Dienstag , 26 Juli 2016
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Die griechische Tragödie – Ein Finanz-Drama mit Open End

parthenon_athenDie Eskalationsstufen erreichen ungeahnte Höhen und Tiefen in Griechenland. Einerseits steigt die Wut des Volkes gegenüber den Politikern immer weiter an und entlud sich auch am Mittwoch wieder auf den Straßen Athens, andererseits gießen die US-Ratingagenturen immer mehr Öl ins Feuer des europäischen Gebälks und stufen die griechischen Staatsanleihen immer weiter herab. Business as usual könne man meinen, schließlich verfährt die USA seit dem Lehman-Crash im Jahr 2008 nach dem stets selben Muster.

Um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken, wird mit dem Finger auf Andere gezeigt. Die Blindheit der US-Ratingagenturen für den wahren kranken Mann der Welt, den USA, zeigt uns doch vor allen Dingen eine Sache: Die Ratingagenturen wollen nicht an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen. Schlimmer noch, sie versehen die USA mit einem AAA-Rating, während sich Griechenland immer mehr dem großen D annähert. D wie Default, also Zahlungsausfall.

Wie real die Gefahr in Griechenland ist, zeigte der Mittwoch in Athen. Zehntausende, meist friedliche, Demonstranten protestierten gegen den immer rigideren Sparkurs der griechischen Regierung. Dass dieser Sparkurs nicht zum Gesunden der hellenischen Wirtschaft beiträgt, leuchtet auch dem letzten Hobby-Ökonomen ein, Monetarismus hin, Keynesianismus her. Warum die Troika, bestehend aus EZB, EU und IWF, den Griechen einen derartigen Sparkurs oktroyiert, erschließt sich kaum. Natürlich existiert Misswirtschaft in dem südeuropäischen Land, natürlich gibt es eine aufgeblähte Verwaltung und eine viel zu geringe Exportrate. Allen Unkenrufen so mancher selbsternannter Experten zum Trutze kann der europäische Patient dennoch nicht allein durch bittere Medizin genesen.

Überdies wird immer noch ernsthaft das Für und Wider einer Beteiligung privater Gläubiger diskutiert, die wesentlichen Anteil an der Tragödie haben, die sich derzeit im Land der Akropolis abspielt. Wer überschüttete Griechenland denn mit billigen Krediten? Wer wollte es denn abhängig machen von ausländischen Geldern? Und wer verdient bis heute Geld mit der Verschuldungsorgie in Griechenland? Richtig, es sind die privaten Banken, also jene Institutionen, die eigentlich um den Umstand wissen müssten, dass der Geld-Verleih immer auch das Risiko in sich birgt, es nicht zurück zu bekommen. Griechenland wird auf absehbare Zeit ohnehin kein Geld mehr auf den Kapitalmärkten aufnehmen können. Will Europa Griechenland wirklich helfen, so muss es die privaten Gläubiger mit in die Pflicht nehmen. Wenn dies in einem Zahlungsausfall mündet, dann würde sich an der grundsätzlichen Lage Griechenlands an den Kapitalmärkten zunächst mal sehr wenig ändern. Gewiss, es würde für einige Jahre keine neuen Kredite mehr aufnehmen können. Dies kann es allerdings ohnehin nicht, angesichts der horrenden Zinsforderungen seitens der Kreditgeber.

Die permanente Herabstufung der Hellenen kann sich außerdem als Bumerang für die USA erweisen. Wie unlängst bekannt wurde, haben die europäischen Banken, die in Griechenland mit Krediten „investiert“ sind, die selbigen gegen einen Zahlungsausfall versichert. Mit den berüchtigten Credit Default Swaps (CDS) haben sich vornehmlich deutsche und französische Banken gegen einen Ausfall Griechenlands rückversichert. Bei Fälligkeit dürften auch US-Banken ins Straucheln geraten. Es ist also durchaus möglich, dass der Staatsbankrott Griechenlands zum Sargnagel der USA wird, da diese mit weitaus größeren Problemen zu kämpfen haben.

Nicht nur die Dimension der Verschuldung ist in den USA eine wesentlich andere, angesichts der (offiziellen) Verschuldung in Höhe von 14,3 Billionen US-Dollar. Viel gravierender ist noch, dass die USA, anders als Griechenland, keine Institution und keinen Staatenverbund hinter sich weiß, der im Fall der Fälle die Schuld tilgen könnte, dafür sind die Exzesse der USA zu lange gediehen und haben zu astronomische Summen erreicht. Während wir momentan eine griechische Tragödie im amerikanischen Schmierentheater beobachten können, wird es immer wahrscheinlicher, dass das Schmierentheater selbst demnächst sichtbar Feuer fängt. Der politische Patt zwischen Republikanern und Demokraten im US-Kongress, der die Anhebung der Schuldenobergrenze verhindert, ist nur ein Symptom für ein viel gravierenderes Problem: Die Zahlungsunfähigkeit der USA wird auf kurz oder lang Realität werden, da können sie noch so viele Rohstoff-Kriege führen und etliche weitere Terroristen aus dem Gefrierschrank holen, um sich im Anschluss in dem menschenverachtenden Fakt zu weiden, dass sie zielgerichtet Menschen töten und ernsthaft die Behauptung aufstellen, dass die Welt durch die Ermordung eines Einzelnen sicherer geworden wäre.

US-Präsident Barack Obama jedenfalls übernimmt immer mehr die Rolle des Insolvenzverwalters. Die Europäer hingegen wollen sich mit dieser Rolle nicht abfinden und verschleppen die Insolvenzen Griechenlands, Portugals und Irlands. Wie lange dieses Spiel noch andauern soll, wissen wohl nur die Wenigsten. Sicher ist jedoch, dass mit jedem Tag, an dem gezögert wird, die Malaise Europas schlimmere Ausmaße annimmt. In Krisenzeiten ist Wankelmütigkeit und Unentschlossenheit kein guter Ratgeber, es scheint allerdings fast so, als hielten es die europäischen Staatenlenker mit Angela Merkel (CDU). Sie kultivierte das Zögern und Zaudern in der bundesdeutschen Politik und es hat den Anschein, als würden die Europäer sich dieser Nicht-Politik bedienen und versuchen, die Dinge einfach aussitzen zu wollen. Wie erfolgreich eine derartige Politik ist, zeigen die letzten 20 CDU-Ergebnisse bei Landtagswahlen.

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