Sonntag , 27 Mai 2018
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Es ist unglaublich was man alles mit einer Gitarre machen kann

tommy_emmanuelIch denke, man kann die Musiker an einer Hand abzählen, die als kleines Kind bereits Profi in ihrem Fach waren. Michael Jackson gehörte dazu, das wissen fast alle. Aber es trifft auch auf Tommy Emmanuel zu. Der 56jährige Gitarrist aus Australien gastierte am vergangenen Donnerstag in der Düsseldorfer Tonhalle, wie die Philharmonie der Rheinmetropole genannt wird, was nach Meinung des Kabarettisten Konrad Beikircher daran liegt, dass der rheinische Dialekt anatomisch bedingte Probleme mit dem Wort „Fillemoni“ hat. Aber das nur am Rande.

Tommy Emmanuel jedenfalls lernte das Gitarrenspielen im Alter von vier Jahren von seiner Mutter und ging bereits im Alter von nur neun Jahren auf Tournee. Was er in diesem zarten Alter mit dem Gitarrenspielen verdiente, machte damals den Hauptanteil des gesamten Familieneinkommens aus. Und er ist bis heute das große Ausnahmetalent geblieben, das er von Kindesbeinen an war. Tommy wurde von der Gitarrenlegende Chet Atkins mit dem „Certified Guitar Player“ ausgezeichnet, eine Auszeichnung, die außer Emmanuel insgesamt nur zwei andere Gitarristen erhielten. Im „Guitar Player Magazin“ wurde er 2008 und 2010 zum „besten Akustik-Gitarrenspieler der Welt“ gewählt.

Wer ihn zum ersten Mal sieht und hört, kann sich auch nicht vorstellen, dass aus einer Gitarre mehr herauszuholen ist. Wenn man es böse formulieren möchte: Der Mann braucht dringend eine neue Herausforderung. Wen es interessiert, dem empfehle ich die YouTube-Suche nach „Tommy Emmanuel Initiation“ (Video auch am Ende dieses Artikels). Wer dann beim Zuhören die Augen schließt, findet sich im australischen Dschungel wieder während eines Aborigini-Initierungsrituals mit allen Dschungelgeräuschen. Und wer die Augen dabei öffnet, sieht einfach einen Mann, alleine mit seiner Akustikgitarre auf der Bühne. Die YouTube-Suche nach „Tommy Emmanuel Mombasa“ ergibt jenen Treffer, mit dem der Megastar uns – allein mit einer Akustikgitarre und einem Besen – nach Mombasa entführt. Aber solche Eskapaden (anders kann man das nicht nennen) sind nur das Show-Extra einer ansonsten virtuosen Vorstellung in einem seiner 300 Konzerte jedes Jahr, ja, jedes Jahr!. Der Mann ist süchtig nach seiner eigenen Musik, und nur so ist eine solche Perfektion zu erklären.

In Düsseldorf präsentierte der beste Gitarrenspieler der Welt (Guitar Player Magazin) sich zusammen mit seiner australischen Band. Der Verfasser dieser Zeilen hat schon einige Konzertbesuche hinter sich, aber dieses war das beeindruckendste überhaupt. Das Publikum kam aus dem Gröhlen, Pfeifen und Jubeln nicht mehr heraus. Standing Ovations und unendliche Zugabeforderungen, die vom sympathischen Meister auch befriedigt wurden. Eine ungeheure Bandbreite, die sentimentale oder bluesige Solostücke auf seiner abgewetzten „Laminatgitarre“ ebenso beinhaltete wie pure, mitreißende Rockmusik mit E-Gitarre und Band. Und als I-Tüpfelchen betrat dann auch noch Josho Stephan als Gaststar die Bühne. Der Mönchengladbacher Gitarrist gehört selbst zur absoluten Top-Elite der Welt, kann schon mehrere Auftritte in der New Yorker Carnegie-Hall verbuchen und gehört zu Emmanuels besten Freunden, mit denen er regelmäßig über viele Monate auf Welttournee geht. Die beiden legten drei Duette hin, die an Geschwindigkeit und Raffinesse nicht mehr zu überbieten sind.

Ein Konzert von Tommy Emmanuel gehört zum Bewegendsten, was Live-Musik zu bieten hat. Wer die Chance hat, eines zu besuchen, darf sie sich nicht entgehen lassen. Und wer noch nie etwas von Tommy Emmanuel gehört hat, hier das oben erwähnte Video als Kostprobe.

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