Donnerstag , 28 Juli 2016
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Drei bis fünf Durchgänge – Dann kollabieren die Märkte endgültig

franz_hoermann_wien_interviewDer Direktor des deutschen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Gustav Horn, sieht ebenfalls die Gefahr einer neuen weltweiten Wirtschaftskrise heraufziehen. Gegenüber dem Handelsblatt online sagte er, die Lage sei besorgniserregend. Wir haben mit Franz Hörmann gesprochen, der uns im Frühjahr in einem Interview den Crash für August des Jahres prognostiziert hat. Hier der zweite Teil mit dem Wiener Universitätsprofessor; den ersten Teil führten wir mit seinem Co-Autor Otmar Pregetter. [Anmerkung: Wir stellten die Fragen noch vor Börsenschluss.]

The Intelligence (TI): Was bewirkt die Anhebung der Schuldengrenze der USA hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage in den USA und für die Weltwirtschaft?

Franz Hörmann (H): Dies bringt der US-amerikanischen Finanz-Elite lediglich eine kurze Zeitspanne. Noch vor der Präsidentschaftswahl im November 2012 wird auch dieser neue Verschuldungsrahmen gesprengt werden, Obama wird es daher nicht gelingen dieses Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten, sondern er wird praktisch zu keinem anderen Thema mehr kommen, als das Verschuldungs- (= Geldschöpfungs-)Problem. Mit dem Zusammenbruch des Dollars (noch 2011, spätestens 2012) wird es zur globalen Neugestaltung des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems kommen.

TI: Kollabiert jetzt der Euro? Wie ernst ist es um Spanien und Italien wirklich bestellt?

H: Alle Staaten (mit ganz wenigen Ausnahmen hauptsächlich kleinerer Länder) sind so hoffnungslos verschuldet, dass jeder weiß, dass diese „Schulden“ (die ja nur durch die absurde Geldschöpfung entstanden sind) nie wieder zurückbezahlt werden können. Die globalen Spekulanten wählen jene (weniger mächtigen) Länder aus, gegen die sie dann spekulieren, um über Gegengeschäfte Riesengewinne zu erzielen. Dieses Spiel wird erst mit dem Zusammenbruch von Dollar und Euro beendet sein.

TI: Wie lange könnte man den Crash noch hinauszögern?

H: Das Hinauszögern ist immer eine unsichere Angelegenheit. Aus heutiger Sicht handelt es sich nur noch um Wochen bis (höchstens 3-4) Monate. Wie bei einem Kartenhaus ist die Frage, wie lange es stehen bleiben wird, nie ganz einfach zu beantworten, weil schon ein leichter Luftzug (Vertrauensentzug) genügt, das Gebäude (die Illusion) zum Einsturz zu bringen. Vorsätzlich zu einem bestimmten Termin vernichten kann man es hingegen jederzeit (indem man es umstößt bzw. entsprechende globale Geschäfte startet und Gerüchte in Umlauf setzt).

TI: Crasht die Währung? – Sie haben von einer Währungskrise im Frühjahr gesprochen. Oder crashen doch eher die Märkte? Es scheinen ja jetzt die Märkte zusammenzubrechen. um welche Marktblasen handelt es sich momentan? Man spricht aktuell schon von einem schwarzen Freitag, der sich heute ankündigt.

H: Es crasht das Währungssystem, welches darauf basiert, dass Geschäftsbanken Geld als Schuld erzeugen (in Form eines Buchungssatzes) und gegen Zinsen „verleihen“, obwohl das Geld für die Zinszahlung nie erzeugt wurde. Gestützt werden sie von Zentralbanken im Privateigentum, die den gleichen Personen gehören wie die größten Geschäftsbanken. Staatliche Nationalbanken (wie z.B. jene in China) erzeugen Geld ohne Schuld und Zinsen, daher kann so ein System auch länger funktionieren. Wenn dann aber die Geldverteilung so absurd betrieben wird wie in China (wieder nur Weitergabe an Clan-Mitglieder oder Verleihe gegen Zins) mit der Folge, dass unsinnige Geisterstädte gebaut werden, in welchen keiner lebt, weil sich niemand die Miete leisten kann und die chinesische Elite die Gebäude dann als „Geldanlage“ kauft, dann entsteht daraus zwingend wieder nur ein Pyramidenspiel, das demnächst platzen wird, weil ja keine laufenden Zahlungsströme erwirtschaftet werden, sondern nur auf den Preisanstieg und den gewinnbringenden Weiterverkauf spekuliert wird. Die meisten kompetenten Marktteilnehmer kennen alle diese Zusammenhänge und werden daher zunehmend nervös, da sie auch erkennen, dass nirgendwo eine sinnvolle, echte Lösung angestrebt wird, weil die mächtigen Finanzeliten genau das durch politischen Druck überall verhindern. Dieser Crash der Märkte wird alle Märkte betreffen, da in solchen Szenarien alle Preise auf allen Märkten mit beinahe +1 korreliert sind.

TI: Wie weit seid ihr mit dem Pamphlet?

H: Inhaltlich ist es fertig. Wir suchen gerade einen Verlag und es soll dann so schnell wie möglich (voraussichtlich Ende September) erscheinen: „Vereint Euch! Neues Geld für eine neue Gesellschaft.“

TI: Gibt es Anzeichen für den Beginn des Crash. Wie sehen diese aus?

H: 1) Vertrauensverlust der Marktteilnehmer, d.h. plötzliche, dramatische Kurseinbrüche bei gleichzeitiger, erkennbarer Hilflosigkeit der Politik.

2) Manipulation der Preise durch staatsnahe Käufer oder Insider, erkennbar an kleinen technischen Gegenbewegungen, die zwar einen bestimmten Teil (50%  bis 80%) der plötzlichen Verluste wieder Wettmachen, aber den negativen Trend nicht überwinden können.

3) Abermaliger Kurseinbruch, mit abermaligen leicht erkennbaren, manipulativem „Dagegenstemmen“.

Je länger dieser Zyklus andauert (ca. 3 bis 5 Durchgänge), desto frustrierter werden die Manipulatoren, bis sie schließlich entnervt aufgeben und die Märkte komplett kollabieren. Prognose: 3 Wochen bis 4 Monate.

TI: Wenn es Anzeichen für den Crash-Auslöser/beginn gibt, was raten Sie den Bürgern, wenn diese Zeichen einsetzen?

H: Ruhe bewahren und sich auf die neue Gesellschaft freuen! Lebensmittelvorräte für 2 bis 3 Wochen beschaffen, Kraftfahrzeuge volltanken (falls man außerhalb einer Großstadt wohnt) und sich politisch engagieren, doch keinesfalls innerhalb der bestehenden „Spaltpilz-Parteien“, die nur Bevölkerungsteile gegeneinander ausspielen, sondern in Form einer die gesamte Bevölkerung vereinenden Reformbewegung. Transparente und Spruchbänder anfertigen mit den Aufschriften: „DEMOKRATIE BEGINNT MIT EINEM DEMOKRATISCHEN GELDSYSTEM!“ – „KEIN RECHT DEM SCHULDGELD!“ – „ENDE DER PRIVATEN GELDSCHÖPFUNG JETZT!“

TI: Eine letzte Frage, Herr Hörmann: Ist die aktuelle Talfahrt als erste der 3 bis 5 Durchgänge zu sehen?

H: Ja, das würde ich so interpretieren. Wirkliches Vertrauen kann wohl nicht mehr zurückerobert werden – die eine oder andere DAX-Marke hingegen schon 😉

TI: Herr Hörmann, vielen Dank für die Antworten.

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