Samstag , 16 Februar 2019
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Lügen haben kurze Beine und schaffen Feinde

pinocchio_briefmarkePolitiker lügen rhetorisch geschickt verpackt nicht nur einmal in ihrer Karrierelaufbahn. Das wissen wir alle, auch wenn wir oftmals gutgläubig davon ausgehen, dass solch ein Vorgehen nun mal zum berühmten „guten Ton“ dieser Berufssparte gehört. Heute möchte ich Sie allerdings nicht zum Gespräch über diesen Part des Lügens einladen, sondern vielmehr zu demjenigen, der unser aller Leben im Privaten und Beruflichen begleitet. Und Sie kennen mich inzwischen gut genug, dass ich nicht nur ein Problem mit Menschen habe, die lügen, sondern auch gleich eine bestimmte Frage an Sie stellen werde.

Wie oft haben Sie heute Ihren Partner bzw. Ihre Partnerin, die Kinder, Verwandte, Freunde, Kollegen, Vorgesetzte oder einen anderweitig flüchtig getroffenen Menschen belogen? Wir müssen uns nicht sehen, damit ich weiß, dass Sie vermutlich nun ins Grübeln kommen. Aber ich kann Sie beruhigen: Lügen ist heutzutage vollkommen normal. Männer, zum Beispiel, lügen, laut Statistik, täglich bis zu 20 Mal mehr als Frauen und der Mensch an sich rund 200 Mal am Tag. Oft sind es Notlügen, Nichtigkeiten und somit nur die Vermeidung von möglichem Ärger und Disharmonie. Nicht selten wird auch aus dem Grund gelogen, um seinen Kopf zu retten, die Ehe nicht zu gefährden oder den Job auf die Kippe der Abmahnung oder gar Kündigung zu stellen. Aber – muss das denn wirklich alles sein?

Sicher ist es der einfachste Weg einen anderen Menschen anzuschwindeln. Oft hat es ja auch sein Gutes, so etwa, wenn die Partnerin mit rund zehn Kilo Übergewicht fragt, ob sie gut aussieht, der Partner dieses bejaht, um sie nicht zu kränken. Allerdings nur, um dann bei passender Gelegenheit die Wahrheit zu sagen, dass sie eben nicht mehr so toll aussieht wie früher und ob man nicht gemeinsam dem Speck der Zeit den Kampf ansagen will. Auch die höfliche Flunkerei gegenüber einem Vorgesetzten mit einem „ich wünsche Ihnen einen schönen guten Morgen“ obwohl man ihn oder sie nicht leiden kann, hat durchaus etwas Menschliches an sich. Doch frage ich Sie, warum lügt der Mensch bei Dingen oder in Situationen, die es nicht den Dreck unter dem Fingernagel wert sind, überhaupt gelogen zu werden?

Oft habe ich es in meinem Leben am eigenen Leib erfahren können wie es ist wegen Null und Nichtigkeiten belogen zu werden. Auch bei vielen anderen mir bekannten Menschen biegen sich die sprichwörtlichen Balken unter der täglichen Lügenlast und sind für mich bei genauerer Betrachtung absolut nicht nachvollziehbar. Ehrlichkeit hat für mich selbst von jeher einen sehr hohen Stellenwert gehabt. Ich kann wunderbar damit umgehen, wenn mir jemand etwas Unangenehmes jedoch Wahres sagt. Vielleicht bin ich im ersten Moment gekränkt, enttäuscht oder wütend, aber immerhin war es dann ehrlich. Eine Lüge, die es nicht einmal wert ist überhaupt gelogen zu werden, sorgt hingegen dafür, dass ich jeglichen Kontakt mit der betreffenden Person beende. Und da ist es unwichtig, ob es ein Freund, ein Familienmitglied oder ein beruflicher Kontakt ist. Vielleicht erscheine ich bei diesem Thema ungewöhnlich hart und rigoros, aber ich selbst lüge nicht. Ja, nicht einmal ein Flunkern kann ich leiden, wenn es aus meinem Munde oder der Tastatur kommt. Glaubt fast keiner, und vermutlich Sie auch nicht, aber es ist tatsächlich so.

Lügen fliegen sowieso früher oder später auf. Der Belogene fühlt sich dann nicht nur belogen, sondern auch betrogen, besonders wenn es sich um etwas gehandelt hat, das des Lügens nicht wert war. Leider bedenken nur sehr wenige Menschen diese Tatsache und wundern sich dann, wenn sich der Belogene von ihnen abwendet. Dabei tut die Wahrheit zwar mitunter weh, aber ein Gegenüber kann gewiss besser damit umgehen als mit dem Umstand, dass er angelogen wurde und dann ins Zweifeln kommt, was denn nun zukünftig wahr und ehrlich ist oder eben nicht. Der Stachel des Zweifels sitzt tief und fest, sorgt für negative Gefühle, selbst dann, wenn keine angebracht sind, und schafft nach zu nach Feinde an allen Fronten.

Ehrlichkeit lässt sich übrigens üben, denn dafür ist es nie zu spät. Zu spät kann es allerdings sein, wenn man sich im Lügengeflecht verstrickt und sich somit das Seil des Henkers selbst unweigerlich um den Hals legt. Ist es also wirklich sinnvoll einen anderen Menschen zu belügen, um sich in einer trügerischen Harmonie und Sicherheit zu wiegen? Was meinen Sie zu unserem heutigen Thema und sind Sie so ehrlich, um zu gestehen, dass Sie auch zu den alltäglichen „Lügnern“ im kleinen und großen Stil gehören? Wenn Sie sich trauen, dann freue ich mich auf Ihre ehrliche Antworten. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine schöne folgende Woche und sage nur noch

Herzlichst Ihre Claudia

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