Montag , 26 Februar 2024
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Wer von Vögeln spricht muss nicht zwangsläufig an Sex denken

moeweWir leben alle zusammen in einer Zeit, deren Geschwindigkeit manchmal den Eindruck entstehen lässt, gleich haut es uns aus der Kurve. Diese Momente bewirken bei mir, dass ich gerne aus meiner Haut fahren würde. Aber – was dann? Und so überlegt sich der Schreiber, was wohl wäre, wenn…? Was es auf jeden Fall anzumerken gilt, ich würde gerne fliegen können, fliegen wie ein Vogel. Ab und an träume ich davon. In diesem immer gleichen Traum, da kann ich es auch. Bemerkenswert ist einzig der Umstand, ich musste bisher in meinem Lieblingstraum weder starten noch landen. Dies hat den ganzen Vorgang deutlich entspannt.

Noch etwas, was erwähnt werden muss, diesen Traum gibt es nur in schwarz/weiß. Das macht aber überhaupt nichts. Wenn ich da oben unterwegs bin, den Wind spüre, ihn sogar rieche, dann ist die Welt in Ordnung. Wahrscheinlich wegen der Stromlinienförmigkeit meines Körpers, deshalb brauche ich nicht oft die Flügel zu schlagen. Ob es überhaupt Flügel sind, da bin ich mir auch nicht mehr sicher. Auf jeden Fall verfüge ich über zwei Paar Extremitäten, ein Paar davon ist wohl zumindest eine Art Flügel. Statt dem Gefieder verfüge ich über eine trommelförmige Tropfenform an einer maßgeblichen Stelle, welche jede Art von Thermik magisch anzieht. Das fehlende Gefieder hat somit auch keine Farbe und dient damit auch nicht der sexuellen Werbung. Einen Schnabel habe ich zwar, im Gegensatz zu den Vögeln verfüge ich aber noch über 1 – 2 echte Zähne. Mir ist ebenfalls meistens heiß, im Gegensatz zu den Profis steigt meine Körpertemperatur aber nicht im Durchschnitt auf 42 Grad. Weitere Details, auch was während des wunderbaren Flugs passiert, die behalte ich ab jetzt für mich, bitte haben Sie dafür Verständnis.

Nach einem der besagten Träume und Flüge, da ritt mich wohl der Teufel, wissen wollte ich, welcher Vogel wohl Peter heißen könnte. Hier die geretteten Notizen:

  • Der Adler, mit Brille nicht wirklich möglich.
  • Der Kolibri, es fehlen die bunten Federn und ein lang geschwungener Schwanz.
  • Der Eisvogel, ich möchte nicht das ganze Leben blau sein, wirklich nicht, ferner benötige ich im Winter öfters zusätzlich eine Wolldecke.
  • Das Rotkehlchen, haben Sie mich schon singen gehört?
  • Der Flamingo, meine Beine sind zu lang. Vom Durchmesser her wäre ich eher 12 Flamingos.
  • Der Pelikan, der Kehlsack fehlt gänzlich.
  • Die Nachtigall, meine Tochter heißt zwar Julia, ich aber nicht Romeo.
  • Die Taube, kommt immer zurück, ich auch – bin dann aber nicht immer nur friedlich.
  • Der Spatz, die Häufigkeit der Mahlzeiten passt, der Umfang reicht nicht ganz.
  • Der Schwan, ich mag mich sehr, aber – schauen Sie mich mal richtig an.
  • Der Geier, in der Politik oder im Investment-Banking fühle ich mich nicht richtig wohl.
  • Der Pinguin, mir steht kein Frack.
  • Der Hahn, will ich nicht, schaff ich nicht.
  • Der Kuckuck, von mir gibt es keine Eier in fremden Nestern.
  • Der Specht, ich kann nicht mehr den ganzen Tag hacken.
  • Die Gans, allein der Gedanke, man reißt mir die Federn raus, zum Schreiben – bitte nein.
  • Zum Schmutzfink und zum Dreckspatz beachte man die Ausführungen zum Geier.

Irgendwann war es dann genug, keine weiteren Vergleiche mehr. Ich bin ich, mehr ist halt nicht.

Ein Punkt zu den Vögeln, der mir ganz wesentlich scheint. Vögel sind meist Migranten. Sie pendeln von uns in den Süden, oder sie kommen aus dem Norden zum Überwintern zu uns. Wenigstens hier klappt das scheinbar ohne größere Probleme.

Weiter scheint bemerkenswert, obwohl eine vollkommen andere Umgebung das ist, was die Vögel Heimat nennen, sie werden zu uns gebracht, ohne sie überhaupt zu fragen, ob dies mit ihrer Lebensplanung übereinstimmt. Wir tun es halt einfach.

Vögel sind für viele Menschen ein Symbol für Schönheit, Freiheit und für Gesang. Deswegen werden ganz viele dieser Wesen in Käfige gesteckt, bis sie von der Stange fallen. Vorher, ich meine die Geschichte mit der Stange, vorher nennen wir sie unsere kleinen gefiederten Freunde. Ich habe Freunde. Alles, was ich mir von ihnen wünsche, sie oder ich bitte nicht hinter Gittern.

Zum Essen und gegessen werden, das erspare ich uns, das Nachdenken hoffentlich nicht. Ich möchte Sie nicht verärgern, das nächste Mal wollen wir Sie gerne wieder bei uns haben, ich habe doch keinen Vogel.

Jetzt ist die Geschichte fast fertig. Ich weiß jetzt doch, welche Art komischer Vogel ich bin und bleibe, nämlich ein Großbauchiger Federhalterschwinger, und das, glauben Sie es mir, das bin ich gerne.

© Peter Reuter

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