Freitag , 24 Januar 2020
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Sterben gehört zum Leben dazu

rip1Es gibt Themen, die uns schon vor unserer Geburt begleiten. Unbewusst, wobei wohl niemand genau sagen kann, ob nicht schon ein Embryo mit kümmerlichen Gedanken das Thema Tod erfahren muss. Obwohl weltweit täglich abertausende Menschen für immer ihre Augen schließen, und das aus verschiedenen Gründen, wird die Vergänglichkeit des Menschen durch die Ereignisse der Loveparade in Duisburg hautnah erleb- und spürbar. Wut und Trauer haben sich seit gestern Abend über das Land ausgebreitet, Schuldzuweisungen werden laut und, ja, ich muss das hier so sagen, das berechenbare Unglück medial und finanziell ausgeschlachtet. 

Berechenbar aus dem Grund, da die Strecke und die Plätze der Loveparade nicht für eine ausgelassen feiernde Menschenmasse von möglichen 1,4 Millionen Besuchern geeignet war. Doch wie so oft, sind alle Beteiligten im Nachhinein schlauer und die Schuld bei bestimmten Menschen, seien es die Veranstalter, seien es die Politiker und Stadtväter von Duisburg, zu suchen, ist eine gänzlich menschliche Reaktion. Allerdings, was ändert solch ein Verhalten, alles und jeden niederzumachen? Werden die Verletzten rascher gesund? Die Toten wieder lebendig? Sicherlich nicht und so heißt es doch eher sich darum zu kümmern, dass zukünftig das Thema Sicherheit bei kleinen und großen Veranstaltungen deutlich verbessert wird.

Trotz allem bleibt die Tatsache bestehen, dass Dinge geschehen, die sich oftmals der Macht des Menschen entziehen und hierunter fällt der Tod, der Tag für Tag rund um den Globus erbarmungslos zuschlägt und Angst, Kummer, Wut, ja, auch Verzweiflung mit sich bringt, die durch die eigene Ohnmacht des Unweigerlichen begleitet wird. Haben Sie Angst vor dem Zeitpunkt,  wenn die Zeit des Abschieds gekommen ist? Mussten Sie bereits den schmerzlichen Verlust eines geliebten Menschen erleben? Konnten Sie bis heute nicht loslassen und fragen sich immer noch warum dieser, ihnen nahestehender, Mensch gehen musste?

Betrachtet man sich die Kinder in ihrer Unbefangenheit, was Leben und Tod angeht, stellt sich mir immer wieder die Frage, warum das Thema Sterben ab einem bestimmten Lebensalter derart schwerwiegt. Mein kleinster Sohn, er wird in Kürze acht Jahre alt, hat bereits vor längerer Zeit zu mir gesagt „Aber Mama, das Sterben gehört doch zum Leben dazu“ und machte mir bewusst, dass genau hier einer der berühmten Punkte liegt, die den Kern eines Themas aufzeigen. Ja, das Sterben begleitet uns bereits ab dem Moment, in dem wir uns aus der Eizelle und dem Spermium zu einer Zellmasse heranbilden, die da im Laufe der Zeit zu einem Menschen heranreift. Ein natürlicher Gang, der nicht nur humane Wesen begleitet, sondern jegliches Leben auf der Erde, und somit der normale Weg der Natur darstellt.

Und doch gibt es einen wesentlichen Unterschied im Tod selbst, der darin zu finden ist, ob ein Mensch auf natürliche Art und Weise stirbt oder ob fremde Eingriffe das Lebenslicht auslöschen. In letzterem Fall überwiegen die Verzweiflung, die Wut und das große Unverständnis darüber, wie es geschehen konnte, dass das Liebste von einem weggerissen wurde. Verständliche Reaktionen und doch ziehen all diese tiefen Gefühle zumeist viel mehr negative Folgen nach sich, als man sie im ersten Moment vermuten würde.

Ob durch das Ereignis anderen Menschen die Schuld zugeworfen wird oder gar deren Leben, wie es Tag für Tag rund um den Globus geschieht, ebenfalls genommen wird – allem ist gemeinsam, dass damit der Tod des Angehörigen nicht rückgängig gemacht werden kann. Traurig, aber wahr und ein Anlass zum In-sich-gehen und in Ruhe darüber nachzudenken. Nicht wie man sich rächen oder gar Schmerzensgeld verlangen kann, das in meinen Augen das Letzte ist, was ein wahrer liebender Mensch durch den Tod des Angehörigen als sein Recht beansprucht.

Nein, vielmehr wäre es weitaus sinnvoller dem inneren Schmerz durch den plötzlichen Verlust, ein Ventil zu geben, das dabei helfen kann anderen Menschen ein längeres Leben zu ermöglichen. Hier im Land oder irgendwo anders auf der Welt, denn mag es auch noch so erschreckend und traurig sein, was bei der Loveparade geschehen ist, sollten wir alle nicht vergessen, dass täglich tausende Frauen, Männer und Kinder sterben, weil sie arm sind, im Krieg getötet werden oder eine Handvoll Menschen sich die Macht aneignen aus purer Raffgier und Egoismus Leben auszulöschen. Ich traure mit allen, die bereits solch einen tiefen Verlust erleben mussten und auch mit all denjenigen, die heute, morgen, in einer Woche oder in einem Jahr genau das hautnah spüren müssen. Und selbstverständlich auch mit den Angehörigen der Opfer des gestrigen Unglücks.

In diesem Sinne

Ihre Claudia

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