Donnerstag , 25 August 2016
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Syrische Oppositionelle als Gast bei den Bilderbergern

bassma kodmaniDas von den Medien konstruierte Bild ist einfach, um nicht zu sagen: banal. Assad ist ein Diktator. Demzufolge sind seine Gegner die „Guten“. Putin unterstützt Assad. Auch wenn ihn 63,6% der Russen zum Präsidenten wählten, so wirft ihm die internationale Presse Unterdrückung der Opposition vor. Gleich und Gleich gesellt sich schließlich gern. Großes Vertrauen wird den Sprechern des „Syrischen Nationalrats“ geschenkt. Einer davon ist Bassma Kodmani. Ihr Name tauchte sowohl 2012 als auch 2008 auf der Teilnehmerliste der Bilderberger auf. Und sie ist nicht die Einzige, die seit Jahren mit westlichen Think Tanks im Bunde steht.

Täglich sterben in Syrien Menschen. Nicht den bewaffneten Aufständischen wird die Schuld zugesprochen, sondern ausschließlich der syrischen Regierung. Behauptungen, dass die Revolution vom Ausland initiiert wurde, dass die Widerstandskämpfer, in Syrien Terroristen genannt, vom Ausland mit Waffen versorgt werden, passen nicht in das künstlich geschaffene Gesamtbild. Auch wenn sie der Wahrheit entsprechen.

Wer trägt die Verantwortung für jedes Massaker? Den meisten der Medien zufolge, wenn auch gelegentlich recht vorsichtig formuliert, immer Assad. Diesbezüglich möchte ich jedoch in Erinnerung rufen, dass z. B. im Falle des Massakers von Hula am 25. Mai, dem 108 Menschen zum Opfer fielen, sogar die Frankfurter Allgemeine von Zeugenaussagen berichtete, die besagen, dass es sich nicht bei den syrischen Sicherheitskräften, sondern bei den Aufständischen um die Mörder handelt.

Als Sprecherin der syrischen Opposition taucht regelmäßig der Name Bassma Kodmani auf. Wer ist diese Frau? Gehört sie den Opfern des Assad-Regimes an, die nun ihr Leben für Land und Freiheit einsetzt?

Sie war gerade 10 Jahre alt, als ihre Familie 1968 Syrien verließ, nachdem ihr Vater, ein syrischer Diplomat, eine sechsmonatige Gefängnisstrafe verbüßt hatte. Drei Jahre verbrachten sie im Libanon, dann zogen sie nach London und ihre politische Ausbildung absolvierte Kodmani in Paris. Schon im Jahre 2008 zählte sie zu den Gästen beim Bilderberg-Treffen, damals noch als Französin. Sie repräsentierte die sogenannte „Arab Reform Initiative“, eine vom Westen gesteuerte Vereinigung verschiedener arabischer „Forschungsinstitute“. Beim 2012-Treffen wurde als Nationalität dann „international“ angegeben und eingeladen wurde sie in ihrer Funktion als „Vorstand der Auslandsorganisation des Syrischen Nationalrats“.

Die seit 1954 regelmäßig abgehaltenen Bilderberg-Konferenzen finden ausnahmslos unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Obwohl hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und den Medien (siehe Teilnehmerliste) zweifellos über geopolitisch bedeutende Angelegenheiten diskutieren, wird das allgemeine Stillschweigen meist kritiklos hingenommen. Ungeachtet der dort erfolgten Absprachen, wenn Kodmani als Sprecherin der syrischen Rebellen zitiert wird, sollte es eigentlich der journalistischen Sorgfalt entsprechen, Recherchen bezüglich ihres Umfeldes durchzuführen.

Der britische Guardian hat dies auch getan und stieß dabei auf weitere sonderbare Verbindungen mit der internationalen Finanzwelt. Im Jahr 2005 gehörte Kodmani der „Ford Foundation“ an, eine zehn Milliarden Dollar reiche Organisation, die als offizielle Funktion die „Förderung menschlichen Wohlergehens“ angibt. Auch die bereits zitierte „Arab Reform Initiative“ erfreut sich namhafter Unterstützer. Gegründet wurde dieser Dachverband nämlich vom US-amerikanischen Council on Foreign Relations (CFR), einem überaus einflussreichen Think Tank, dem praktisch alle großen Konzerne, von ABC-News über Coca Cola, Merck und Google bis zu Goldman Sachs und Deutsche Bank als Mitglieder ebenso angehören wie amerikanische Spitzenpolitiker.

Der Guardian führt weiter aus, dass die „Arab Reform Initiative“ von einer, dem CFR unterstehenden Organisation namens „US/Middle East Projet“ gegründet wurde, der ein pensionierter General namens Brent Scowcroft vorsteht, ehemaliger US-Sicherheitsberater. Mit im Vorstand sitzt Zbigniew Brezinski, der Scowcroft als Sicherheitsberater im Jahr 1977 abgelöst hatte.

Wenn eine Frau, die sich derartiger Verbindungen erfreut, nach Interventionen durch westliche Militärs in Syrien verlangt, so kann dies wohl kaum als „die Stimme des Volkes“ gewertet werden.

Der ausführlich recherchierte und in viele Details gehende Artikel beim Guardian führt aber noch eine Reihe weiterer Namen an, die von den Medien als Sprecher der syrischen Revolution anerkannt werden, praktisch jedoch unter dem Einfluss westlicher Organisationen stehen. Einer davon wäre Radwan Ziadeh, der ebenso wie Kodmani dem „Syrischen Nationalrat“ angehört. Sein schriftlicher Aufruf an US-Präsident Obama, gegen die syrische Regierung in den Krieg zu ziehen, wurde u. a. von James Woolsley (ehemaliger CIA-Chef) und dem engen Vertrauten von Bush jr., Karl Rove, mitunterzeichnet. Außerdem steht Ziadeh in direkter Verbindung mit dem britischen Think Tank Chatham House, der ebenso wie der CFR zu den weltweit einflussreichsten zählt.

Ein weiterer Name ist Ausama (oder Osama) Monajed. Auch er forderte wiederholt militärisches Eingreifen durch die USA und die NATO. Ein Archivphoto des Weißen Hauses zeigt ihn im Jahr 2008 bei einer Einladung von George W. Bush, zusammen mit anderen „Dissidenten“, wie dem Putin-Gegner Garry Kasparov.

Ein weiterer Name taucht auf, der schon in anderen Revolutionen, die angeblich aus dem Volk heraus entstanden seien, seine Finger im Spiel hatte: George Soros.

Im Jahr 2007 wurde ein „European Council on Foreign Relations“ (ECFR) ins Leben gerufen. Auf der Mitgliederliste finden sich Namen wie George Soros, Bassma Kodmani, aber auch Joschka Fischer, Cem Özdemir und Karl-Theodor von Guttenberg, neben einer Menge anderer Repräsentanten von Politik, Finanzwesen, Wirtschaft und Medien.

George Soros steht einer ganzen Menge von Organisationen vor. Eine davon trägt den Namen „Open Society Foundations“. Schon Ende des Jahres 2010 trug der amerikanische Journalist Glen Beck für Fox News Fakten zusammen (The Puppet Masters), die zumindest zu dem Verdacht führen, dass diese „Open Society Foundations“, neben anderen, ihre Finger bei den sogenannten Farbrevolutionen im Spiel hatte. Und schon zu Beginn des „Arabischen Frühlings“ erkannte Glen Beck dieselben Symbole und eine ähnliche Handschrift.

Ein weiteres Land, in der die „Open Society Foundations“ äußerst aktiv sind, ist Russland. Selbstverständlich geht es immer nur um Demokratie und Menschenrechte. Wen wundert es, dass Vladimir Putin, der bei der letzten Präsidentschaftswahl 63,6% der Stimmen erhielt, sich gegen derartige ausländische Organisationen zur Wehr setzt? Von den Medien wird ihm die verhängte Deklarationspflicht für ausländische Finanzierung oppositioneller Organisationen als autokratische Herrschaft angelastet.

Und warum wehrt sich Russland gegen ein militärisches Eingreifen in Syrien? Im Westen lernen wir, dass NATO-Bomber Menschleben retten. Russlands Putin nimmt Diktator Assad jedoch in Schutz. Also, so der Glaube der „Spiegelbildgeschädigten“ (durch Spiegel oder Bild geschädigt), kann es um ihn nicht viel besser stehen.

Dieser kurze Einblick in die Beziehungen der immer wieder zitierten Oppositionellen in Syrien verweist jedoch auf ein völlig anderes Bild. Während das politische System Deutschlands, wie die jüngsten Abstimmungsergebnisse im Bundestag zeigen, mit Demokratie gar wenig zu tun hat, scheint es als würden diejenigen ausländischen Politiker, die von den westlichen Medien regelmäßig angegriffen werden, die Machtübernahme durch den internationalen Finanzsektor in den eigenen Ländern zu verhindern versuchen. Dass Libyens Gaddafi sein Volk misshandelt hätte, ist ebenso unwahr wie die Behauptung, der Irak hätte unter Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfügt. Und wenn ein Krieg gegen den Iran in Vorbereitung stehen sollte, dann geht es nicht um die nukleare Forschung, sondern um Öl und Geld. Immerhin untersteht die iranische Zentralbank der demokratisch gewählten Regierung und nicht dem internationalen Bankenkartell.

Selbstverständlich dürfen wir nicht davon ausgehen, dass Assad, Putin oder auch Ahmadinedschad das Wohlergehen ihrer Völker von größerer Bedeutung ist als für Merkel oder Obama. Doch mit der Befreiung des Volkes, als was ausländische Interventionen so gerne dargestellt werden, hat dieses Spiel absolut nichts zu tun. Es geht um Macht, um Einfluss, um Finanzkontrolle und um die wirtschaftliche Vorherrschaft. Und dass sich manche Politiker gegen die Macht des internationalen Finanzsektors, der über Think Tanks ebenso herrscht wie über Parlamente, zur Wehr setzen, kann ihnen nicht unbedingt angelastet werden. Unumstritten erfordert objektive Berichterstattung jedoch entsprechende Hinweise.

Über Konrad Hausener

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