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Alles Bluff – Wie wir zu Hochstaplern werden, ohne es zu wollen

alles_bluff_minicoverWer zu einem Bluff ansetzt, hofft darauf, dass sein Gegenüber sich nicht die Mühe macht, genauer nachzusehen, wie viel Wahrheit hinter einer Aussage steckt. Es braucht also ein gerüttelt Maß an Kreativität, um anderen Menschen etwas vorzugaukeln. Besonders gern wird der Bluff am Pokertisch eingesetzt, wo er nur eine geringe Halbwertszeit haben muss, damit die Wirkung profitabel ist. Ist das Spiel gewonnen, kann man dem Gegner sogar zeigen, womit man ihn hinters Licht geführt hat. Anders sieht es aus, wenn man im wirklichen Leben blufft, mit der Absicht sich Vorteile oder sogar Geld zu beschaffen, das einem unter normalen Umständen nicht zusteht. Beispiele dafür gibt es zu Hauf und in ihrem Buch „Alles Bluff“ haben die Autoren Christian Saehrendt und Steen T. Kittl eine schöne, aber auch beängstigende Sammlung zusammengetragen.

Wer den Film „Catch me if you can“ gesehen hat, weiß wovon die Rede ist. Der von Leonardo DiCaprio verkörperte Held der Geschichte gibt sich als Anwalt, Pilot und Arzt aus und kommt damit überall durch. Eine wahre Geschichte! Ebenso dürfte noch jedem in Erinnerung sein, wie ein Mann namens Helg Sgarbi versucht hat, der Milliardärin und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten ein paar Millionen Euro aus dem Kreuz zu leiern, indem er sie zuerst verführt und anschließend erpresst hat. Und nicht zu vergessen der New Yorker „Finanzexperte“ Bernie Madoff, dem es gelungen ist, gleich mehrere Milliarden US-Dollar zu ergaunern. Eines seiner berühmtesten Opfer dürfte wohl Steven Spielberg gewesen sein, Regisseur des oben genannten Hollywood-Streifens. Man könnte meinen hier schließt sich der Kreis, aber weit gefehlt, denn auch im kleinen Rahmen wird heutzutage geblufft was das Zeug hält. Peinlich wird es nur, wenn der Schmuh auffliegt.

So geschehen bei 170 Bewerbungen, die die New Yorker Hafenbehörde auf eine Stellenanzeige erhalten hat, in der die Kandidaten allesamt angaben, sich mit den in der Anzeige erwähnten „Sontag-Konnketoren“ perfekt auszukennen. Ein Teil der Bewerber hatte sogar seit mehr als zehn Jahren Erfahrungen mit dem Gerät und konnte dies auch nachweisen. Immerhin ging es um einen sehr gut dotierten Job und da macht es sich gut, wenn der Lebenslauf solche Inhalte hat. Was die Bluffer offenbar nicht wussten, ist die Tatsache, dass der Sontag-Konnektor eine reine Erfindung der Personalabteilung war und das Ganze als Test lief, um herauszufinden wer sich erdreistet sein Resumé entsprechend zu frisieren, um an den Job zu kommen. Hier war die Kreativität definitiv auf Seiten der Entlarver.

alles_bluff_coverAlles in allem ist das Buch eine wirklich interessante Lektüre und an manchen Stellen wird man sich selbst auch ein bisschen wiedererkennen. Denn sind wir ehrlich, wer hat noch nie zu einem kleinen Bluff gegriffen um anderen gegenüber ein wenig besser dazustehen, es muss ja nicht immer gleich ins Kriminelle gehen. Die über 300 Seiten sensibilisieren aber auch, wenn es darum geht Bluffs aufzudecken. Davon werden nicht nur Personalchefs profitieren, denn geblufft wird in allen Lebensbereichen und von jeder Gesellschaftsschicht. Aber lesen sie selbst…

Das Buch hat 304 Seiten und ist im Heyne-Verlag erschienen. Für 18,99 € ist es im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.

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