Freitag , 7 August 2020
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Achtung Satire: Interview mit J. Ack.’s Gehaltskonto

dornfelder_traubenWie Sie wissen – oder auch nicht – der Allinger und der Reuter schreiben nicht nur für „The Intelligence“, der wohl ausgefeiltesten und real intelligentesten Informationsplattform mit einer Redaktion, welche ihresgleichen sucht, nein – wir haben vor einigen Jahren zusammen eine Literaturzeitschrift gegründet. Richtig, wir sind Gründer, Redakteure und Herausgeber der legendären „Wortschau“, einer Zeitung, besser gesagt, einer Literaturzeitschrift, auf die wirklich keiner gewartet hat. Macht aber nichts, wir strengen uns trotzdem an. Was der Wallraff nicht kann und nie beherrschen wird, wir bringen nicht nur Menschen zum reden. 

Menschen neigen nämlich nicht immer dazu, die vollständige Wahrheit zu transportieren, denken Sie an unsere Politiker(innen) oder an das Topmanagement von BP. Deswegen sprechen wir, meist heimlich, mit den Zeitzeugen, mit welchen keiner rechnet. Aber lesen sie selbst:

Der weltweite Durchbruch der Wortschau basiert auf einer Art von konsignativem Journalismus, welcher in dieser Form in der alten und neuen Bundesrepublik Deutschland bisher nicht bekannt war. Keine Mühen und keine Bestechungsgelder werden gescheut, um die Zeitzeugen schlechthin zu einem Interview zu bewegen, welches Ihnen exklusive und interessante Informationen serviert und uns, nämlich den Verlag und die Redakteure, reich und mächtig macht.

Heute bei uns im Gespräch, das Gehaltskonto eines Herren mit dem Namen J. Ack. Das Konto möchte unter keinen Umständen erkannt werden. Wir werden auch den Namen der Bank nicht nennen können, bei der das Konto Unterschlupf fand. Ein kleiner Hinweis sei aber an dieser Stelle gestattet, es handelt sich um eine deutsche Bank.

Um dem Diskretions- und Schutzgebot der Beteiligten Rechnung zu tragen, und nur deswegen verwenden wir Tarnbezeichnungen. J. Ack. wird im folgenden Text als „JR“ auftreten, das Konto hört auf die Bezeichnung 00. Der interviewende Redakteur ist am Kürzel PR erkennbar.

 

PR: Herzlichen Dank für die Annahme unserer Einladung. Wie geht es Ihnen heute?

00: Danke für Ihre Nachfrage. Ich fühle mich nicht wirklich wohl und mir ist nicht wirklich gut, auch hier und heute nicht. Eine große Schwäche hat mich überkommen und will mich nicht mehr loslassen. Seit drei Monaten nehme ich nur noch ab. Es ist alles so schrecklich.

PR: Wie und was war anders, bis so vor circa drei Monaten? Darf ich Ihnen ein Glas Rotwein anbieten, einen sehr guten Dornfelder vom Weingut Mühlhäuser aus Niederhorbach?

00: Bis vor drei Monaten hatte ich mit dem Abnehmen kein Problem. Im Gegenteil, laufend konnte ich mich an einer permanenten und gesunden Gewichtszunahme erfreuen. Speck hatte ich etwas angelegt, aber der Weg zur Verfettung war nicht auf dem Plan. Ich war das, was man ein gestandenes Konto nennt – einfach wunderbar. Den Rotwein probiere ich gerne, vielleicht, tja – ich wage die Frage trotzdem. Einen Bordeaux von 1957 haben sie nicht zufällig da? Ich bin mehr der paneuropäische, der internationale Typ. Sie verstehen mich hoffentlich nicht falsch. Der Dornfelder hat, ich las es gerade, nur 11,5 % Alkohol. Das reicht nicht aus. „JR“ hat eine Zielgröße von mindestens 23,5 % vorgegeben. Sonst haben wir im Wettbewerb keine Chance.

PR: Leider haben wir keinen Bordeaux da, nur unseren Dornfelder. Trotzdem ein Gläschen? Aber, warum geht es Ihnen heute nicht gut? Das liegt doch nicht nur am fehlenden Gewächs aus Frankreich?

00: Ich sage nur ein Wort – „JR“. Er hat mich schmählich im Stich gelassen. Für das letzte Jahr hat er auf seinen Bonus verzichtet. Die Zahlungen aus den letzten Jahren hatten mir die Gründung von Niederlassungen in der Schweiz, in Luxemburg und in Liechtenstein ermöglicht. Auch Südamerika und Russland durfte ich bereisen, auf den Bermudas habe ich ebenfalls eine Dependance eröffnet. Herrlich dort, schön warm. Und der örtliche Weinhandel verfügt über einen großen Vorrat an Bordeaux, den von 1957. Gut, ein Gläschen Dornfelder trinke ich. Vielleicht sollte ich mich wirklich an diese Art Wein gewöhnen. Nun, den Gürtel muss ich enger schnallen, keine Frage. Waren das noch Zeiten, als der „JR“ einem Feinschmecker, dem Herrn Esser schnell mal 30 Milliönchen überweisen konnte und dafür zum Jahresende auch noch zehn dafür bekam. Können Sie sich noch an das Bild aus dem Gerichtssaal erinnern, dieses Lachen und dieses Siegeszeichen – das war mein Leben. Verstehen Sie mich jetzt?

PR: Sie brauchen den Dornfelder wirklich nicht zu trinken, das können der Allinger und ich auch alleine. Wissen sie was? Ich kann sie nicht verstehen, ist das schlimm?

00: „JR“ und ich erwarten gar nicht, dass wir in diesem Land verstanden werden, dies ist für uns auch nicht wirklich wichtig. Das einzige, welches für uns noch eine vorübergehende Bedeutung hätte wäre Staatsknete für unsere Bank, eine Badbank – ebenfalls vom Staat – welche uns Risikopapiere und Risikokredite abnimmt und eine Jahresdividende in Höhe von 25 %. Dann würde Bonus fließen. Ich könnte endlich wieder zunehmen. Herr Redakteur, wo sind Sie denn? Warum haben Sie den Wein mitgenommen? Herr Redakteur, Herr Redakteur… Warum fragen Sie nicht weiter? Warum schreiben Sie nicht mehr mit? Herr Redakteur, was soll ich jetzt trinken? Hilfe, Hilfe – der Redakteur und der Bonus sind weg….

 

Die Wortschau finden Sie übrigens auch im Internet unter www.wortschau.com

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