Montag , 20 Januar 2020
Startseite » Gesellschaft » Claudia spricht » Von fehlenden Vorbildern und Charakterschweinen

Von fehlenden Vorbildern und Charakterschweinen

familie_freundeHach, was war das wieder für eine Woche! Manchmal habe ich doch wirklich das Gefühl, dass ständig, sprich täglich, etwas im Land geschieht, dass ich kaum mehr mit Folgen hinterherkomme. Geht es Ihnen manchmal auch so? Schlimm, sage ich Ihnen, aber noch tragischer finde ich es, dass ich in einem Land lebe, das kaum mehr Vorbilder, hingegen jede Menge Charakterschweine und Wendehälse hat. Ich selbst wuchs in den 70er Jahren auf. Eine Zeit, die davon geprägt war, dass man lediglich drei Fernsehprogramme hatte und Persönlichkeiten im Land ebenso ein Vorbild waren als auch die eigenen Eltern.

Mein Vater, beispielsweise, war für mich der wahre Held im Leben und so eiferte ich ihm schon als junges Mädchen in der Art des Denkens und Handelns nach. Geradlinigkeit, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Familiensinn gehörten ebenso dazu als auch den Wert von Freunden zu schätzen oder niemals den Hals zu verdrehen, wenn man seinen Prinzipien treu sein wollte. Gut hat er es gemacht, sag ich nur, denn genau diese Werte und Charaktereigenschaften konnte ich mir bewahren und  gleichsam umsetzen, und, Sie werden es nicht glauben, an meine Kinder weitergeben.

Ohne nostalgisch werden zu wollen, ja, vor 20, 30 Jahren, da gab es noch Vorbilder. Ob diese in den Familien zu finden waren, im Kreise der Arbeitgeber und Kollegen oder in der Politik-überall konnte man all jene noch antreffen, die sich bestimmte Werte und Prinzipien auf die persönliche Brust geheftet hatten. Heute dagegen stelle ich mit Erschrecken fest, dass es von Verlogenheit, Machenschaften, Prinzipienuntreue und sagenhaft vielen Wendehälsen im Land nur so wimmelt. Unsere Regierung etwa, hackt sich in aller Öffentlichkeit die Augen aus, beschuldigt sich gegenseitig der Dummheit und Lüge, um dann bei nächster Gelegenheit wieder einig friedlich am runden Tisch zu sitzen und über unser aller Volkes Wohl (Achtung, Ironie!) zu entscheiden.

Eva Herman, mag sie auch so manchen unpassenden Ausspruch von sich geben, zeigt noch eine gewisse Wertigkeit, was ihr den Unmut vieler einbringt und sie auch gleich in die Schublade der Nationalisten-Liebhaber einreihen lässt. Mal ehrlich gesagt, sehr viele ihrer Aussagen finde ich auch extrem daneben, aber betrachtet man einige der harmloseren einmal ohne große Emotionen, dann bergen diese durchaus etwas Sinnreiches. Traditionelle Werte, um nur ein Beispiel zu nennen. Welches Kind kann heute noch großartig auf ein väterliches oder mütterliches Vorbild hochsehen und somit eine gewisse Orientierung sein Eigen nennen, die besonders auf einst wichtige Werte begründet liegt? Was ist so schlecht daran, wenn gerade in (und außerhalb) der Familie Ehrlichkeit, Zusammenhalt, Intimität, Respekt und Eigenständigkeit vor-gelebt werden? Anderseits, woher sollen es die jüngeren Generationen denn gelernt haben, wenn schon aus den Kreisen der öffentlich agierenden Personen seit Jahrzehnten Lug,  Machenschaften, Klüngeleien, Betrug und gegenseitige Diffamierung an der Tagesordnung stehen und viele Frauen und Männer im Land genau das als Normalität erleben und folglich als sinnig und normal betrachten?

Aber, all das sollte doch schon im kleinen Kosmos, der da Familie und Freundeskreis heißt, beginnen. Ehrlichkeit, beispielsweise, ist wirklich selten geworden und nicht wenige Eltern lügen bereits ihre Kinder nach Strich und Faden an. Hinzu kommt noch, dass Vater oder Mutter etwas vorleben, das nun wirklich nicht unter dem Deckmantel der Geradlinigkeit zu finden ist. Wenn die elterlichen Freunde nach Hause zu Besuch kommen, ist anfangs alles wunderbar und trallala, aber kaum hat sich die Tür hinter selbigen geschlossen, wird abgelästert ohne Ende. Papa ruft auf der Arbeit an, dass er krank ist, zieht aber kurz danach freudestrahlend zur Montainbike-Tour ab. Mama regt sich über den ach so arroganten Chef auf, um dann vor den Ohren des Kindes ins Telefon zu säuseln, dass er ja wirklich sehr zuvorkommend und super freundlich sei, und natürlich kommt sie gerne an ihrem freien Tag zum Überstunden schieben. HALLO, geht’s eigentlich noch? Und weil dem nicht genug ist, zeigen sich auch noch viele Personen der Öffentlichkeit als trauriges Individuum. Ohne Mut in der Hose, um für Fehler gerade zu stehen. Ohne Rückgrat die eigene Meinung und Entscheidung standfest zu vertreten. Ohne zu zeigen, dass der Hals auf Dauer nicht dazu geeignet ist sich nach Lust und Laune zu wenden, nur weil der Wind plötzlich schärfer ins Gesicht weht.

Nein, ich finde keine Vorbilder hier im Land und von Charakterschweinen will ich nicht mal mehr ein Liedlein singen. Wäre auch nicht so praktisch, denn dann hätte ich wohl keine Leser mehr. Im Singen bin ich nämlich wirklich nicht so prickelnd. Ob es wohl daran liegt, dass mich das Wörtchen „Singen“ daran erinnert, dass ich keinen singend verpfeifen würde, weil das meinen Prinzipien widerspricht? Haben Sie noch Vorbilder und Prinzipien oder anders gefragt, sind SIE ein Vorbild für ihre Kinder, den Partner, die Freunde und Kollegen oder Mitarbeiter? Lassen Sie es mich bei Gelegenheit wissen, denn wie heißt es so schön „die Hoffnung stirbt zu Letzt“ und ich denke, es gibt sie noch, die Dinosaurier der humanen Wesen, die sich Prinzipien und Wertigkeit auf die Lebensfahne geschrieben haben. Auch wenn ich diese in der Regierung oder in der Gesellschaft auf den ersten Blick nicht mehr entdecken kann.

Herzlichst

Ihre Claudia

Check Also

Lügen haben kurze Beine und schaffen Feinde

Politiker lügen rhetorisch geschickt verpackt nicht nur einmal in ihrer Karrierelaufbahn. Das wissen wir alle, …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.