Sonntag , 26 Juni 2016
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Trilaterale Kommission: Gipfeltreffen ohne Publicity

washington_fruehlingDieses Wochenende, vom 8. – 10. April, finden sich die Mitglieder der Trilateralen Kommission wieder einmal zu ihrem Jahrestreffen ein. Dieses Mal in Washington. Es handelt sich dabei um eine private Organisation, die 1973 auf Initiative von David Rockefeller ins Leben gerufen wurde. Obwohl Persönlichkeiten höchsten Ranges, vorwiegend aus dem Bereich Wirtschafts- und Bankenwesen, jedoch auch Repräsentanten der Politik ebenso wie der Medien zu den Mitgliedern zählen, hält sich das öffentliche Interesse sowohl an der Organisation selbst als auch an den regelmäßig stattfindenden Gipfeltreffen sehr in Grenzen.

Bei der Trilateralen Kommission handelt es sich keinesfalls um eine Geheimorganisation, auch wenn ein Großteil der Menschen diesen Namen noch nie vernommen hat. Sie unterhält eine allgemein zugängliche Webseite, die über die Geschichte, die Mitglieder und die Termine der Zusammenkünfte informiert. Den Ehrenvorsitz unterhält jener Mann, der als offizieller Gründer angeführt wird, der mittlerweile 95-jährige David Rockefeller.

Die Mitglieder unterteilen sich in drei Gruppen: Europa, Nordamerika und eine Auswahl asiatischer Staaten, was die Bezeichnung „trilateral“ erklärt. Als Aufgabe der Trilateralen Kommission wird von den Organisatoren die Kommunikation des „privaten Sektors“ bezüglich internationaler Belange angegeben. Gleichzeitig wird auf die steigende Bedeutung verwiesen, die, durch die engere Zusammenarbeit und gegenseitige Abhängigkeit der teilnehmenden Regionen, in jüngster Vergangenheit entstanden ist. Der Ausschluss der Presse – und damit der Öffentlichkeit – wird üblicherweise damit erklärt, dass die Mitglieder nur unter dieser Voraussetzung ihre Ideen und Erkenntnisse offen und frei austauschen können.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich bei diesem Treffen ausschließlich Repräsentanten des Banken- und Wirtschaftssektors, wie etwa Jürgen Fitschen, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank AG, oder Peter Sutherland, Vorsitzender von Goldman Sachs, einfinden. Die Politik ist u. a. durch Wolfgang Gerhardt (FDP) und Heinz Riesenhuber (CDU) vertreten. Auch zählen Repräsentanten der Medien zum auserwählten Kreis der Mitglieder, wie etwa Hans-Dieter Frankenberger, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik der Frankfurter Allgemeinen. Eine vollständige Mitgliederliste, Stand April 2011, von der Organisation selbst zur Verfügung gestellt, findet sich unter diesem Link in PDF-Format.

Falls Sie sich wundern, dass sich in den internationalen Medien keine Hinweise auf eine Konferenz dieser Ebene finden, obwohl Mitglieder der Presse zu den Teilnehmern gehören, so liegt dies an der, auch von der Trilateralen Kommission angewandten, sogenannten „Chatham-House-Regel“, die besagt:

„Wenn ein Treffen oder ein Teil davon unter der Chatham-House-Regel abgehalten wird, so steht es den Teilnehmern frei, die erhaltenen Informationen zu nutzen, aber weder die Identität noch die Zugehörigkeit des/der Redner(s) oder eines anderen Teilnehmers dürfen preisgegeben werden.“

Beim Chatham-House, auch unter dem Namen „Royal Institute of International Affairs“ bekannt,  handelt es sich um eine ähnliche Organisation mit dem Ziel der Harmonisierung internationaler Beziehungen, die bereits 1919 ins Leben gerufen wurde. Auch die langsam an Bekanntheit gewinnende Bilderberger-Gruppe, deren Jahresversammlung 2011 für den Zeitraum zwischen dem 9. und 12. Juni in St. Moritz anberaumt ist, zählt zu diesen einflussreichen Organisationen, die zusammenfassend mit dem Begriff Think-Tanks (Denkfabriken) bezeichnet werden.

Auf gewissen Webseiten finden sich regelmäßig Hinweise auf angebliche Themenpunkte, die auf diesen Treffen Behandlung finden. Insbesondere durch die von den Mitgliedern akzeptierte Schweigepflicht bedingt, dringen verlässliche Informationen über die Vorträge und Gespräche grundsätzlich nicht nach außen. Als logische Konsequenz führt gerade diese Geheimhaltung zu einer Unzahl von Spekulationen, denen allerdings entsprechende Skepsis entgegen zu bringen ist.

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