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Fukushima als Katalysator für den Unmut der Menschen

rss_feed_mannDie aktuellen Ereignisse auf diesem Planeten bringen viele Menschen dazu, in sich zu gehen und nachzudenken. Das ist gut, das ist erfreulich, birgt aber Gefahren. Über allem schwebt derweil das Unglück von Fukushima. Meiner Ansicht nach, bricht hier der Damm. Alles Aufgestaute in den Köpfen der Menschen möchte nach vorne treten und die Anklage erheben. Fukushima ist der Katalysator für den Unmut der Menschen. Doch ist es jetzt wichtiger als jemals zuvor den Weg weise zu wählen. Denn bedenke Mensch: »Alles, was die Menschen in Bewegung setzt, muss durch ihren Kopf hindurch; aber welche Gestalt es in diesem Kopf annimmt, hängt sehr von den Umständen ab.« *Friedrich Engels

Dieses hier sollen meine ganz persönlichen Gedanken zu den genannten Themen sein. Ich leite sie lediglich aus den vorhandenen Synapsen in dem vorhanden Kopf ab. Zusammengesetzt aus dem was ich lese, höre und erlebt habe. Ich versuche zu verstehen was passiert. Ich möchte nicht daneben sitzen und die Veränderung der Welt nur beobachten. Mein Verstand sagt, mir, dass ich nun alt und erfahren genug sei, um an der Gestaltung der künftigen Welt teilzunehmen. Außerdem flüstert er mir, ich solle versuchen beruhigend auf die jungen Ungestümen einzuwirken. Doch muss ich gestehen, es fällt auch mir hin und wieder schwer, den Mahlstrom in meinem Kopf zu zähmen. Zuviel passiert, was ich niemals so gewollt und befürwortet habe.

Abgesehen von Fukushima, einem Ereignis mit Potenzial zur nachhaltigen Zerstörung großflächiger Lebensräume, passieren noch viele andere Dinge in der Welt. Die Menschen sind entsetzt über geführte Kriege, bei denen es ganz offensichtlich nur um Rohstoffe geht. Man kann kaum glauben was in Afrika, Afghanistan und vielen anderen Ländern oder Regionen passiert. Innenpolitisch sieht es nicht besser aus. Von der Regierung in eine Sackgasse manövriert, rückt der friedliche Ausstieg aus der Kernenergie in weite Ferne. Menschen werden per Gesetz gesellschaftlich ausgegrenzt. Politiker schreiben Bücher über die angeblich vererbliche Dummheit von Einwanderern. Und auf der Hand liegend ist Propaganda aus der dunkelsten Periode unseres Landes wieder gesellschaftsfähig in der Politik angekommen.

Das alles, gelesen durch das Vergrößerungsglas unseres Informationszeitalters, in dem Nachrichten halb gar auf den Tisch braver Familienväter mittels Feedburner gebraten werden, gerät die Welt des unbedarften Menschen schnell ins Wanken. Aufgerufen an anderer Stelle sich doch bitte endlich zu empören, mutieren friedliebende Menschen zu pöbelnden Rotten. Der Gedanke an die Verbesserung, die man sich grade noch wünschte, tritt zurück und macht einer anderen Äußerungsform den Weg frei. Der Mensch kann sich selber kaum vor der Informationsflut schützen. Alles prasselt auf einmal auf ihn ein. Strukturierung ist nicht mehr möglich. Doch kommt es doch jetzt darauf an, das Hintergrundrauschen auszublenden und die wichtigen und richtigen Fakten zu erkennen. Jeder für sich. Jeder mit seinen Synapsen.

So beschleunigt sehe ich sie täglich größer werden, die Schar derer, die sich tumb dahin stellen und lauthals nach der Veränderung rufen. Tumb deswegen, weil sie schon wieder nicht merken, wie sie nun von den Medien instrumentalisiert werden. Absichtlich? Ich weiß es nicht. Die Medien spucken ihre Artikel in die Welt, mit allen technischen Mitteln, weil sie es können. Ob dort noch viel überlegt wird, da bin ich mir unsicher. Frage ich tiefer nach, bei denen die da stehen und die Fahne der Revolution schwenken, ist nach zwei bis drei Fragen das Ende der Argumentation erreicht. Tiefes Wissen ist nur bei wenigen zu finden. Und die stehen nicht laut schreiend herum und beschwören die Revolution. Egal wie.

Hinsichtlich dieser Entwicklung gibt es in meinen Augen nun drei Kategorien zu betrachten. Da sind die, die mich persönlich an die sogenannten Hassprediger erinnern. Fanatisch. Scheinbar gewaltbereit. Lässt sich aber nicht überprüfen. Dann die Menschen, die einfach weiter machen, sich zwar kurz über die persönlichen Leiden echauffieren, aber doch weiter gehen. Zwischen diesen beiden Gruppen sind die versammelt, die ich als die goldene Mitte betrachte. Sie arbeiten ruhig, gelassen aber vehement an der Veränderung. Sie machen nicht auf sich aufmerksam, sondern auf die Umstände, Kriege und Ungerechtigkeiten. Diese Menschen haben den Sprung über ihren egoistischen Verstand gewagt und geschafft. Doch sind sie zu wenige, um wirklich zu verändern. Die einen haben den Tunnelblick nur für ihren Hass, die anderen für ihren Habitus. Sie sehen diese Menschen kaum. Nehmen sie nicht wahr.

Eine Veränderung muss her. Daran gibt es nichts zu rütteln. Es ist an der Zeit, dass wir uns als Menschen eines Planeten verstehen und auch so handeln. Alle zusammen. Verstehen muss der Einzelne, agieren müssen wir zusammen. Es ist möglich. Aber es muss ohne Gewalt realisierbar sein. Wie könnte denn eine Zukunft aussehen, die mit einem blutigen Aufstand erkämpft würde? Jede Art von gewaltbereiter Agitation ruft doch sofort eine Gegengewalt auf. Die Spirale in den Abgrund dreht sich dann unaufhaltsam weiter. Ich nehme an, sie würde dann noch beschleunigt. Das Chaos auf der Welt wäre perfekt. Aber Chaos ist nichts, was wir anstreben. Wir wollen friedlich miteinander leben. Den Mitmenschen respektieren und annehmen. Zarte Gedanken an eine vollkommen andere Welt, eine gänzlich veränderte Gesellschaft machen sich als Vision am Horizont breit. Und das ist gut so. Doch die schweren Stiefel, mit denen manch einer die Veränderung in die Welt treten möchte, werden diese zarten Gewächse in den blutgetränkten Boden der Revolution stampfen.

Die gewollte, geforderte und notwendige Veränderung, fängt in den Köpfen eines Jeden von uns an. Wir müssen uns bereit erklären, die Konsequenzen dieser Umstrukturierung anzuerkennen. Ansonsten gehen wir irgendwohin, um irgendwas zu verändern. Ich fordere von uns allen eine friedliche Veränderung. Ich möchte nicht, auch wenn nur symbolisch, den Tod von Menschen fordern. Hass, Gewalt und Fanatismus sind schlechte Wegbegleiter in eine friedliche Gesellschaftsform. Lasst uns das berücksichtigen. Denkt an die vielen friedensstiftenden Kriege. Nie war mehr Frieden in der Welt, oder?

Wenn der Weg stimmt, verliert das Ziel zwar nicht seine Bedeutung, aber es wird der Weg werden. Ich wiederhole hier Herrn Engels gerne wieder. »Alles, was die Menschen in Bewegung setzt, muss durch ihren Kopf hindurch; aber welche Gestalt es in diesem Kopf annimmt, hängt sehr von den Umständen ab.«

© Marcus Jüngling

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