Freitag , 20 September 2019
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Leben auf dem Ponyhof

pony_pferdSagen Sie mal, leben Sie auch täglich auf dem Ponyhof oder bevorzugen Sie das schmerzhafte Werfen mit Wattebällchen, während Sie hinter Glas sitzen? Derartige Praktiken oder Aufenthaltsorte sind ja ganz nett, aber nicht wirklich dazu geeignet endlich Tacheles zu reden und die Gewitterfronten zu klären. Auf einem Ponyhof ist alles übersichtlich, niedlich, kuschelig und friedlich. Auch das Werfen mit harten Wattebällchen hat so etwas ganz Eigenes an sich, selbst wenn die Wirkung nur selten der Rede wert ist. Dabei gibt es mehr als genug Menschen, die sich lieber im Wolkenkuckucksheim verbarrikadieren, als auch einmal auf einen bereinigenden Konfrontationskurs zu gehen. Ein guter Bekannter von mir nennt das synonym auch „Weg des geringsten Widerstandes“ und ich stimme ihm nur allzu gerne bei. Allerdings frage ich mich aber auch immer wieder, warum der Mensch sich so schwer damit tut, den Mund aufzumachen, wenn ihn etwas nervt oder akut stört.

Harmoniesucht ist hierbei wohl ein Aspekt. Die Angst vor dem Verlust eines nahestehenden Menschen vielleicht ein anderer. Aber welchen Namen das Kind auch immer trägt, es ist alles andere als ehrlich und gut. Schauen wir uns einmal Pärchen an, die sich so den lieben langen Tag durch die Beziehung angeln. Einer ist genervt, spricht es auch an und der andere macht den Rückzug – obwohl es in ihm kocht. Die Wattebällchen dann nach Farben zu sortieren bevor man sie Stunden oder Tage nach einer möglichen Konfrontation wirft, ist da dann eine allseits beliebte Alternative. Oder auch das Streichen der Ponybox, die doch sehr unter den klimatischen Bedingungen ihren Holzanstrich verloren hat. Und was kommt danach?

Während der eine alle Kümmernisse und auch die Wut ob einer Situation in sich hineinfrisst, versucht der andere die Wogen zu glätten in dem er eben einfach nichts tut oder sagt. Geschickt ist das nicht, denn der Super-Gau ist da früher oder später vorprogrammiert. Was dieser bedeuten kann, zeigt sich dann in Beziehungsschlachten, Eskalation auf der Straße oder in schwachmatigen wörtlichen Tiefschlägen im verbalen Austausch. Austausch? Dann doch eher die offensichtliche Hilflosigkeit des Gegenüber, dem die einfachsten Regeln eines konstruktiven Meinungsaustausches oder gar Streitens ein Fremdwort sind.

Ich bin keine Psychologin (dafür bin ich noch nicht zu schräg genug), aber wenn ich solch eine Verhaltensweise mitbekomme, dann hinterfrage ich gerne und bilde mir da so mein ganz eigenes Menschenbild. Es gibt doch tatsächlich Menschen, die versuchen sich mit bissigen und „Achtung“-Worten vor vermeintlich feindlichen Angriffen eines Gegenübers zu schützen. Ehrlich gesagt entlocken diese mir nur ein sanftes Lächeln, denn auch wenn man mit nur einem Hauch von Sensitivität ausgestattet ist, weiß man, dass bellende Hunde nur sehr selten beißen. Aber innen sehr verletzlich sind. Und mit bösartigen, sarkastischen oder ironischen Worten lediglich einen Schutzwall um sich aufbauen, um selbst nicht verletzt zu werden. Welch Verlust für jeden Beteiligten, wenn sich Menschen so verhalten!

Magengeschwüre, Migräne, Schlaf- oder Essstörungen sowie die Sehnsucht nach dem Freitod begleiten vielfach diejenigen, welche sich hinter derartigen Abwehrpraktiken vor ihrem wahren Inneren verstecken. Auf der anderen Seite steht jedoch der Mensch, der sich nicht in seinem Selbst entfalten kann, weil er sich ständig klein macht, kuscht und eben glaubt, dass das Leben auf einem Ponyhof doch nicht so tragisch sein kann. Alles wird gut und zur Abwechslung sind die Wattebällchen dann nicht rosa oder blau, sondern in wunderbaren Batikfarben gehalten. Hallo Mensch, so höre den Schuss, der da lautet, dass das Leben nicht nur aus Harmonie und „ich akzeptiere alles, was andere von sich geben“ besteht!

Sie stellen bestimmt gerade fest, dass ich etwas aufgewühlt bin. Nicht ohne Grund, denn in der letzten Zeit begegnen mir immer wieder Frauen und Männer, die sich Wattebällchen werfend hinter der Tür der kleinsten Ponybox verbarrikadieren und somit nicht nur sich selbst einen Prügel vor die Füße schmeißen, sondern auch anderen Menschen oder gar einer wichtigen Angelegenheit. Das geht nun mal gar nicht, zumindest nicht, wenn man Claudia heißt und nicht ganz blind ist hinter einer rosa-roten Brille, die alles Böse und Nervige abhält.

In welcher Box leben Sie? Wie sehen Ihre Wattebällchen aus? Und geht es Ihnen gut dabei alles zu schlucken, zu kuschen und so zu tun als ob alles wunderbar ist? Ich bin gespannt auf Ihre Antworten und verabschiede mich für heute, nicht ohne den dezenten Hinweis auszusprechen: Meine Wattebällchen sind nicht flauschig weich und können durchaus offen und ehrlich den Punkt der Erkenntnis zur Änderung treffen.

Herzlichst

Ihre Claudia

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