Donnerstag , 22 August 2019
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Brief einer Mutter aus Fukushima

Dank des weltweiten Nachrichtennetzes, sind wir an Katastrophen-Meldungen gewöhnt. Tornados in den Vereinigten Staaten, Überschwemmungen in Australien, schwere Erdbeben auf Haiti, in Chile und kürzlich in Japan. Neuer Vulkanausbruch auf Island. Und nur ein Jahr ist es her, dass der Golf von Mexiko durch eine Explosion beim Blowout durch Öl und Chemikalien verseucht wurde. Wir nehmen die Zahl der Todesopfer zur Kenntnis, hören von Schäden in Milliardenhöhe. Doch wie oft denken wir wirklich an die Menschen, die unter den Auswirkungen dieser Katastrophen leiden? Der Unfall im Kernkraftwerk von Fukushima rangiert zur Zeit wohl an erster Stelle, denn radioaktive Verseuchung ist heimtückisch und unsichtbar.

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Der Ursprung dieses Briefes ist nicht eindeutig nachvollziehbar. Es wird angegeben, dass  Tomoko Hatsuzawa aus Fukushima City, eine Mutter von zwei Kindern, das folgende Schreiben an jemanden ausgehändigt hat, der über die Intensität radioaktiver Strahlung in den Schulen in der Nähe des Atomkraftwerkes berichten wollte. Der Übersetzer ins Englische wird als Hiroko Tabuchi genannt. Doch ungeachtet der mangelnden Überprüfbarkeit der Authentizität,  die Worte sprechen für sich. Und sie zeigen auf, wie sich das tägliche Leben im Umkreis von Fukushima abspielt.

An die Menschen in den Vereinigten Staaten und rund um die Welt!

Ich entschuldige mich für das Uran und das Plutonium, das Japan in die Umwelt abgegeben hat. Der radioaktive Niederschlag hat die Welt bereits viele Male umrundet, und dabei Hawaii, Alaska und sogar New York erreicht.

Wir leben 60 km vom Kraftwerk entfernt, und unsere Heimat wurde schlimmer verseucht als es in Tschernobyl der Fall war. Das Cäsium-137, das in der Erde gefunden wird, bleibt für die nächsten 30 Jahre hier. Doch die Regierung wird uns nicht helfen. Sie sagen uns, wir sollen einfach hier bleiben. Unseren Kindern sagen sie, sie sollen Hüte aufsetzen, Gesichtsmasken tragen und weiter zur Schule gehen.

In diesem Sommer wird es unseren Kindern nicht möglich sein, schwimmen zu gehen. Sie werden nicht im Freien spielen können. Sie können nicht Fukushimas leckere Pfirsiche essen. Nicht einmal den Reis können sie essen, der von den Bauern in Fukushima geerntet wird. Sie können Fukushimas wunderschöne Flüsse, Berge und Seen nicht mehr besuchen. Es macht mich so traurig. Es erfüllt mich mit so viel Bedauern.

Stattdessen werden unsere Kinder den Sommer in ihren Klassenzimmern verbringen. Ohne Klimaanlage. Im Schweiß gebadet, während sie sich auf den Unterricht konzentrieren. Wir wissen nicht einmal, wie viel Strahlung sie bereits ausgesetzt wurden.

Ich war acht Jahre alt, als das Fukushima-Dai-ichi-Kernkraftwerk eröffnet wurde. Hätte ich damals verstanden, was sie da gebaut haben, dann hätte ich dagegen angekämpft. Ich habe damals nicht begriffen, dass es eine Gefahr in sich birgt, die meine Kinder bedrohen sollte, die Kinder meiner Kinder und deren Kinder.

Ich bin dankbar für all die Hilfe, die uns von der Welt gesandt wurde.

Worum wir euch jetzt bitten, wäre gegen die japanische Regierung Stellung zu nehmen. Sagt ihnen doch, dem Schutz der Kinder höchste Priorität einzuräumen.

Meinen verbindlichsten Dank,

Tomoko Hatsuzawa

25. Mai, 2011

Natürlich wird die „internationale Gemeinschaft“ keinen Druck auf die japanische Regierung ausüben. Natürlich war Tomoko Hatsuzawa als Achtjährige nicht in der Lage, etwas gegen den Bau des Atomkraftwerks zu unternehmen. Und vermutlich fehlt es dem dicht besiedelten Land Japan auch wirklich an Möglichkeiten, den Bewohnern von Fukushima eine neue Heimat in sicherer Entfernung zu bieten. Doch gerade diese Unstimmigkeiten in diesem Schreiben zeigen auf, dass es sich einfach um die verzweifelten Gedanken einer Mutter handelt, die sich – und zwar durchaus berechtigt – um die Zukunft ihrer Kinder sorgt.

Quelle mit der ursprünglich englischen Übersetzung des vorliegenden Briefes.

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