Freitag , 20 September 2019
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Mensch werden ist nicht schwer, Mensch sein dagegen sehr

leonardo_menschDer Mensch. Intelligent, mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet, mit einem Gehirn bedacht, das rein unter natürlichen Faktoren betrachtet gar nicht funktionieren kann. So weit, so gut. Über diese kurze Definition könnten wir nun bereits Diskussionen beginnen, aber das ist noch gar nicht dran. Dran ist hingegen das Thema „Mensch werden ist nicht schwer, Mensch sein dagegen sehr“ und das birgt allein schon einen riesigen Pool der diskutierbaren Inhalte in sich. Darüber möchte ich heute mit ihnen sprechen.

Geboren zu werden ist ja wirklich ganz leicht. Gefragt wird man sowieso nicht, denn wenn Mama meint, dass neues Leben das Licht der Welt erblicken soll und auch die Natur nicht vorher schon Schluss mit lustig macht – ja, dann ist es so. Punkt. Auch nicht aussuchen kann man sich, ob man seinen ersten Schrei in die Welt der Privilegierten, der Armen oder der Hungerbäuche tragenden heimischen Gefilde aussendet. Hier könnte man nun fast beiläufig einwenden, dass bei solch einer embryonalen Entscheidungsgewalt vermutlich weitaus weniger Kinder geboren würden, aber hundertprozentig herausfinden können wir die Vermutung nicht. Sonst wäre es ja auch keine Vermutung mehr.

Nun kommt kein Kind, ergo Mensch, als wilde Bestie auf die gute Mutter Erde. Saubere Gedanken, saubere Gefühle. Mensch eben. Doch dann beginnt das große Dilemma der elterlichen Vorbilder, Erzieher und Einflüsse der Umwelt. Da fällt es dann nicht selten sogar Dreijährigen recht schwer noch Mensch zu bleiben, Herz zu zeigen, leben und leben lassen zu praktizieren und nicht über die nächsten Nachbarskinderbeine zu stolpern, weil diese ausgerechnet vor einem hingefallen sind. Nun wandelt sich das Thema Mensch sein schon in eine Richtung, die uns dann im Verlauf der einzelnen Leben Kriege, Mord und Totschlag, Lug und Trug, Raffgier, Selbstsucht, Hass, Rache, Intoleranz und noch so einige, gar nicht grundlegend als menschlich zu bezeichnende, Gefühle sowie Gedanken und deren Folgen bescheren. Die Auswirkungen solcher Mutationen können wir täglich im eigenen Umfeld, im weitläufigen Kreis der Gesellschaft sowie im globalen Geschehen verfolgen und somit mal mehr, mal weniger hautnah erleben.

Wo bleibt der Mensch noch ein Mensch, wenn er Schwächere verletzt, quält oder tötet? Ist ein Mensch noch ein Mensch, wenn er sich darüber freut mit seiner Intelligenz und seinen Fähigkeiten eine neue Langstreckenrakete entwickelt zu haben, die tatsächlich über tausende von Kilometer hinweg ebenso viele tausende Frauen, Männer und Kinder umbringt? Wann ist ein Mensch noch Mensch, wenn er aus purer Raffgier und aus Gründen von scheinbarem Ruhm und Erfolg über Leichen steigt? Fragen, die ich mir täglich immer wieder stelle und nicht selten auch mit anderen diskutiere. Dass noch eine, für mich sehr entscheidende Frage, nämlich die „wie kann man unter solchen Bedingungen selbst noch Mensch bleiben“, hierbei mit einhergeht, ist wohl selbstredend.

Nun, selbstverständlich gibt es noch Menschen, die die klare und somit reine Form des Menschseins in sich bergen und dieses wertvolle Geschenk des Lebens Tag für Tag vorleben. Doch diese werden immer weniger. Deutlich mehr wird hingegen die Oberflächlichkeit, die Anonymität, die Herzlosigkeit und die Angst davor einem Gegenüber Auge in Auge zu sagen, was man über ihn denkt, was man will oder nicht will. Traurig ist hierbei allein schon die Tatsache, dass Liebesbeziehungen via SMS oder Mail beendet werden. Ist das noch ein Teil des Seins eines Menschens? Langjährige unbescholtene Mitarbeiter werden gekündigt, weil sie sich erlauben ein Stück Frikadelle oder gar Essenreste zu essen, die sowieso in den Müll wandern, obwohl noch gut und genießbar. Die Umwelt wird für die Dauer mehrerer Generationen verseucht. Toxine Stoffe in die Ernährung eingeschleust und rücksichtslos unter die Menschheit gebracht.

Endlos könnte ich hier ähnliche Beispiele beschreiben, die für mich so weit von einem Menschsein entfernt sind, wie die weiteste Galaxie hinter der unsrigen. Ich wurde wie alle anderen auch ebenfalls nicht gefragt, ob ich geboren werden möchte. Aber ich habe mich dafür entschieden, trotz aller Einflüsse und Widrigkeiten sowie Erlebnisse, ein sauberer Mensch zu bleiben, der nicht über Leichen und Verletzte geht. Doch für heute möchte ich es dabei belassen, allerdings nicht ohne Sie zu bitten Ihre Meinung über dieses Thema kundzutun und in einer ruhigen Minute auch einmal darüber nachzudenken, wie viel Mensch Sie bei einer realen Betrachtung eigentlich selbst (noch) sind.

Herzlichst

Ihre Claudia

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