Donnerstag , 22 August 2019
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Jodeln für Alpenbewohner verboten

steirisches_alpenland_tigerenteDie Geschichte entbehrt nicht eines gewissen Unterhaltungswertes. Die verhängte Strafe hält sich auch in Grenzen. Nicht mehr als 800 Euro. Um es gleich vorweg zu nehmen, es handelt sich nicht um nächtliche Ruhestörung. Ein 63-jähriger Rentner trällerte während des Rasenmähens vor sich hin, und weil er eben Steirer ist, war es kein Marschlied, sondern ein Jodler. Das störte wiederum seine Nachbarn, die gerade ihre, für Österreicher unverständlichen, Gebete über Lautsprecher im Garten erklingen ließen. Das Grazer Bezirksgericht sprach von „Verächtlichmachung religiöser Symbole“.

Wie die österreichische Kronen-Zeitung berichtet, war Helmut G. (in der Druckausgabe vom 27. November findet sich der ausgeschriebene Familienname) an einem Freitag mit dem Mähen seines Rasens beschäftigt. Seinen eigenen Angaben zufolge, war er schlicht guter Laune und stimmte ein Lied an. Viele steirische Volkslieder gelten als sogenannte Jodler, die sich durch häufiges und schnelles Umschlagen zwischen Brust- und Falsettstimme auszeichnen. Und weil im Nachbarsgarten gerade lautstark die Stimme des Muezzins erklang, fühlten sich die nahen Bewohner nicht nur in ihrer Gebetsstunde gestört, auch glaubten sie – womöglich sogar in Unkenntnis alpenländischer Volksklänge – der rasenmähende Rentner könnte sich über sie lustig machen.

Dieser Meinung schloss sich letztendlich auch der Richter an. Obwohl Helmut G. beteuerte, dass er keineswegs versuchte, wie ein Muezzin zu klingen, wurde er wegen „Verächtlichmachung religiöser Symbole“ und „Behinderung der Religionsausübung“ zu 800 Euro Geldstrafe verurteilt. Die schriftliche Bestätigung erhielt er am vergangenen Freitag. Es bleibt zu hoffen, dass ihn der Vorfall nicht gar zu sehr schmerzt und er vielleicht zu einem Klagelied anstimmen könnte. „Wo i geh’ und steh’, tuat mia mei’ Herz so weh…“ oder so ähnlich. Der Refrain dieses Liedes artet nämlich ebenfalls in Jodeln aus. Aber vielleicht kann sich Herr G. bei seinen Nachbarn revanchieren und ihnen vorwerfen, dass sich der Muezzin über sein landesübliches, wenn auch etwas veraltetes, Jodeln lustig macht. Wer mit beiden Klängen nicht vertraut ist, könnte am Ende gar wirklich eine Ähnlichkeit entdecken.

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