist also zu Dingen fähig, die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen eigentlich unmöglich sein sollten.

Die Yoga-Lehre geht davon aus, dass wir, parallel zu unserem physischen, über einen sogenannten astralen Körper verfügen, der sich durch die Sinne nicht wahrnehmen lässt. An der Stelle der Wirbelsäule, befindet sich im feinstofflichen Astralleib der Zentralkanal, genannt Sushumna, durch welchen die Chakras miteinander verbunden sind. Gleich den Nervensträngen, ist der Astralleib durch ein dichtes Netz von Nadis durchzogen, durch welche die kosmische Lebensenergie Prana weitergeleitet wird. Die Hauptstränge der Nadis befinden sich im Rücken, und zwar zu beiden Seiten des Zentralkanals. Der rechts gelegene, Ida, wird durch die linke Nasenöffnung mit Prana versorgt. Die Polarität ist negativ. Ida steht in Verbindung mit der Energie des Mondes und repräsentiert das Guna Tamas.

Dementsprechend wird der links von Sushumna gelegene Strang, Pingala, durch das rechte Nasenloch gespeist, ist positiv, der Sonne zugehörig und aktiviert das Guna Rajas.

Bevor Sie mit der folgenden Übung beginnen, sollten Sie sich bereits in einem entspannten Zustand befinden. Daher ist es empfehlenswert, zuerst einige der bereits in einem früheren Artikel beschriebenen Pranayams zu praktizieren.

Die folgende Atemübung besteht aus drei Teilen: Einatmen (Puraka), Anhalten (Khumbaka), Ausatmen (Recaka), und zwar in einem Verhältnis von 1 : 4 : 2. Die Atemzüge sollten keine Geräusche verursachen und auch nicht zu Atemnot führen. Erachten Sie das angegebene Verhältnis als Richtlinie. Gelingt es Ihnen nicht, den Atem lange genug anzuhalten, dann verkürzen Sie Khumbaka entsprechend. Mit der Zeit wird sich das Ratio verbessern. Gelingt es Ihnen ohne jegliche Anstrengung, die Luft länger in Ihren Lungen zu behalten, steht dem nichts im Wege. Ziehen Sie das Ausatmen nicht zu sehr in die Länge. Der folgende Atemzug sollte ruhig durchgeführt werden, also kein Ringen nach Luft. Haben Sie das Gefühl, außer Atem zu sein, unterbrechen sie für kurze Zeit und beginnen Sie von neuem.

handhaltung_pranayamasNehmen Sie eine entspannte Sitzhaltung ein. Formen Sie Ihre Hand wie auf der Abbildung dargestellt. Mit dem Daumen verschließen Sie zuerst das rechte Nasenloch. Atmen Sie durch das linke Nasenloch tief ein. Zum Bemessen der Länge, wiederholen Sie im Geist dreimal das Mantra Ohm. Stellen Sie sich gleichzeitig vor, wie die kosmische Lebensenergie Prana von der linken Nasenöffnung durch Ida, den rechts der Wirbelsäule gelegenen Nadi-Strang, bis in den unteren Rückenbereich vordringt. Während Sie den Atem nun anhalten, zählen Sie nicht zwölfmal Ohm. Dies würde zuviel Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Verbinden Sie im Gedanken jeweils drei Ohm und wiederholen es viermal (ohm-ohm-ohm – ohm-ohm-ohm, etc.). Dies erfordert praktisch keine Konzentration. Und sollten Sie sich verzählen, stellt dies überhaupt kein Problem dar.

Sammeln Sie nun alle Energie, mit der Sie gerade Ida gespeist haben, und lenken Sie diese in jenen Körperteil, der Ihnen Probleme verursacht.

Welche Art von Problemen? Wie schon erwähnt, bei akuten Erkrankungen rate ich natürlich, einen Arzt aufzusuchen. Den heilenden Kräften von Prana sind ansonsten aber keine Grenzen gesetzt.

Nehmen wir an, Sie leiden unter Magenschmerzen. Stellen Sie sich den Energiefluss so bildlich wie möglich vor. Ohne bewusster Steuerung, würde sich das eingeatmete Prana im ganzen Körper verteilen. Sie lenken es direkt in ihren Magen. Füllen Sie ihn zur Gänze aus. In Ihrem Geist könnte dabei ein Farbeindruck entstehen, meistens grün, gelegentlich auch ein blasses blau. Geben Sie sich dabei der Überzeugung hin, dass dieses Prana, mit dem Ihr Magen nun gefüllt ist, über grenzenlose Heilkräfte verfügt.

Bevor Sie ausatmen, verschließen Sie das linke Nasenloch mittels Ring- und Kleinem Finger. Sie atmen also durch die rechte Nasenöffnung aus. Stellen Sie sich dabei wiederum vor, wie alle Verunreinigungen des Magenbereiches durch die Nase austreten.

Lassen Sie ihre Finger auf dem linken Nasenflügel ruhen und atmen Sie nun in gleicher Weise durch das rechte Nasenloch ein. Nun füllt sich Pingala mit Prana, auf der linken Seite der Wirbelsäule. Wie soeben beschrieben, leiten Sie Prana wiederum in Ihren Magen, lassen es wirken, und atmen danach, durch das linke Nasenloch alle negativen Energien, durch welche die Schmerzen verursacht werden, aus.

Am besten wiederholen Sie den Vorgang jeweils dreimal durch jedes Nasenloch. Legen Sie eine kurze Pause von fünf bis zehn regulären Atemzügen ein. Danach wiederholen Sie die Übung. Insgesamt sollte Sie drei- bis fünfmal angewandt werden. Am besten, zweimal täglich.

Sollten Sie nun eine plötzliche wundersame Heilung erwarten, werden Sie vermutlich enttäuscht werden. Je nachdem, wofür Sie Linderung oder Heilung suchen, kann sich der Effekt nach etwa einer Stunde einstellen, es könnte aber auch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Somit bietet sich für den Skeptiker, der zwar einen Versuch unternimmt, aber trotzdem von der Effektivität nicht restlos überzeugt ist, die willkommene Möglichkeit, davon auszugehen, dass die Schmerzen letztendlich auch ganz von selbst verschwunden wären.

Wie erwähnt, möchte ich Sie keinesfalls davon abhalten, Medizin einzunehmen, die Ihnen Ihr Arzt verabreicht hat. Führen Sie die Übung aber trotzdem als Unterstützung durch. Mit Sicherheit wird sie die Wirkung der Medikamente nicht reduzieren. Und was am Ende zur Linderung der Beschwerden beigetragen hat, darüber dürfen Sie spekulieren. Je mehr wirklich tiefes Vertrauen Sie der Yoga-Heilmethode schenken desto rascher und effizienter wird sich der Erfolg einstellen.

Die gleiche Übung können Sie auch anwenden, um anderen Menschen zu helfen. Diesbezüglich möchte ich allerdings auf einige wesentliche Punkte verweisen. Die Person, der Sie Ihre Hilfe anbieten, sollte von der Wirksamkeit ebenso überzeugt sein wie Sie selbst. Jegliche Abneigung gegenüber natürlichen Heilmethoden blockiert den Energiefluss. Der anfänglich erwähnte Kommentar eines Arztes, dass man an diese Art der Heilkraft glauben muss, entspricht zu hundert Prozent den Tatsachen. Materialistisch eingestellte Menschen, die überzeugt sind, dass sich kranke Körper in der gleichen Art „reparieren“ lassen wie kaputte Autos, werden keiner anderen Methode als der Schuldmedizin vertrauen. Es ist ihr gutes Recht, diese Meinung beizubehalten.

Von großer Bedeutung ist auch Ihr ausgeprägter Wunsch zu helfen. Nicht der erwartete Dank, und schon gar nicht Bewunderung, sollten Ihnen in den Sinn kommen. Sie sollten ausschließlich von menschlichem Mitgefühl geleitet sein. Jene Kräfte, die sich durch Yoga aktivieren lassen, stehen in krassem Gegensatz zu menschlichen Schwächen wie Stolz und der Suche nach Anerkennung.

Je nachdem, welcher Körperteil der zu behandelten Person in Mitleidenschaft gezogen ist, sollte sich diese entspannt entweder auf den Rücken oder auf den Bauch legen. Lassen sie sie einige ruhige Atemzüge durchführen. Ihre Stimme soll ruhig und überzeugend klingen, vertrauenerweckend. Legen Sie Ihre linke Hand auf den betroffenen Körperteil und führen Sie die Atemübung in der gleichen Form durch. Dabei stellen Sie sich bildlich vor, wie das Prana aus Ihrem eigenen Rückenbereich über Ihre Hand auf die Person, der Sie zu helfen versuchen, überfließt. Während Sie ausatmen, lassen Sie die negativen Energien, durch welche die Krankheit oder die Schmerzen verursacht werden, durch Ihren eigenen Körper in Ihre Nase und von dort nach außen strömen. Und vergessen Sie niemals, dass Sie vom Erfolg restlos überzeugt sein sollten.

Sind alle Voraussetzungen gegeben, so dürfen Sie nicht überrascht sein, wenn Sie kurz nach dem Durchführen der Übung unter genau den Schmerzen zu leiden beginnen, von denen Sie die betroffene Person zu befreien versuchten. Lassen Sie sich dadurch nicht beunruhigen. Sie nehmen nicht die Krankheit in sich auf. Ihr Körper ist gesund. Sie haben lediglich zugelassen, dass die negativen Energien durch Ihren eigenen Körper strömen und finden sich deswegen mit den Symptomen konfrontiert. Sie verschwinden genauso schnell wie sie aufgetaucht sind. Ist es Ihnen gelungen, die behandelte Person von einer schmerzhaften Magenverstimmung zu befreien, kann es sogar passieren, dass Sie plötzlich unter Durchfall oder Erbrechen leiden. Doch, wie gesagt, diese Symptome sind vorübergehend und harmlos. Sollten Sie nicht bereit sein, derartige Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen, fehlt es Ihnen offensichtlich auch an der entsprechenden Bereitschaft, zu helfen.

Ebenso wie bei allen anderen Themenbereichen, die in Zusammenhang mit Yoga stehen, ist es auch in diesem Fall nicht ratsam, sich mit Skeptikern auf lange Diskussionen einzulassen. Für überzeugte Rationalisten sind all jene Vorgänge, die sich Messungen und Sinneswahrnehmungen entziehen, bestenfalls Illusionen. Nachdem wir alle, von frühester Kindheit an, unsere Vorstellungen auf sinnliche Wahrnehmungen aufgebaut haben, fällt es sogar Yoga-Interessierten oft genug schwer, vom rationalen Weltbild loszulassen. Andererseits, nachdem sich jene sonderbaren Ereignisse wie das willentliche Steuern der Körpertemperatur, spontane Heilerfolge oder auch scheinbar widersprüchliche Phänomene in der Quantenphysik, die von der Wissenschaft als unerklärlich bezeichnet werden, von der Yoga-Lehre aber durchaus erklären lassen, verdienen diese Jahrtausende alten Konzepte mit Sicherheit Respekt.

Bei der beschriebenen Technik handelt es sich um eine der effizientesten, um Heilerfolge mittels Yoga zu erzielen. Abgesehen von anderen erprobten Atem- und Konzentrationsübungen, tragen regelmäßig durchgeführte Yoga-Übungen, ebenso wie eine ausgeglichene Lebenseinstellung, zur Erhaltung der Gesundheit, zum Vorbeugen gegen Krankheiten bei. Ich hoffe jedenfalls, dass ich Ihnen auch mit diesem Artikel einige wertvolle Anregungen vermitteln konnte.

 

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