Mittwoch , 27 Juli 2016
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Vormarsch der Trilateralen

fuchs_michael_webseiteNoch seltener als die Bilderberg-Gruppe findet die Trilaterale Kommission in der Öffentlichkeit Erwähnung, obwohl sie durch Namen wie Rockefeller, Kissinger, Sutherland oder auch Klaus-Dieter Frankenberger von der FAZ glänzt. Wer findet sich noch in der Liste der ständigen Mitglieder? Lucas Papademos, der neue Chef der Regierung Griechenlands. Und wer führt den Vorsitz? Mario Monti, der nach Berlusconis Rücktritt nun mit der Bildung einer neuen Regierung in Italien betraut wurde. Die Trilaterale Kommission ist eine private Vereinigung, in der sich eben „zufällig“ 300 weltweit überaus einflussreiche Menschen zusammen finden. Wer würde sich dafür schon interessieren? Schon gar nicht die FAZ.

Über die Treffen der Bilderberg-Gruppe, das letzte wurde im Juni in St. Moritz abgehalten, wurde von The Intelligence – im Gegensatz zu den etablierten Medien – bereits mehrmals ausführlich berichtet. Selbstverständlich informierten wir unsere Leser auch über die diesjährige Zusammenkunft der Trilateralen Kommission, zwischen 8. und 10. April in Washington.

Wie die Trilaterale Kommission auf der eigenen Webseite wissen lässt, wurde sie im Jahr 1973 von „privaten Bürgern“ aus Japan, Europa und den Vereinigten Staaten ins Leben gerufen, um eine engere Zusammenarbeit der führenden Industrie-Nationen herbeizuführen. Ob es den demokratischen Interessen entspricht, diese Aufgabe „privaten Bürgern“ zu überlassen, wäre dabei durchaus in Frage zu stellen. Einer fortschreitenden Globalisierung, begleitet vom Abbau nationaler Souveränität, könnte eine Kollaboration auf dieser Ebene allerdings entgegenkommen. Doch, wie wir nur allzu gut wissen, derartige Vermutungen fallen im Handumdrehen in den Bereich der „Verschwörungstheorien“.

Übrigens, als geistiger Vater der Organisation gilt David Rockefeller, der auch den Ehrenvorsitz hält.

Wer diese „privaten Bürger“ sind, die sich so selbstlos – vermutlich sogar in ihrer „Freizeit“ – um das Wohlergehen der Menschheit sorgen, wird von der Vereinigung keineswegs verschwiegen. Die Liste der Mitglieder (pdf) zeigt den Stand vom April 2011. Den Vorsitz der europäischen Gruppe hält Mario Monti inne, jener Mann, der, zumindest vorläufig, bereits als Nachfolger von Silvio Berlusconi gilt. Von den beiden stellvertretenden Vorsitzenden ist einer der tschechische Politiker und ehemalige Minister Vladimir Dlouhy, bei dem auch die Funktion eines Beraters von Goldman Sachs angeführt wird. Der zweite stammt aus Deutschland. Der Koblenzer Michael Fuchs, CDU, seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Auf Grund der alphabetischen Reihenfolge findet sich kurz vor Fuchs der Name Klaus-Dieter Frankenberger, Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik bei der Frankfurter Allgemeinen. Dann finden sich noch weitere deutsche Namen wie Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank AG, CDU-Politiker Heinz Riesenhuber, Ewald Nowotny, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, Peter Löscher von Siemens und Kurt Lauk, ehemaliger Europaabgeordneter und – wie es auf der Webseite von Globe Capital formuliert wird – „Investor in Technologie und Internet-bezogene Betriebe sowie Vorstandvorsitzender mehrerer Unternehmen“.

Bei den angeführten Namen handelt es sich natürlich nur um einen kurzen Auszug. Auch Lucas Papademos, der Nachfolger des zurückgetretenen griechischen Premierministers Giorgios Papandreou, scheint auf. Karel Schwarzenberg, als Mitglied des tschechischen Senats, Peter Sutherland, Vorsitzender von Goldman Sachs, David und John D. Rockefeller, Henry Kissinger und auch Condolezza Rice, die ehemalige US-Außenministerin. Im dritten Teil der Liste stehen dann auch eine Menge asiatischer Namen, mit denen wir allerdings eher wenig vertraut sind.

Ohne die Korrektheit der Angaben näher überprüft zu haben, finden sich im entsprechenden Eintrag bei Wikipedia auch Namen ehemaliger Mitglieder. Unter diesen: Helmut Schmidt, Gerhard Schröder, Josef Ackermann und auch ein gewisser Edmund Rothschild, ein Familienname, der in den Medien ganz besonders selten auftaucht.

Also, um nochmals auf die Erklärung der Trilateralen Kommission zurückzukommen, es handelt sich um eine Vereinigung von „Privatpersonen“. Und somit kann es natürlich nur reinem Zufall entsprechen, dass im Rahmen der Euro-Krise zwei Männer, die halt einfach dem selben Club angehören, die Regierungsgeschäfte in zwei Euro-Staaten zu übernehmen im Begriffe sind. Und wie begeistert ist man insbesondere in Italien, Berlusconi endlich losgeworden zu sein.

noemia_letiziaNein, ich will den alten Silvio hier keineswegs in Schutz nehmen. Immerhin zählte er zu den Mitgliedern der berüchtigten Loge Propaganda Due. Trotzdem ist es sonderbar, dass ihm in erster Linie seine Weibergeschichten vorgeworfen werden, seine Leidenschaft für junge Frauen, seine Abneigung gegen un…, un…., also Fett… – nein, ich schreib’s lieber nicht – also vorwiegend sein Privatleben. Die Schuldenkrise Italiens hat Berlusconi nicht verursacht, er hat sie bereit übernommen. Ob private Zusammenkünfte mit vielleicht etwas zu jungen Damen dem Land mehr schaden als die „private“ Mitgliedschaft – und sogar der Vorsitz – bei einem mächtigen Think Tank, darüber lässt sich durchaus nachdenken.

Bei Russia Today schreibt der argentinische Politik- und Wirtschaftsanalyst Adrian Salbuchi folgenden Satz in einem Artikel, der sich mit dem plötzlich steigenden Einfluss der Trilateralen Kommission auf die europäische Politik befasst:

„Wenn immer wir von einer Schuldenkrise im öffentlichen Bereich hören, ungeachtet ob in Mexiko, 1997, Brasilien, 1999, Argentinien, 2001/02, oder in Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Irland heute und (schon bald) in Großbritannien, Frankreich und den USA, was dies wirklich bedeutet ist, dass die Regierungen von den Leuten nicht mehr genügend Steuern einkassieren können, um die Zinsen für jene Verbindlichkeiten zu begleichen, die überwiegend vom privaten Finanzsektor gehalten werden.“

Der oberflächliche Eindruck der vergangenen Jahrzehnte ließ uns immer wieder glauben, dass es sich bei Politik und Wirtschaft um zwei voneinander getrennte Bereiche handelt. In unverzeihlicher Verantwortungslosigkeit ließen es die Politiker demokratischer Länder zu, dass jene Staaten, die ihrer Regierung anvertraut wurden, immer tiefer in die Schuld des Finanzsektors glitten. Die eben durchgeführten Veränderungen in der politischen Landschaft Griechenlands und Italiens weisen in eine noch erschreckendere Richtung: Repräsentanten des Finanzsektors greifen nun direkt – und nicht mehr bloß aus dem Hintergrund – in die Regierungsgeschäfte ein.

In seinem Buch „Der Aufstieg des Hauses Rothschild“ erklärte der, 1953 verstorbene, Historiker Conte Egon Caesar von Corti ausführlich, wie in der vordemokratischen Zeit Europas die Interessen von Bankiers direkt bei multi-nationalen Abkommen, insbesondere im Rahmen von Friedensverhandlungen, Berücksichtigung fanden. Es scheint, als hätte die Demokratie das, was unseren ehemaligen Herrschern vorgeworfen wurde, ungehindert fortgesetzt: Den Ausverkauf unserer Länder an ein internationales Finanzsystem. Und die Bestellung der neuen Regierungschefs in Griechenland und Italien kann – und davon bin ich überzeugt – als direkte Warnung dafür verstanden werden, was in naher Zukunft auf den Rest Europas und auf die Welt zukommen wird.

Über Konrad Hausener

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