Sonntag , 26 Mai 2019
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Für Beziehungen gibt es keinen Plan B

paar_am_meerDer Blick ist verschleiert, die Schwärme von Schmetterlingen sind größer als in so manchem südamerikanischen Land, das Herz schlägt in einem normalerweise als ungesund zu bezeichnenden Rhythmus und magische Blicke vermischen sich mit beschwörenden Gedanken in Richtung Telefon. Wer schon einmal die Symptome einer Verliebtheit verspürt hat, wird sich gewiss in dem einem oder anderen gerade beschriebenen wiederfinden. Dieser Zustand hält von Paar zu Paar unterschiedlich lange an, wandelt sich jedoch nicht selten schon nach wenigen Monaten oder Jahren in eine bedrückende Luftblase. Genug Luft zum Atmen, doch real betrachtet mit einer scheinbaren Leere gefüllt. Einsamkeit in einer Beziehung macht sich an solch einem Punkt breit und mischt sich zeitgleich mit den Gefühlen und Gedanken der Resignation, Hoffnung, Trauer oder gar Wut. Aber mal ehrlich: Muss das wirklich sein?

Viele schlaue Köpfe, und noch öfter gelernte oder selbsternannte Ehetherapeuten, lassen äußerst gerne unter anderem den Spruch los „Beziehung bedeutet ständige Arbeit“. Arbeiten an sich und arbeiten an der Gemeinsamkeit sowie dem Erhalt der Spannung, des gegenseitigen Interesses und Helfens oder auch der Liebe und Sexualität. Hört sich ja richtig leicht an, nicht wahr? Ich wäre nicht Claudia, wenn ich bei unserem heutigen Thema nicht tiefer gehen würde als eben nur an der Oberfläche herumzuschwimmen. Wie soll diese Beziehungsarbeit angegangen werden, damit sie das Ziel erreicht, dass da lauten könnte „bis das der Tod uns scheidet“? Mit Plänen, ähnlich wie in einem Projekt?

Plan A wäre da vermutlich erst einmal die Zeit der Verliebtheit und die folgende schleichende Gewohnheit genießen und vielleicht auch durch ein Flunkern und Beschönigen alles schön in der Liebesbahn zu halten. Dass jedoch nur selten Männer und Frauen in dieser Phase darüber nachdenken an sich und ihrer Beziehung zu arbeiten, kann man sich allerdings an einer Hand abrechnen. Andererseits ist das auch kaum nötig, denn da herrschen ungeschriebene andere Prioritäten und diese gehen ihren ganz eigenen, evolutionär unterstützten Weg. Also nichts mit Arbeiten. Legen wir den Plan in die Schublade und widmen uns dem berühmten Plan B, der wohl, wie bei vielen beruflichen Aktivitäten auch, in der Beziehung nur bedingt einen Erfolg erzielen lässt.

Ändert ein Plan B und ein gezieltes Tun im Sinne von „Schatz, wir arbeiten an unserer Liebe und unserer Beziehung“ etwas an der oftmals vorkommenden Tatsache, dass sich Paare nichts mehr zu sagen haben? Macht ein Plan es möglich ein dumpfes gemeinsames Schweigen beim Essen oder vor dem Fernseher nicht aufkommen zu lassen? Ein Schweigen, das die breite Kluft zwischen den einst Liebenden schier unüberbrückbar werden lässt? Verhilft der Plan B dazu, dass auch nach fünf, zehn oder fünfzehn Jahren der sexuelle gegenseitige Reiz unvermindert anhält? Oder lassen sich gar aus Plan A und Plan B, sofern vorhanden, herauslesen wann und wo sich der ursprüngliche Zustand der gemeinsamen Liebe verabschiedet hat? Und noch viel wichtiger: Würden solche Pläne dabei helfen das Ruder herumzureißen und neues Leben und Schwung in die Beziehung zu bringen?

Wenn Sie mich fragen, dann antworte ich mit einem entschiedenen Nein. Derartige Pläne braucht kein Mensch, denn Pläne kalkulieren und berechnen, steuern ein möglichst exakt angestrebtes Ziel und somit den großen Erfolg an. Meines Erachtens macht es in einer Beziehung weitaus mehr Sinn sich mit Respekt und Achtsamkeit zu begegnen, nicht zu ruhen und nachzufragen, wenn der andere sich langsam, aber stetig zurückzieht und für kleine Überraschungen zu sorgen, die durchaus auch nur mit Worten übergeben werden können. Dass nicht nur in der Phase „es macht doch alles keinen Sinn mehr“ das sich selbst und den Partner belügen lieber außen vor bleiben sollte, versteht sich von alleine, wenn auch für viele Menschen kaum vorstellbar und noch weniger umsetzbar.

Alles wird gut, die Phase geht vorüber, ja, du siehst immer noch toll aus oder nein, mich interessiert kein(e) andere(r) Frau/Mann sowie das Verweigern einer ehrlichen Antwort auf die partnerschaftliche Nachfrage „sag doch, was dich bedrückt oder was dich stört“ – Denkweisen und Aussagen, die im Grunde schon das Todesurteil der einstigen Schmetterlinge und das unwiderrufliche Zerbrechen der rosaroten Brillengläser bedeutet. Dass dann für ein Herzklopfen Koffeintabletten oder Literweise Kaffee herhalten müssen, versteht sich von selbst. Und doch wird auch dann noch gelogen, wenn man schon lange ahnt, dass da zu viele Risse im Beziehungsfundament vorhanden sind.

Statt seine Haut und sein schlechtes Gewissen zu retten, in dem eifrig verschwiegen und gelogen wird, wäre es doch weitaus sinnvoller offen auszusprechen, was man vermisst, man ändern möchte oder eben was einem tierisch auf die Nerven geht. Oder Schluss zu machen mit der Scheinheiligkeit der bestehenden Beziehung. Drehe ich hier an dieser Stelle die Spirale nochmal zu den schlauen Sprüchen der Experten, dann wäre das die einzige Arbeit, die in einer Beziehung die Einsamkeit zu zweit und das Ende der Gefühle unterbinden könnte. Von Anfang an und nicht erst dann, wenn die Beziehung zu einer seelischen Last geworden ist. Anstrengend und nervenaufreibend ist solch ein Verhalten und Vorgehen allemal, ergo haben da die wenigsten Paare große Lust darauf und entscheiden sich lieber für ein schmerzvolles Stillhalten und Langziehen der Beziehung. Zumindest solange bis die Trennung unweigerlich eintritt, weil der Magen und das Gehirn sich selbst zerfrisst. Ein neuer Partner wird gesucht und das Spiel der Liebe und der Kampf gegen die Einsamkeit erneut begonnen, um, ohne eine vorherige persönliche Verhaltensänderung vollzogen zu haben, wieder in der zweisamen Einsamkeit zu enden.

Wie schade, dass durch solch eine Denk- und Handlungsweise unweigerlich wertvolle Lebenszeit beider Partner verloren geht. Zeit, die nicht wieder zurückgeholt werden kann und somit etwas sehr plausibles offensichtlich macht: Beziehungsarbeit kann sich eben doch lohnen, aber nicht nach Plan, sondern mittels gesundem Menschenverstand, der Bereitschaft nicht zu lügen und den Partner in seiner Gänze wahrzunehmen sowie einmal darüber nachzudenken, dass auch der zehnte neue Partner nicht das Problem lösen wird, das da in einem selbst zu suchen ist.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute, aufrichtige Beziehung!

Ihre Claudia

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